Yo­se­mi­te – der ka­li­for­ni­sche Freund

Der Yo­se­mi­te Na­tio­nal Park wird 120 Jah­re alt. Jähr­lich rei­sen rund vier Mil­lio­nen Be­su­cher in das 3000 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ße Na­tu­ridyll, das sich ent­lang der west­li­chen Hän­ge der Sier­ra Ne­va­da er­streckt. Zum Ju­bi­lä­um gibt es bis zum Früh­jahr 2011 spe­zie

Rheinische Post Goch - - Reise&welt - VON ANDRE­AS BUCH­BAU­ER

DÜSSELDORF Es ist kaum vor­stell­bar, dass die Gold­su­cher vor 160 Jah­ren kei­nen Blick für die Schön­heit von El Ca­pi­tan hat­ten. Sie ström­ten vor­bei an dem im­po­san­ten Gra­nit­fel­sen, durch das Yo­se­mi­te-Tal hin­durch, an­ge­trie­ben vom Gold­rausch, der Gier nach Reich­tum. Für die Na­tur blieb da kei­ne Zeit. Heu­te ist El Ca­pi­tan mit sei­nen bis zu 1000 Me­ter ho­hen Fels­wän­den selbst ei­ne Art El Do­ra­do – ei­ne Her­aus­for­de­rung für Free­clim­ber und ei­ne der gro­ßen At­trak­tio­nen im Yo­se­mi­te Na­tio­nal Park. Rund um den Mo­no­li­then herrscht der­zeit Ge­burts­tags­stim­mung: Der Yo­se­mi­te Na­tio­nal Park wird 120 Jah­re alt.

Da­zu gibt es jetzt nicht nur ein neu­es Buch „Vin­ta­ge Yo­se­mi­te: Then, Now & Fo­re­ver“, son­dern auch spe­zi­el­le Ju­bi­lä­ums­rei­se­pa­ke­te. Die ge­führ­ten Tou­ren kön­nen noch bis zum Früh­jahr 2011 ge­bucht wer­den und kos­ten zwi­schen 60 und 120 Dol­lar, in­klu­si­ve Über­nach­tung, Mit­tag­es­sen, Trans­port und Füh­rung. Doch bei al­ler Schön­heit, die den Yo­se­mi­te Na­tio­nal Park zu ei­nem „Das muss man ge­se­hen ha­ben“-Rei­se­ziel für Na­tur­lieb­ha­ber macht: Bei rund vier Mil­lio­nen Be­su­chern pro Jahr kann vor al­lem die An­rei­se al­les an­de­re als idyl­lisch aus­fal­len. Die Fahrt durchs Tal kann St­un­den dau­ern – oft im Schritt­tem­po.

Vor al­lem im Ju­li und Au­gust ist der 3000 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ße Park ein Tum­mel­platz für Tou­ris­ten. Kos­ten­freie Shut­tle-Bus­se, die an ver­schie­de­nen Park­plät­zen al­le zehn bis 20 Mi­nu­ten star­ten, steu­ern die wich­tigs­ten Punk­te des Tals an. Jetzt, im Herbst, ent­spannt sich der Be­su­cher­strom merk­lich. Vom An­drang soll­ten sich Gäs­te oh­ne­hin nicht ab­schre­cken las­sen: Die Rei­se in den 1890 be­grün­de­ten Na­tio­nal­park lohnt in je­dem Fall. