Tür­kei nutzt Flücht­lin­ge als Druck­mit­tel ge­gen EU

Rheinische Post Goch - - Politik - VON THO­MAS SEI­BERT

ISTAN­BUL Nach dem Hil­fe­ruf Grie­chen­lands an die EU in der Flücht­lings­fra­ge rich­ten sich die Bli­cke jetzt auf den öst­li­chen Nach­barn Tür­kei. Denn auch die von At­hen an­ge­for­der­ten Ein­greif­teams der EU-Grenz­schutz­agen­tur Fron­tex wer­den den end­lo­sen Strom von Flücht­lin­gen aus Asi­en und Afri­ka nicht stop­pen kön­nen, die über tür­ki­sches Ter­ri­to­ri­um nach We­st­eu­ro­pa kom­men.

Ein Rück­über­nah­me-Ab­kom­men, mit dem sich An­ka­ra ver­pflich­tet, sol­che Flücht­lin­ge wie­der auf­zu­neh­men, ist so gut wie fer­tig. Die EU hat das Ab­kom­men zur Vor­aus­set­zung für Er­leich­te­run­gen für die Tür­ken in der Vi­sa­fra­ge er­klärt, doch die Tür­kei zö­gert. Sie be­fürch­tet, dass die EU auch nach Un­ter­zeich­nung des Ab­kom­mens die Vi­sums­pflicht nicht lo­ckern wird.

Über kaum ein an­de­res The­ma in den Be­zie­hun­gen zur EU re­gen sich tür­ki­sche Re­gie­rungs­po­li­ti­ker der- zeit so auf wie über die Vi­sa­fra­ge. Mit Bal­kan­län­dern wie Ser­bi­en und Mon­te­ne­gro, die nicht ein­mal mit Brüssel über ei­ne EU-Mit­glied­schaft ver­han­deln, ha­ben die Eu­ro­pä­er die Ab­schaf­fung der Vi­sums­pflicht ver­ab­re­det – für die Tür­kei aber, die seit fünf Jah­ren ih­re Bei­tritts­ge­sprä­che führt, ist ein sol­cher Schritt nicht in Sicht.

Und das sieht An­ka­ra nicht mehr ein. „Das Rück­über­nah­me-Ab­kom­men ist un­ter­schrifts­reif“, sag­te der tür­ki­sche EU-Mi­nis­ter Ege­men Ba­gis kürz­lich bei ei­ner eu­ro­pa­po­li­ti­schen Kon­fe­renz in Istan­bul. „Aber wir un­ter­zeich­nen nicht. Wir wol­len, dass die Ver­hand­lun­gen über die Vi­sums­frei­heit be­gin­nen.“

Aus tür­ki­scher Sicht hat das Flücht­lings­the­ma ei­nen wich­ti­gen Vor­teil: Es ist ei­nes der we­ni­gen Druck­mit­tel für die Tür­kei, um im Um­gang mit der EU et­was durch­zu­set­zen. Denn oh­ne tür­ki­sche Hil­fe kom­men die Eu­ro­pä­er bei der Si­che­rung ih­rer Au­ßen­gren­ze nicht wei­ter.

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