„Schul­den­sün­der be­stra­fen“

Bir­git Hom­bur­ger, Che­fin der FDP-Frak­ti­on, zum EU-Gip­fel.

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft -

Heu­te will die Kanz­le­rin im Bun­des­tag die Re­form des EU-Sta­bi­li­täts­pakts er­klä­ren. Wird es au­to­ma­ti­sche Sank­tio­nen für De­fi­zit­sün­der ge­ben? Hom­bur­ger Wir wer­den heu­te im Bun­des­tag ei­nen Ent­schlie­ßungs­an­trag ver­ab­schie­den, mit dem wir der Bun­des­re­gie­rung für die an­ste­hen­den Ver­hand­lun­gen in Eu­ro­pa den Rü­cken stär­ken. Für die Ko­ali­ti­ons­frak­tio­nen ist klar: Der Sta­bi­li­täts­pakt muss ver­schärft wer­den. Die FDP hat die Kanz­le­rin für ih­ren wei­che­ren Kurs doch scharf kri­ti­siert. Hom­bur­ger Für die FDP ist ent­schei­dend, dass es zu ei­ner Ver­trags­än­de­rung kommt, die ei­ne Um­schul­dung und ein In­sol­venz­recht für Staa­ten vor­sieht. Au­ßer­dem sol­len Sank­tio­nen für De­fi­zit­sün­der, wo es mög­lich ist, au­to­ma­tisch grei­fen. Es darf nicht da­zu kom­men, dass wir die Schul­den an­de­rer Län­der be­zah­len. Die FDP-Bun­des­tags­frak­ti­on kämpft für ei­ne Sta­bi­li­täts­kul­tur in Eu­ro­pa und ei­nen har­ten Eu­ro. Die FDP hat seit der Bun­des­tags­wahl vor al­lem Steu­er­sen­kun­gen pro­pa­giert. Da­von ist we­nig zu se­hen. Hom­bur­ger Das trifft nicht zu. In die­sem Jahr war der Steu­er­zah­ler­tag, al­so der Tag, ab dem die Men­schen für sich und nicht mehr fürs Fi­nanz­amt ar­bei­ten, be­reits zehn Ta­ge frü­her.Die nach wie vor nö­ti­ge Ent­las­tung der un­te­ren und mitt­le­ren Ein­kom­men ist nicht auf­ge­ho­ben, son­dern nur auf­ge­scho­ben. Die Eu­ro- Kri­se hat noch mal deut­lich ge­macht, wie wich­tig die Haus­halts­kon­so­li­die­rung ist. Wenn wir den Eu­ro sta­bil hal­ten wol­len, die Ver­schär­fung des Sta­bi­li­täts­pak­tes und här­te­re Sank­tio­nen für De­fi­zit­sün­der for­dern, müs­sen wir bei der Kon­so­li­die­rung Vor­bild sein. Wann wird das Steu­er­recht ein­fa­cher? Hom­bur­ger Es wird noch im De­zem­ber ei­nen Ge­set­zes­ent­wurf ge­ben. Wir wol­len zum Bei­spiel, dass die Bür­ger künf­tig ei­ne vor­aus­ge­füll­te Steu­er­er­klä­rung vom Fi­nanz­amt zu­ge­schickt be­kom­men oder dass ein Ar­beit­neh­mer nur noch al­le zwei Jah­re ei­ne Lohn­steu­er­er­klä­rung ab­ge­ben muss. Ziel ist, dass ei- ni­ge Maß­nah­men be­reits zum Ja­nu­ar 2011 in Kraft tre­ten. Die Grü­nen lö­sen die FDP als dritt­stärks­te Kraft all­mäh­lich ab. Ein vor­über­ge­hen­des Phä­no­men? Hom­bur­ger Es zäh­len Wah­l­er­geb­nis­se, kei­ne Um­fra­gen. Die Ko­ali­ti­on und auch die FDP hat nach dem schlech­ten Start Kon­se­quen­zen ge­zo­gen. Wir ha­ben die rich­ti­gen The­men ge­setzt. Die Ko­ali­ti­on han­delt ent­schie­den. Wir wol­len mit un­se­ren Ent­schei­dun­gen den Men­schen mehr Chan­cen auf Ar­beit und Teil­ha­be er­mög­li­chen. Wenn wir das um­set­zen und ge­mein­sam ver­tre­ten, wer­den die Um­fra­ge­wer­te am En­de des Jah­res wie­der ganz an­ders aus­se­hen. In Ba­den-Würt­tem­berg steht Schwarz-Gelb we­gen „Stutt­gart 21“ mit dem Rü­cken zur Wand. Was tun? Hom­bur­ger Die De­bat­te um Stutt­gart 21 füh­ren wir of­fen­siv. Ich bin über­zeugt, dass ei­ne Mehr­heit der Men­schen das Pro­jekt un­ter­stützt. Stutt­gart 21 bie­tet un­se­rem Land ei­ne Rie­sen­chan­ce. Es bin­det Ba­den-Würt­tem­berg ef­fi­zi­ent an das eu­ro­päi­sche Schie­nen­hoch­ge­schwin­dig­keits­netz an, ver­bes­sert die Zug­an­bin­dung vie­ler Re­gio­nen, schafft dau­er­haft 10 000 neue Ar­beits­plät­ze und bringt Stutt­gart ei­ne grü­ne Lun­ge mit 20 000 Qua­drat­me­ter Park­flä­che.

Michael Bröcker führ­te das In­ter­view.

FO­TO: DDP

Bir­git Hom­bur­ger (45) ist seit ei­nem Jahr Frak­ti­ons-Che­fin.

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