West-Klubs im Ta­bel­len­kel­ler

Vi­ze­meis­ter Schal­ke 04, Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach und der 1. FC Köln – die Mann­schaf­ten kom­men in der Fuß­ball-Bun­des­li­ga ein­fach noch nicht in Schwung. Ei­ne Be­stands­auf­nah­me der be­sorg­nis­er­re­gen­den Si­tua­ti­on bei den drei Tra­di­ti­ons­ver­ei­nen.

Rheinische Post Goch - - Sport -

Schal­ke 04 – die Bi­lanz Kaum zu glau­ben, aber wahr: Der Vi­ze­meis­ter hat in die­ser Sai­son erst ein Bun­des­li­ga­spiel ge­won­nen (2:1 in Frei­burg). In vier Be­geg­nun­gen zu Hau­se glück­te ihm kein ein­zi­ger Sieg. Die Bau­stel­len Beim 0:0 in Frank­furt konn­te Schal­ke erst­mals ein Ge­gen­tor ver­mei­den. Al­les wie­der im Lot de­fen­siv? Mit­nich­ten. Denn Gast­ge­ber Ein­tracht konn­te et­li­che Chan­cen nicht nut­zen, nur so kam S04 mit ei­nem blau­en Au­ge da­von. Die Ab­wehr, in der vo­ri­gen Sai­son Schal­kes bes­ter Mann­schafts­teil, ist im­mer noch nicht sat­tel­fest. Und in der Of­fen­si­ve über­zeugt das Team rich­tig nur an den Fest­ta­gen in der Cham­pi­ons Le­ague. Der Trai­ner Fe­lix Ma­gath sitzt fest im Sat­tel – al­lein des­halb schon, weil er als Trai­ner, Ma­na­ger und Vor­stands­mit­glied ei­ne im­men­se Macht­fül­le hat. Dass beim Spiel in Frank­furt der Geg­ner nach der Pau­se klar über­le­gen war, über­rasch­te al­ler­dings sehr. Schließ­lich hat Ma­gath, Spitz­na­me „Quä­lix“, den Ruf, dass er wie kaum ein an­de­rer in der Li­ga sei­ne Spie­ler top­fit macht. Das Um­feld Dank der Sie­ge in Eu­ro­pas Kö­nigs­klas­se hält sich der Un­mut der Fans in Gren­zen. Noch. Auch Ma­gath ist beim An­hang noch nicht in Ungna­de ge­fal­len, dies vor al­lem wohl aus ei­nem Grund: Der Coach war in den ver­gan­ge­nen Jah­ren als Ti­tel­samm­ler mit Bay­ern München und dem VfL Wolfs­burg so­wie als Vi­ze­meis­ter mit den „Knap­pen“ so er­folg­reich, dass man ein­fach nicht glau­ben mag, dass sei­ne Mis­si­on Schal­ke in die­ser Sai­son kläg­lich schei­tern könn­te. So geht es wei­ter Heu­te müs­sen die Gel­sen­kir­che­ner beim FSV Frank­furt ge­win­nen. Denn nach­dem sie in der Li­ga be­reits so viel Bo­den ver­lo­ren ha­ben, könn­te der Po­kal der ein­zi­ge Wett­be­werb sein, in dem sie sich wie­der für ei­ne eu­ro­päi­sche Li­ga qua­li­fi­zie­ren kön­nen. Der Klub be­nö­tigt an­ge­sichts sei­ner pre­kä­ren fi­nan­zi­el­len La­ge drin­gend Ein­nah­men aus dem in­ter­na­tio­na­len Ge­schäft, um über­ra­gen­de Kräf­te hal­ten zu kön­nen. Wo­mög­lich wer­den ihn Na­tio­nal­tor­hü­ter Ma­nu­el Neu­er und Tor­jä­ger Klaas-Jan Hun­te­laar ver­las­sen, wenn das Team die eu­ro­päi­sche Büh­ne ver­passt. In der Bun­des­li­ga muss bis zur Win­ter­pau­se vor al­lem die Heim­schwä­che ab­ge­stellt wer­den, wenn Le­ver­ku­sen, St. Pau­li, Bre­men, Bay­ern und Köln kom­men. Schal­ke ge­gen den 1. FC Köln – wird der West­schla­ger im De­zem­ber zum Kel­ler­der­by? Die Pro­gno­se In sei­ner per­so­nel­len Zu­sam­men­set­zung kann, ja darf Schal­ke ei­gent­lich kein Ab­stiegs­kan­di­dat sein. Doch der Sturz von Her­tha BSC Berlin in der