Schwar­zer Bür­ger­meis­ter in Slo­we­ni­en

Rheinische Post Goch - - Politik - VON RU­DOLF GRU­BER

PI­RAN Das Adria-Städt­chen Pi­ran be­kommt ei­nen Schwarz­afri­ka­ner als Bür­ger­meis­ter, den ers­ten in Slo­we­ni­en. Pe­ter Boss­man (55), in Gha­na ge­bo­ren, hat den bis­he­ri­gen Stadt­chef To­maz Gant­ar im Wahl­kampf be­siegt.

Boss­man mag es nicht, wenn er „Oba­ma von Pi­ran“ ge­nannt wird. Da­mit sei­en Er­war­tun­gen ver­bun­den, die er nicht er­fül­len kön­ne. „Ich will nicht mehr ver­spre­chen, als ich hal­ten kann.“ Als sei­ne Prio­ri­tät nann­te er die Lö­sung der Um­welt-und Ver­kehrs­pro­ble­me der Stadt. Der Wahl­sie­ger lebt seit 33 Jah­ren in Slo­we­ni­en, das da­mals noch ei­ne ju­go­sla­wi­sche Teil­re­pu­blik war. Der Sohn ei­nes Arz­tes und Po­li­ti­kers hat hier Me­di­zin stu­diert und ei­ne Slo­we­nin ge­hei­ra­tet, 1986 kam ein Töch­ter­chen zur Welt.

Boss­man ist ein „Über­bleib­sel“ der Ti­to-Ära, als vie­le Schwarz­afri­ka­ner in dem block­frei­en so­zia­lis­ti­schen Staat die Chan­ce ei­nes Stu­dums er­hiel­ten. Weil in Bel­grad und Zagreb kei­ne Stu­di­en­plät­ze frei wa­ren, ließ sich der jun­ge Mann in Slo­we­ni­ens Haupt­stadt Ljublja­na nie­der, von der er noch nie ge­hört hat­te. 1994 mach­te Boss­man in Pi­ran ei­ne Arzt­pra­xis auf, vier Jah­re spä­ter zog er für die So­zi­al­de­mo­kra­ten in den Stadt­rat ein. Bei den Kom­mu­nal­wah­len mach­ten ihn jetzt die Bür­ger Pi­rans mit 51,4 Pro­zent der Stim­men zum Stadt­ober­haupt.

Der bis­he­ri­ge Bür­ger­meis­ter schei­ter­te nicht nur po­li­tisch – man­gels ei­nes an­de­ren Ver­kehrs­kon­zepts woll­te er al­le Au­tos aus den en­gen Gas­sen der Stadt ver­ban­nen, was ihm die Bür­ger übel­nah­men –, son­dern auch an der ent­waff­nen­den Freund­lich­keit sei­nes schwar­zen Kon­kur­ren­ten. „Die Leu­te fass­ten schnell Ver­trau­en zu mir“, er­klärt sich Boss­man sei­nen Über­ra­schungs­er­folg, „ein­fach, weil ich ih­nen zu­hör­te.“

Zu­gu­te kam ihm das welt­of­fe­ne Kli­ma Pi­rans, das ei­ne Au­to­stun­de süd­lich von Triest liegt. Das 4000-Ein­woh­ner-Städt­chen mit sei­ner jahr­hun­der­te­al­ten ve­ne­zia­ni­schen Ver­gan­gen­heit zählt zu den Per­len der Ost-Adria. Der Tou­ris­mus ist Haupt­ein­nah­me­quel­le der Stadt. Pe­ter Boss­man ist si­cher: „Die Men­schen wol­len, dass der Bür­ger­meis­ter für die Pro­ble­me Lö­sun­gen an­bie­tet. Die Haut­far­be ist ih­nen nicht so wich­tig.“ In­ter­net Fo­tos von Pe­ter Boss­man und sei­ner Stadt: www.rp-on­line.de/po­li­tik

FO­TO: RTR

Ehe­frau Kar­me­na Boss­man küsst ih­ren Mann Pe­ter nach dem Wahl­sieg.

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