War­um Bahn­streiks dro­hen

Drei Ge­werk­schaf­ten ver­han­deln für die Ar­beit­neh­mer, zwei wol­len nun strei­ken. Der Kern des Streits: Mit­ar­bei­ter der Pri­vat­bah­nen sol­len den glei­chen Lohn be­kom­men wie die An­ge­stell­ten der Deut­schen Bahn AG.

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft - VON CHRISTIN NÜNEMANN

BERLIN Bei der Bahn wird wie­der ge­streikt. Bun­des­weit soll heu­te der Re­gio­nal­ver­kehr für ei­ni­ge St­un­den still­ste­hen. Hin­ter der Ar­beits­nie­der­le­gung steht die­ses Mal aber kein klas­si­scher Lohn­streik. Statt­des­sen kämp­fen die Bahn-Ge­werk­schaf­ten Trans­net, die Ge­werk­schaft Deut­scher Bun­des­bahn­be­am­ter und An­wär­ter (GDBA) und die Ge­werk­schaft deut­scher Lo­ko­mo­tiv­füh­rer (GdL) für ei­nen Bran­chen­ta­rif­ver­trag. Ihr Ziel: Die Lok­füh­rer und das Ser­vice­per­so­nal der Pri­vat­bah­nen sol­len den glei­chen Lohn be­kom­men wie die Be­schäf­tig­ten der Deut­schen Bahn. So er­hal­ten Lok­füh­rer beim Staats­kon­zern rund 3000 Eu­ro brut­to, bei den pri­va­ten Wett­be­wer­bern oft nur rund 2400 Eu­ro im Mo­nat.

„Es darf nicht sein, dass Kol­le­gen für die glei­che Ar­beit teil­wei­se bis zu 20 Pro­zent we­ni­ger Lohn be­kom­men“, sag­ten Trans­net-Chef Alexander Kirch­ner und GDBA-Chef Klaus-Die­ter Hom­mel. Ins­be­son­de­re die Pri­vat­bah­nen wür­den die­se Form von Lohn­dum­ping als Wett­be­werbs­vor­teil nut­zen, um an Auf­trä­ge zu kom­men. Die Deut­sche Bahn wie­der­um ver­su­che mit ei­ge­nen Nied­rig­lohn-Toch­ter­un­ter­neh­men, mit den pri­va­ten Wett­be­wer­bern zu kon­kur­rie­ren. Hier­auf müs­se sie ver­zich­ten.

Die Pri­vat­bah­nen se­hen das an­ders. „Un­se­re Be­schäf­tig­ten ha­ben ein ganz an­de­res Tä­tig­keits­pro­fil als die An­ge­stell­ten der Deut­schen Bahn“, sag­te der Spre­cher der sechs größ­ten Pri­vat­bah­nen. Des­halb ha­be die Bran­che auch ein an­de­res Ent­gelt­sys­tem als der Groß­kon­zern. Was be­deu­tet das? An­ge­stell­te im Fern­ver­kehr leis­ten häu­fig mehr Nacht­schich­ten als ih­re Kol­le­gen im Nah­ver­kehr. Au­ßer­dem sind für sie Über­nach­tun­gen in frem­den Städ­ten üb­lich. Trotz die­ser Un­ter- schie­de der Ar­beits­be­din­gun­gen ent­lohnt die Deut­sche Bahn al­le ih­re Lok­füh­rer und Ser­vice­an­ge­stell­ten ein­heit­lich – egal ob sie im Nah-oder Fern­ver­kehr ein­ge­setzt sind. Die Pri­vat­bah­nen wol­len sich die­ses Kon­zept nicht über­stül­pen las­sen. Schließ­lich be­die­nen sie nur den Nah­ver­kehr.

Grund­sätz­lich sind die Pri­vat­bah­nen aber an ei­nem ge­mein­sa­men Ta­rif­ver­trag in­ter­es­siert. Al­ler­dings müs­se er zu ih­rer Bran­che pas­sen. Ihr letz­tes An­ge­bot: Die Lok­füh­rer er­hal­ten das glei­che Mo­nats­grund­ge­halt wie die Lok­füh­rer der Deut­schen Bahn, al­ler­dings sol­len Zu­schlä­ge wie et­wa für Nacht­ar­beit ge­rin­ger aus­fal­len. Ins­ge­samt be­kä­men die Trieb­fahr­zeug­füh­rer so­mit ein Ge­halt, das zehn Pro­zent un­ter dem der Lok­füh­rer der Bahn lä­ge. Die Ge­werk­schaf­ten Trans­net und GDBA leh­nen das An­ge­bot ab. Mit der GdL, die sich am heu­ti­gen Streik nicht be­tei­ligt, wird wei­ter ver­han­delt. Ob­wohl die Ta­rif­par­tei- en be­reits seit meh­re­ren Wo­chen Ge­sprä­che füh­ren, ist über die Ent­loh­nung des Ser­vice­per­so­nals noch nicht ge­spro­chen wor­den. „So weit sind wir noch gar nicht ge­kom­men“, sag­te der Spre­cher der Pri­vat­bah­nen. Die Bahn ap­pel­lier­te ges­tern „ein­dring­lich“, auf Warn­streiks zu ver­zich­ten. „Die Bahn zu be­strei­ken, um Druck auf die Wett­be­wer­ber der Bahn aus­zu­üben – das kann nicht sein“, sag­te Per­so­nal­vor­stand Ul­rich Weber. Er schlug vor, in ein Sch­lich­tungs­ver­fah­ren ein­zu­stei­gen. Die Ge­werk­schaf­ten er­klär­ten hin­ge­gen, kä­men die Ver­hand­lun­gen nach dem ers­ten Warn­streik nicht in Be­we­gung, sei­en „wei­te­re Ar­beits­kampf­maß­nah­men un­aus­weich­lich“.

FO­TO: DPA

Bun­des­weit sol­len heu­te im Re­gio­nal­ver­kehr vie­le Zü­ge ste­hen­blei­ben. Die Ge­werk­schaf­ten Trans­net und GDBA ha­ben zu dem Warn­streik auf­ge­ru­fen.

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