ver­gan­ge­nen Sai­son vom Ti­tel­an­wär­ter zum Ab­stei­ger ist für den Tra­di­ti­ons­klub War­nung. Denn mit je­dem wei­te­ren Rück­schlag wächst die Un­si­cher­heit. Fried­helm Körner Bo­rus­sia – die Bi­lanz In neun Spie­len gab es nur ei­nen Sieg: das 6:3 am zwei­ten Spiel­tag in Le­ver­ku­sen. Alar­mie­rend ist das, was die Bo­rus­sen im ei­ge­nen Sta­di­on er­wirt­schaf­ten: Fünf Heim­spie­le brach­ten nur zwei Punk­te. Das ist die Bi­lanz ei­nes Ab­stei­gers. Er­schre­ckend auch die Ge­gen­tor­quo­te: 27. Erst zehn Teams ha­ben in der Bun­des­li­ga zu die­sem Zeit­punkt ei­ner Sai­son so vie­le To­re kas­siert. Zu­dem han­del­ten sich die Glad­ba­cher vier Platz­ver­wei­se ein: Mo Id­ris­sou sah die Am­pel­kar­te, Ro­el Brou­wers, Juan Aran­go und Sebastian Schach­ten Rot. Die Bau­stel­len Tor­wart Lo­gan Bail­ly wur­de für ei­ne Wo­che in den Ur­laub ge­schickt. Die Num­mer zwei Chris­to­fer Hei­meroth steht nun im Tor – erst­mals mor­gen im Po­kal ge­gen Le­ver­ku­sen. „Lo­gan ist aber nicht der Al­lein­schul­di­ge an der Si­tua­ti­on“, sagt Front­zeck. Die Kom­pakt­heit, auf die er sein Spiel auf­baut, gibt es der­zeit nicht. Bo­rus­sia spielt zwar an­satz­wei­se gu­ten Fuß­ball, doch in ent­schei­den­den Mo­men­ten pas­sie­ren zu vie­le Feh­ler. Die Ab­wehr ist un­si­cher, das de­fen­si­ve Mit­tel­feld lü­cken­haft, das of­fen­si­ve Mit­tel­feld zu un­pro­duk­tiv und der An­griff trotz al­ler Be­mü­hun­gen zu harm­los. Kurz: Das gan­ze Ge­fü­ge ist aus der Ba­lan­ce ge­ra­ten. Der Trai­ner Michael Front­zeck steht nicht zur Dis­kus­si­on. „Ab­so­lut kein The­ma“, sagt Sport­di­rek­tor Max Eberl, wenn er auf die Trai­ner­fra­ge an­ge­spro­chen wird. Front­zeck setzt trotz der sie­ben sieg­lo­sen Spie­le auf in­ne­re Ru­he: „Hart ar­bei­ten, dann kommt der Er­folg wie­der“, sagt er und ver­traut sei­nem Ka­der. Mit dem Tor­wart­wech­sel hat der ge­bür­ti­ge Glad­ba­cher ein Zei­chen ge­setzt. Das Um­feld Bo­rus­si­as Fans hal­ten es wie der Klub: Sie blei­ben ru­hig. Al­lein die höh­ni­schen Ein­las­sun­gen ge­gen­über Lo­gan Bail­ly wa­ren ei­ne nach­hal­ti­ge öf­fent­li­che Un­muts­be­kun­dung. Selbst die Dis­kus­sio­nen in den On­line­fo­ren sind an­ge­sichts der „schwie­ri­gen Si­tua­ti­on“ (Eberl) be­son­nen. Bo­rus­sia setzt auf das „Wir-schaf­fen-es-nur-ge­mein­samP­rin­zip“: Das er­gab auch der Dia­log des Trai­ners mit et­wa 200 Fans nach dem 1:4 ge­gen Bre­men. So geht es wei­ter Das Pro­gramm der Bo­rus­sen ist kein leich­tes. Mor­gen Le­ver­ku­sen im Po­kal, dann geht es zum Kri­sen­gip­fel bei Auf­stei­ger Kai­sers­lau­tern, dann kommt der FC Bay­ern, be­vor in Köln das Kel­ler­der­by beim FC steigt. Die Pro­gno­se Die Ge­gen­wart ist düs­ter. Den­noch ist da das Ge­fühl, dass ein Er­folgs­er­leb­nis das Team wie­der in die Spur brin­gen kann. Ver­gan­ge­ne Sai­son war es ein über­ra­schen­des 3:2 beim Ham­bur­ger SV, das nach sechs sieg­lo­sen Spie­len die Blo­cka­de lös­te. Al­ler­dings braucht Bo­rus­sia schnel­len Er­folg, um nicht früh den An­schluss zu ver­lie­ren. Kars­ten Kellermann

