Freie Ab­stim­mung im Bun­des­tag über Em­bryo­nen­schutz

Rheinische Post Goch - - Politik - VON EVA QUADBECK

BERLIN (cnm) Rund 600 Geg­ner des Bahn­pro­jekts Stutt­gart 21 ha­ben ges­tern in Berlin de­mons­triert. Mit ei­ner Draht­pup­pe zo­gen sie vor das Bran­den­bur­ger Tor, wo die Grü­nen-Ver­tre­ter Cem Öz­de­mir und Jür­gen Trit­tin zu ih­nen spra­chen. Ei­ni­ge Pro­tes­tie­rer be­such­ten die ein­zel­nen Bun­des­tags­frak­tio­nen, um ih­re Ar­gu­men­te dar­zu­le­gen. Un­weit des Bun­des­kanz­ler­amts wur­de ein Kas­ta­ni­en­baum „als Zei­chen des Wi­der­stan­des“ ge­pflanzt. Mit Trom­meln und Tril­ler­pfei­fen zo­gen die De­mons­tran­ten zur Bahn-Zen­tra­le am Pots­da­mer Platz. BERLIN Die Ab­ge­ord­ne­ten im Bun­des­tag sol­len oh­ne Frak­ti­ons­zwang über die Zu­kunft des Em­bryo­nen­schut­zes ent­schei­den. Die Frak­ti­ons­spit­zen von Uni­on und FDP be­schlos­sen, die Ab­stim­mung zur Prä­im­plan­ta­ti­ons­dia­gnos­tik (PID) frei­zu­ge­ben, da sie sich auf kei­ne ge­mein­sa­me Li­nie ei­ni­gen konn­ten. Das heißt, die Ab­ge­ord­ne­ten müs­sen in der Fra­ge, ob sie Un­ter­su­chun­gen an künst­lich be­fruch­te­ten Ei­zel­len au­ßer­halb des Mut­ter- leibs zu­las­sen, nur ih­rem Ge­wis­sen und nicht der par­tei-oder ei­ner ko­ali­ti­ons­po­li­ti­schen Li­nie ih­rer Frak­ti­on fol­gen. Ein sol­ches Ver­fah­ren ist bei ethi­schen Fra­gen üb­lich: Auch bei den The­men Spät­ab­trei­bung und Stamm­zel­len wa­ren die Ab­stim­mun­gen frei­ge­ge­ben wor­den. Die Op­po­si­ti­on be­grüß­te die Ent­schei­dung. „Das er­höht die Ak­zep­tanz in der Be­völ­ke­rung“, sag­te die SPD-Ge­sund­heits­ex­per­tin Ca­ro­la Rei­mann un­se­rer Zei­tung.

Die Re­gie­rungs­par­tei­en wol­len die PID noch vor Weih­nach­ten neu re­geln, hieß es ges­tern aus Frak­ti­ons­krei­sen. Ein neu­es Ge­setz ist nach ei­nem Ur­teil des Bun­des­ge­richts­hofs not­wen­dig ge­wor­den. Die Rich­ter hat­ten fest­ge­stellt, dass ei­ne Un­ter­su­chung von be­fruch­te­ten Ei­zel­len auf schwe­re Erb­kan­khei­ten au­ßer­halb des Mut­ter­leibs nicht ge­gen den der­zeit gel­ten­den Em­bryo­nen­schutz ver­stößt. Fol­ge der PID ist, dass die be­las­te­ten Em­bryo­nen aus­sor­tiert wer­den.

Zur Neu­re­ge­lung des Em­bryo­nen­schut­zes wird es min­des­tens zwei kon­kur­rie­ren­de Ge­setz­ent- wür­fe ge­ben. Die Ver­tre­ter ei­nes stren­gen Le­bens­schut­zes wol­len die PID gänz­lich ver­bie­ten. Sie be­fürch­ten, dass auch die Zu­las­sung der PID für Spe­zi­al­fäl­le Tür und Tor öff­net für ei­ne Zu­kunft mit De­si­gn­ba­bys. „Wir wer­den für ei­ne Mehr­heit für ein ge­ne­rel­les Ver­bot im Sin­ne des Le­bens­schut­zes kämp­fen“, sag­te der CDU-Ge­sund­heits­ex­per­te Jens Spahn.

Auf der an­de­ren Sei­te steht die FDP mit ih­rer For­de­rung nach ei­ner ein­ge­schränk­ten Zu­las­sung der Prä­im­plan­ta­ti­ons­dia­gnos­tik. „Wir wer­den für un­se­re Po­si­ti­on ei­ner Zu­las­sung der PID un­ter streng kon­trol­lier­ten Gren­zen bei den an­de­ren Frak­tio­nen wer­ben“, sag­te die FDP-Ge­sund­heits­ex­per­tin Ul­ri­ke Flach. Soll­te es den PID-Be­für­wor­tern aus den ver­schie­de­nen Frak­tio­nen ge­lin­gen, ei­nen ge­mein­sa­men Ge­setz­ent­wurf auf den Weg zu brin­gen, könn­ten sie die Ab­stim­mung ge­win­nen. Tre­ten sie aber mit zwei oder mehr Ge­setz­ent­wür­fen an, sind wie­der­um die Chan­cen der PID-Geg­ner bes­ser, sich durch­zu­set­zen.

FO­TO: DAPD

Schwä­bi­sche Pro­test-Pup­pe.

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