Kur­ze Ge­schich­te des Trak­tors auf Ukrai­nisch

Rheinische Post Goch - - Wissen / Roman -

Ich hat­te Glück. Ich bin zum rich­ti­gen Zeit­punkt zur Welt ge­kom­men.

Ich weiß nicht, was ge­nau Du­bov in den nächs­ten vier­zehn Ta­gen un­ter­nahm, um sei­ne Wer­bung um Va­len­ti­na vor­an­zu­trei­ben, doch Va­ter er­zähl­te mir, dass er sich je­den Tag mit dem Rolls-Roy­ce auf den Weg mach­te, an man­chen Ta­gen vor­mit­tags, an an­de­ren abends. Wenn er zu­rück­kam, war er stets gleich­blei­bend nett und freund­lich, auch wenn er ab und zu et­was be­drückt wirk­te.

Und wenn Va­ter ins Schwan­ken kam, ob er sich wirk­lich schei­den las­sen woll­te – was an­fangs bei­na­he täg­lich ge­schah –, be­stärk­te Du­bov ihn im­mer wie­der von Neu­em.

„Ni­ko­lai Ale­xe­je­witsch”, pfleg­te er zu sa­gen, „Ve­ra und Na­dia hat­ten das Glück, Ih­re vä­ter­li­che Zu­nei­gung und Ihr Wis­sen ge­nie­ßen zu kön­nen, als sie her­an­wuch­sen. Auch Sta­nis­lav braucht sei­nen Va­ter. Und was das Ba­by an­geht, wis­sen Sie, ein klei­nes Kind muss ei­nen jun­gen Va­ter ha­ben. Sei­en Sie doch zu­frie­den mit den Kin­dern, die Sie schon ha­ben.”

„Sie sind aber selbst auch nicht mehr der Jüngs­te, Wo­lod­ja Si­me­o­no­witsch”, gab Va­ter dann zu­rück. Doch Du­bov war nicht aus der Ru­he zu brin­gen.

„Das stimmt schon. Aber ich bin im­mer noch viel jün­ger als Sie.”

Die brief­li­che Ant­wort von Va­len­ti­nas An­walt an Ms. Car­ter lau­te­te, dass sei­ne Man­dan­tin es ka­te­go­risch ab­leh­ne, sich ei­nem Va­ter­schafts­test zu un­ter­zie­hen, al­ler­dings be­reit sei, ei­ne sehr viel nied­ri­ge­re Ab­fin­dungs­sum­me von fünf­tau­send Pfund zu ak­zep­tie­ren.

„Was soll ich da­zu sa­gen?”, will Va­ter wis­sen.

„Was sol­len wir da­zu sa­gen?”, fra­ge ich Ve­ra.

„Was mei­nen Sie?”, fragt Ve­ra Ms. Car­ter.

„Bie­ten Sie ihr zwei­tau­send an”, schlägt Ms. Car­ter vor. „Viel mehr wür­de ihr das Ge­richt ver­mut­lich auch nicht zu­er­ken­nen. Zu­mal es ja Hin­wei­se auf Ehe­bruch gibt.” „Ge­nau”, sagt Ve­ra. „Ich wer­de es Va­ter bei­brin­gen”, ver­spre­che ich.

„Gut dann, wenn ihr un­be­dingt wollt”, lenkt Va­ter am Te­le­fon ein. „Ich se­he schon, dass ihr al­le ge­gen mich seid.”

„Du spinnst”, schnau­ze ich ihn an. „Das Ein­zi­ge, was ge­gen dich ist, ist dei­ne ei­ge­ne Dumm­heit. Sei froh, dass wir da sind und dich vor dir selbst be­schüt­zen.”

„Gut, gut. Ich bin ja mit al­lem ein­ver­stan­den.”

„Und wenn wir bei Ge­richt sind, komm bloß nicht wie­der mit sol­chem Quatsch wie ,Ich bin der Kinds­va­ter’ – hörst du?”

„Ja, Na­dia”, brummt er. „Du wirst schon so ein Mons­ter wie dei­ne Schwes­ter.”

„Ach, sei doch ru­hig, Pa­pa.” Da­mit knal­le ich den Hö­rer auf die Ga­bel.

Es ist nur noch ei­ne Wo­che bis zur Ver­hand­lung, und wir sind al­le ein biss­chen ner­vös.

Ei­ne Pi­lo­ten­bril­le mit Gold­rand

Am Tag vor der Ver­hand­lung ist im­mer noch kei­ne Ant­wort von Va­len­ti­nas An­walt auf das Zwei­tau­send-Pfund-An­ge­bot ein­ge­trof­fen.

(Fort­set­zung folgt) © 2006 dtv München; aus dem Eng­li­schen von El­fi Har­ten­stein

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