N1. FC Köln – die Bi­lanz Ver­hee­rend. Köln ist seit sechs Spie­len oh­ne Sieg. Be­son­ders ekla­tant war das Auf­tre­ten bis­lang aus­wärts, kei­ne der fünf Par­ti­en ge­wann der Klub. Über­haupt erst ei­ne Be­geg­nung (1:0 am drit­ten Spiel­tag ge­gen St. Pau­li) konn­te die Mann­schaft für sich ent­schei­den. Die Bau­stel­len Vie­le. Es kri­selt in al­len Mann­schafts­tei­len. Der ko­lum­bia­ni­sche Tor­wart Fa­ryd Mon­dra­gon (39) ist nach ei­ner nicht ab­ge­spro­che­nen Län­der­spiel­rei­se, die der Klub­füh­rung miss­fiel, in Ungna­de ge­fal­len. Mi­ro Var­vo­dic (21) fehlt als Er­satz schlicht­weg die Er­fah­rung. Die De­fen­si­ve ist an­fäl­lig, die Of­fen­si­ve zu harm­los. Was fehlt, ist ein ech­ter Tor­jä­ger. Der ewi­ge Hoff­nungs­trä­ger Lu­kas Po­dol­ski (3 Tref­fer) lie­fert bis­her ei­ne or­dent­li­che Sai­son ab, ihm feh­len al­ler­dings bun­des­li­ga­taug­li­che Mit­spie­ler. Der Trai­ner Die Ver­pflich­tung von Zvon­i­mir Sol­do galt vie­len schon bei sei­ner Vor­stel­lung als ge­wag­tes Ex­pe­ri­ment. Der wort­kar­ge Kroa­te ließ ei­ne kla­re Hand­schrift ver­mis­sen und schei­ter­te bei dem Ver­such, um Po­dol­ski ei­ne kon­kur­renz­fä­hi­ge Mann­schaft auf­zu­bau­en. Die Ent­las­sung von Sol­do zeugt in­des vor al­lem von Hilf­lo­sig­keit. Als „Ret­ter“ ha­ben die Köl­ner wohl in Er­man­ge­lung von Al­ter­na­ti­ven zu­nächst U23-Trai­ner Frank Schae­fer prä­sen­tiert, sein As­sis­tent ist Dirk Lott­ner. Schae­fer (46 Jah­re, 28 da­von beim FC) fir­miert of­fi­zi­ell als In­te­rims­trai­ner. „Vi­el­leicht bleibt er ja auch“, hat Prä­si­dent Wolf­gang Over­ath ver­kün­det. Es sind auch schon Trai­ner mit grö­ße­rer Un­ter­stüt­zung in ih­re Mis­si­on ge­star­tet. Das Um­feld Un­ru­hig. Den Fans ist schon lan­ge nicht mehr zum Schun­keln zu­mu­te. Und auch hin­ter den Ku­lis­sen des Klubs ist die Har­mo­nie längst da­hin. FC-Le­gen­de Over­ath hat 2005 die Ver­ant­wor­tung fürs ope­ra­ti­ve Ge­schäft an Ma­na­ger Michael Mei­er über­ge­ben. Fünf Jah­re spä­ter, nach den Trai­nern La­tour, Gehr­ke, Daum und Sol­do so­wie ins­ge­samt 58 Spie­ler­ver­pflich­tun­gen, ist Köln in ei­nem de­so­la­ten Zu­stand. Mei­er gilt für vie­le als das Haupt­pro­blem der Kri­se. Over­ath hält an ihm fest. So geht es wei­ter Heu­te im Po­kal emp­fängt Köln Zweit­li­gist 1860 München. Für Neu-Trai­ner Schae­fer ei­ne Ge­le­gen­heit, Wer­bung in ei­ge­ner Sa­che zu ma­chen. In der Bun­des­li­ga trifft sein Team am Sams­tag auf Ham­burg, da­nach geht es nach Nürnberg, dann kommt Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach zum rhei­ni­schen Kri­sen­gip­fel in die Dom­stadt. Pro­gno­se Am En­de der Spiel­zeit wird wie­der viel dar­über ge­re­det wer­den, dass der 1. FC Köln doch ei­gent­lich in die Bun­des­li­ga ge­hö­re. Ei­gent­lich. Doch für den Ver­bleib im Ober­haus ist die Qua­li­tät des ak­tu­el­len Ka­ders auf je­den Fall viel zu dürf­tig. Gianni Costa

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