Sad­dam-Ver­trau­ter soll hän­gen

Rheinische Post Goch - - Politik -

BAG­DAD (RP) Jahr­zehn­te­lang war Ta­rik Asis das Sprach­rohr des ge­stürz­ten ira­ki­schen Macht­ha­bers Sad­dam Hus­sein und die­sem be­din­gungs­los er­ge­ben. Ges­tern wur­de der 74-Jäh­ri­ge we­gen sei­ner Rol­le bei der Ver­nich­tung re­li­giö­ser Par­tei­en und der Ver­fol­gung schii­ti­scher Gläu­bi­ger in den 80er und 90er Jah­ren zum To­de ver­ur­teilt. Ein ira­ki­sches Tri­bu­nal sah es als er­wie­sen an, dass Asis ge­gen Mit­glie­der der Da­wa-Par­tei vor­ge­gan­gen sei, in der auch Mi­nis­ter­prä­si­dent Nu­ri al-Ma­li­ki Mit­glied ist. Der Ver­ur­teil­te hat 30 Ta­ge Zeit, Be­ru­fung ge­gen das Ur­teil ein­zu­le­gen. Soll­te das Be­ru­fungs­ge­richt das Ur­teil dann be­stä­tigt, muss es in­ner­halb von wei­te­ren 30 Ta­gen voll­streckt wer­den.

Der Ver­ur­teil­te ver­büßt der­zeit ei­ne 22-jäh­ri­gen Haft­stra­fe we­gen Ver­bre­chen ge­gen die Men­sch­lich­keit und an­de­rer Ver­ge­hen. So soll er 1992 an der Hin­rich­tung von 42 Ge­schäfts­leu­ten be­tei­ligt ge­we­sen sein. Im ver­gan­ge­nen Jahr kam noch ei­ne wei­te­re Ver­ur­tei­lung zu ei­ner sie­ben­jäh­ri­gen Haft­stra­fe hin­zu, we­gen Be­tei­li­gung an der Ver­trei­bung von Kur­den im Nord­os­ten des Lan­des.

Asis war für den Wes­ten das pro­mi­nen­tes­te Ge­sicht der Re­gie­rung von Sad­dam Hus­sein: Der wort­ge­wand­te Po­li­ti­ker über­mit­tel­te in flie­ßen­dem Eng­lisch die Bot­schaf- ten des ira­ki­schen Macht­ha­bers an die Welt.

Er wur­de im April 1936 in der nord-ira­ki­schen Stadt Mos­sul in ei­ne Fa­mi­lie chaldäi­scher Chris­ten ge­bo­ren. Er än­der­te sei­nen Na­men von Michael Yu­han­na in Ta­rik Asis, um An­fein­dun­gen we­gen sei­nes Glau­bens den Bo­den zu ent­zie­hen.

Den Dik­ta­tor Sad­dam Hus­sein kann­te er be­reits seit den 50er Jah­ren. Seit 1963 ge­hör­te Asis zur Füh­rung der heu­te ver­bo­te­nen Baa­thPar­tei, wo er zu­nächst für Pro­pa­gan­da und Or­ga­ni­sa­ti­on zu­stän­dig war. Nach der Macht­über­nah­me durch die Par­tei 1968 lei­te­te der Mann mit der mar­kan­ten Bril­le und ei­ner Zi­gar­re als Mar­ken­zei­chen zu­nächst das Re­gie­rungs­blatt „El Tha­wra“. Ab 1974 be­klei­de­te er ver­schie­de­ne Re­gie­rungs­äm­ter, war un­ter an­de­rem In­for­ma­ti­ons­mi­nis­ter und Mit­glied des obers­ten Ent­schei­dungs­gre­mi­ums, des Re­vo­lu­tio­nä­ren Kom­man­do­rats. Zu­dem be­klei­de­te der Mann mit ei­ner Vor­lie­be für gu­ten Whis­ky das Amt des Au­ßen­mi­nis­ters und des stell­ver­tre­ten­den Re­gie­rungs­chefs.

FO­TO: REUTERS

Mit die­ser Spiel­kar­te such­te die US-Ar­mee 2003 nach Ta­rik Asis.

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