Ko­ali­ti­on hilft strom­in­ten­si­ver In­dus­trie

Uni­on und FDP er­hö­hen die Öko­steu­er für en­er­gie­in­ten­si­ve Be­trie­be we­ni­ger stark als ge­plant. Die Ta­bak­steu­er wird im Ge­gen­zug um bis zu 32 Cent pro Zi­ga­ret­ten­pa­ckung er­höht. Die Re­gie­rung kün­digt gleich­zei­tig Steu­er­ver­ein­fa­chun­gen an, dar­un­ter ei­ne zweij

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft - VON BIR­GIT MAR­SCHALL

BERLIN Bun­des­re­gie­rung und Wirt­schafts­ver­bän­de ha­ben ges­tern die Kri­tik der Op­po­si­ti­on an den jüngs­ten Öko­steu­er­be­schlüs­sen zu­rück­ge­wie­sen. Die Ko­ali­ti­ons­spit­zen hat­ten sich Sonn­tag­abend dar­auf ge­ei­nigt, die Öko­steu­er für en­er­gie­in­ten­si­ve Be­trie­be ab 2011 we­ni­ger stark zu er­hö­hen als bis­her ge­plant. Oh­ne die Än­de­run­gen wä­ren „hun­dert­tau­sen­de Ar­beits­plät­ze wo­mög­lich in Ge­fahr ge­we­sen“, sag­te Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert. Um ent­ste­hen­de Ein­nah­me­lü­cken zu schlie­ßen, will die Re­gie­rung nun die Ta­bak­steu­er er­hö­hen.

Op­po­si­ti­on und Ge­werk­schaf­ten kri­ti­sier­ten, das Spar­pa­ket der Bun­des­re­gie­rung sei da­mit so­zi­al noch un­aus­ge­wo­ge­ner: Wäh­rend die In­dus­trie ih­re In­ter­es­sen weit­ge­hend durch­ge­setzt ha­be, kä­men auf die Bür­ger neue Be­las­tun­gen zu.

Die Wirt­schafts­ver­bän­de re­agier­ten da­ge­gen mit Ap­plaus: „Die Bun­des­re­gie­rung geht mit die­ser Kor­rek­tur am Spar­pa­ket ei­nen Schritt auf den Mit­tel­stand zu“, sag­te der Prä­si­dent des Zen­tral­ver­ban­des des Deut­schen Hand­werks (ZDH), Ot­to Kent­zler, un­se­rer Zei­tung. „Et­wa die Hälf­te der rund 960 000 Hand­werks­be­trie­be wird von der Ent­schei­dung pro­fi­tie­ren.“

Auch der Deut­sche In­dus­trie­und Han­dels­kam­mer­tag (DIHK) äu­ßer­te sich po­si­tiv. „Ho­he Roh­stoff-und Ener­gie­prei­se sind ein Ri­si­ko für den Auf­schwung. Durch die Öko­steu­er-Ei­ni­gung kön­nen die Un­ter­neh­men nun ein we­nig auf­at­men, und auch die Ar­beits­plät­ze sind da­durch si­che­rer ge­wor­den“, sag­te DIHK-Haupt­ge­schäfts­füh­rer Mar­tin Wans­le­ben. „Be­son­ders mit­tel­stän­di­sche Un­ter­neh­men wä­ren von den Öko­steu­er­plä­nen der Re­gie­rung be­son­ders hart ge­trof­fen wor­den“, so Wans­le­ben.

Ne­ben den Kor­rek­tu­ren bei der Öko­steu­er be­schloss die Ko­ali­ti­on, ih­re Plä­ne zur Steu­er­ver­ein­fa­chung zu for­cie­ren. Ein Ko­ali­ti­ons­aus­schuss am 9. De­zem­ber soll ei­nen Ka­ta­log von Maß­nah­men fest­le­gen. Die Re­gie­rung prüft ins­ge­samt rund 90 Vor­schlä­ge. Bür­ger sol­len et­wa künf­tig nur noch al­le zwei Jah- re ei­ne Steu­er­er­klä­rung ab­ge­ben müs­sen. Jähr­lich sol­len sie durch die Maß­nah­men um 500 Mil­lio­nen Eu­ro ent­las­tet wer­den. Die wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten zu den Ko­ali­ti­ons­be­schlüs­sen:

Wie pro­fi­tie­ren die Be­trie­be von der Öko­steu­er-Ent­schei­dung?

Der So­ckel­be­trag, ab dem Ver­güns­ti­gun­gen bei der Öko­steu­er grei­fen, soll nicht von der­zeit 512 auf 2500 Eu­ro, son­dern nur auf 1000 Eu­ro an­ge­ho­ben wer­den. Das heißt, wer mehr als 1000 Eu­ro für sei­nen Strom im Jahr be­zahlt, kommt für den Be­trag ober­halb die­ser Schwel­le in den Ge­nuss von Ver­güns­ti­gun­gen. Zu­dem wird der er­mä­ßig­te Steu­er­satz für en­er­gie­in­ten­si­ve Wirt­schafts­be­trie­be von 60 auf 75 und nicht auf 90 Pro­zent er­höht. Der so ge­nann­te Spit­zen­aus­gleich für die In­dus­trie wird aber we­ni­ger ab­ge­senkt als ge­plant. Die In­dus­trie

Die Steu­er soll in vier Jah­res­schrit­ten um jähr­lich vier bis acht Cent pro Zi­ga­ret­ten­pa­ckung stei­gen. Für Selbst­dre­her er­höht sich die Steu­er pro 40-Gramm-Fein­schnitt-Ta­bak­pa­ckung um zwölf bis 14 Cent jähr­lich. Die Ge­set­zes­än­de­rung soll im Ver­lauf von 2011 wirk­sam wer­den. Im Jahr 2011 soll sie 200 Mil­lio­nen Eu­ro zu­sätz­lich ein­brin­gen. Bis 2014 stei­gen die zu­sätz­li­chen Ein­nah­men auf 800 Mil­lio­nen Eu­ro. Bis­her spült die Ta­bak­steu­er rund 13 Mil­li­ar­den Eu­ro jähr­lich in die Kas­sen des Bun­des.

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