Gut­ten­bergs Prü­fung

Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg steht vor der ge­wal­tigs­ten Her­aus­for­de­rung sei­ner Kar­rie­re: Wie schafft er, woran al­le sei­ne Vor­gän­ger schei­ter­ten – den To­tal­um­bau von Trup­pe und Mi­nis­te­ri­um?

Rheinische Post Goch - - Stimme Des Westens - VON GREGOR MAYNTZ

BERLIN Ge­wiss, auch sei­ne Vor­gän­ger ha­ben be­deu­ten­de Re­for­men auf den Weg ge­bracht. Aus zwei hoch­ge­rüs­te­ten Kon­tra­hen­ten – Volks­ar­mee und Bun­des­wehr – die Ar­mee der Ein­heit ge­strickt und ge­schrumpft, sie für Ein­sät­ze fit­ge­macht und die Pri­va­ti­sie­rung hin­ein­ge­impft. Doch was Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg jetzt schul­tern will, ist kei­ne Re­form. Es ist ei­ne Re­vo­lu­ti­on, die ei­gent­lich nicht ge­lin­gen kann.

In ei­nem Haus, in dem auch nach Jah­ren noch hel­le Auf­re­gung dar­über herrscht, dass ein Vor­gän­ger Gut­ten­bergs dem Ge­ne­ral­in­spek­teur ein­mal ei-

Die Geg­ner des Um­baus

spre­chen von Ver­fas­sungs­ver­stö­ßen

nen win­zi­gen Hauch mehr Ein­fluss auf Kos­ten der In­spek­teu­re von Heer, Luft­waf­fe und Ma­ri­ne ver­schaff­te, in die­sem Haus will Gut­ten­berg die drei In­spek­teu­re gleich ganz raus­wer­fen. Man kann sich leb­haft vor­stel­len, wel­che Pro­test-und Be­har­rungs­kräf­te ein sol­ches Sys­tem ent­fal­ten kann, das vor der ei­ge­nen Ab­schaf­fung steht.

Von 17 Ab­tei­lungs­lei­tern sol­len nur acht üb­rig blei­ben. Be­rei­che, die sich selbst als Herz­stü­cke des Mi­nis­te­ri­ums be­trach­ten, se­hen sich vor der voll­stän­di­gen Ver­nich­tung. Nur we­ni­ge St­un­den dau­er­te es, bis die Mi­nis­te­ria­len die ers­ten Ge­schüt­ze in Stel­lung brach­ten: Was dort vor­ge­schla­gen wer­de, sei­en kla­re Ge­set­zes-, ja Ver­fas­sungs­ver­stö­ße.

Und dann das Bonn-Ber­linGe­setz! Will Gut­ten­berg ernst­haft die­sen hei­li­gen Gral der Haupt­stadt­ent­schei­dung an­tas­ten? Am En­de gar aus dem Weg räu­men? Selbst der Vi­ze­kanz­ler schüt­tel­te dar­über ges­tern den Kopf. „Das Bonn-Berlin-Ge­setz gilt.“ (Punkt) „Die Auf­ga­ben­tei­lung hat sich be­währt.“ (Punkt) So der Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Gui­do Wes­ter­wel­le (Bonn).

Wes­ter­wel­les glas­kla­re An­sa­ge er­in­nert in­des an die ers­ten Re­ak­tio­nen im Früh­som­mer, als Gut­ten­berg im Ernst wag­te, die Wehr­pflicht in Fra­ge zu stel­len. Je­der halb­wegs mit den Grund­über­zeu­gun­gen Ver­trau­te konn­te über so viel schein­ba­re Nai­vi­tät nur schmun­zeln. Die Uni­on! Die Wehr­pflicht ab­schaf­fen! Gut­ten­berg kam mit der Emp­feh­lung der Kanz­le­rin aus der Ko­ali­ti­ons­run­de her­aus, so et­was nicht un­ab­ge­stimmt vor­zu- brin­gen, und wenn er es denn wirk­lich wol­le, müs­se er schon selbst die Mehr­hei­ten da­für be­sor­gen. Auch da­mals wur­den die Ka­no­nen in Stel­lung ge­bracht. Doch Gut­ten­berg mo­bi­li­sier­te die Mehr­hei­ten so schnell, dass dem Pro­test die Luft weg­blieb. Weil die Zeit ge­kom­men war, oh­ne dass es die An­hän­ger wahr­ha­ben woll­ten.

Ist jetzt auch die Zeit für ein En­de des Bonn-Berlin-Ge­set- zes ge­kom­men? Und nur der smar­te Ba­ron aus Bay­ern hat’s ge­merkt? Wenn es hart auf hart kommt, kann er die Bon­ner vor ei­ne in­ter­es­san­te Al­ter­na­ti­ve stel­len: Ent­we­der blei­ben nur noch 700 Mit­ar­bei­ter in ei­nem ent­kern­ten Mi­nis­te­ri­um in Bonn. Oder es ar­bei­ten auf Dau­er mehr als 2500 Be­diens­te­te in nach­ge­ord­ne­ten Be­hör­den auf der Hardthö­he. Spä­tes­tens hier er­gä­be sich ei­ne for- mi­da­ble Be­grün­dung für ei­ne Kor­rek­tur.

Gut­ten­berg geht mit Charme und Schlau­heit zu Wer­ke. Er lässt die Wahr­hei­ten über die In­ef­fi­zi­enz von au­ßen be­schei­ni­gen – und gibt dann erst ein­mal Zeit, da­mit die Ein­sich­ten wach­sen kön­nen. Erst An­fang 2011 will er die Vor­schlä­ge der Kom­mis­si­on „be­wer­ten“. Und er über­lässt es nicht den Frö­schen, den Sumpf tro­cken­zu­le­gen. Da­für hat er den frü­he­ren Wirt­schafts­staats­se­kre­tär Walt­her Otrem­ba ins Haus ge­holt, dem er nun ei­nen Stab „tap­fe­rer Krie­ge­rin­nen und Krie­ger“ (Wei­se) an die Sei­te stellt.

Zu­dem ist der Zeit­punkt so güns­tig wie nie. Die Bun­des­wehr oh­ne Wehr­pflicht muss sich so­wie­so neu auf­stel­len. Da ist der Druck, auch gleich den Was­ser­kopf zu be­sei­ti­gen, grö­ßer denn je. Auf den größ­ten Trumpf in die­sem Ren­nen ist oh­ne­hin Ver­lass: Der Glanz des Mi­nis­ters in der Öf­fent­lich­keit wird an­ge­sichts sei­nes Mu­tes der­art grell schei­nen, dass Wi­der­sa­cher nicht an­ders kön­nen, als bei­de Au­gen zu­zu­drü­cken – be­son­ders, wenn sie er­fah­ren, dass er für sie wo­an­ders ei­nen Job fin­den will.

Spä­tes­tens dann hat Gut­ten­berg ge­zeigt: Er kann al­les. Auch Kanz­ler.

FO­TO: DDP

Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg (CSU) – auf ei­ner Rei­se nach Af­gha­nis­tan – im Bun­des­wehr-T-Shirt.

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