„Bei Che­mie geht es um Auf­schwung-Ta­rif­ver­trag“

Pe­ter Haus­mann, Vor­stands­mit­glied der Ge­werk­schaft IG Berg­bau, Che­mie und Ener­gie (IG BCE), über künf­ti­ge Ver­hand­lun­gen

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft -

Ir­ri­tiert es Sie, wenn die schwarz-gel­be Re­gie­rung deut­li­che Lohn­er­hö­hun­gen for­dert? Haus­mann Ir­ri­tiert sind wir nicht, aber sol­che Ein­mi­schun­gen sind läs­tig. Wir ha­ben der Po­li­tik schon mehr­fach den Hin­weis ge­ge­ben, dass sie sich raus­hal­ten soll, wenn es um die Lohn­fin­dung geht. Be­fin­det sich die Che­mie­bran­che wie­der auf dem Vor­kri­sen­ni­veau? Haus­mann Es brummt, sehr vie­le Un­ter­neh­men ver­mel­den Re­kord­zah­len. Aber die Mar­gen lie­gen noch nicht über­all wie­der auf dem Ni­veau von 2008. Spielt Kurz­ar­beit noch ei­ne Rol­le? Haus­mann Wir ha­ben noch ganz we­ni­ge Be­trie­be in Kurz­ar­beit. Die Zahl der Un­ter­neh­men, die ta­rif­ver­trag­li­che Öff­nungs­klau­seln nutzt, hat sich in­ner­halb des letz­ten Jah­res auf rund 180 hal­biert. Auch das zeigt: Es geht auf­wärts. Beim Che­mie-Ta­rif­ver­trag für 2010 gab es nur ei­ne Ein­mal­zah­lung. Da­mit wer­den Sie sich wohl im Fe­bru­ar 2011 nicht ab­spei­sen las­sen. Haus­mann Der Schwerpunkt der kom­men­den Run­de liegt auf Geld, das ist klar. Die Zeit der Kri­sen-Ta­rif­ver­trä­ge ist vor­bei, jetzt geht es um ei­nen Auf­schwung –Ver­trag. Bei der letz­ten Vor­kri­sen­ta­rif­run­de for­der­te die IG BCE zwi­schen 6,5 und sie­ben Pro­zent. Vor­la­ge für 2011? Haus­mann Ich kann noch nicht über Zah­len re­den, da­für ist es viel zu früh. Wir wer­den An­fang De­zem­ber un­se­re For­de­rungs­emp­feh­lung ab­set­zen. Die Be­son­der­hei­ten der Bran­che wer­den wir be­rück­sich­ti- gen, wir wol­len ei­nen che­mie­spe­zi­fi­schen Ab­schluss. Die Ver­trä­ge bei Ka­li oder beim Stahl ha­ben wir im Hin­ter­kopf, das sind aber kei­ne Blau­pau­sen. IG-Me­tall-Chef Berthold Hu­ber hat si­gna­li­siert, die IG Me­tall wer­de auch über Ta­rif­ver­trä­ge ab­stim­men las­sen. Ein Mo­dell, das auch für die IG BCE in­fra­ge kommt? Haus­mann Un­se­re in­ter­nen Re­geln sind ba­sis­ori­en­tiert, Be­tei­li­gung wird groß ge­schrie­ben. Das funk­tio­niert gut, dar­an brau­chen wir nichts zu än­dern. Die IG Me­tall hat für die Stahl­bran­che ei­nen Ta­rif­ver­trag er­zielt, der die glei­che Be­zah­lung von Leih­ar­bei­tern und Stamm­be­leg­schaft vor­sieht. Was plant die IG BCE in die­ser Be­zie­hung? Haus­mann Ziel muss es sein, das die Leih­ar­beit wie­der ih­ren ur­sprüng­li­chen Zweck er­füllt, näm­lich Kon­junk­tur­spit­zen ab­zu­fan­gen und Krank­heits­fäl­le aus­zu­glei­chen. Zu­dem muss es wie­der ei­ne zeit­li­che Be­gren­zung der Leih­ar­beit ge­ben. Und wir be­nö­ti­gen ei­ne Ent­wick­lung hin zum Equal Pay, al­so der glei­chen Be­zah­lung von Stamm­be­leg­schaft und der Leih­ar­bei­ter. Wie soll dies ge­sche­hen? Haus­mann Wir drän­gen auf be­trieb­li­che Lö­sun­gen. Bei ei­nem Bon­ner Per­so­nal­dienst­leis­ter ha­ben wir in der ver­gan­ge­nen Wo­che ei­nen Ta­rif­ver­trag durch­ge­setzt, der Equal Pay vor­sieht – ein Mo­dell. Muss auch der Ge­setz­ge­ber han­deln? Haus­mann Ja, der ist na­tür­lich auch ge­fragt – et­wa bei der Wie­der­ein­füh­rung des Syn­chro­ni­sa­ti­ons­ver­bo­tes. Vor al­lem aber muss sich die po­li­ti­sche Dis­kus­si­on be­we­gen. Wir be­nö­ti­gen kei­nen Min­dest­lohn für Zeit­ar­beit, son­dern ei­ne Gleich­be­hand­lung. Da müss­te mehr pas­sie­ren.

Maximilian Plück führ­te das Ge­spräch.

FO­TO: DPA

Pe­ter Haus­mann ist bei der IG BCE für Ta­rif­ver­hand­lun­gen zu­stän­dig

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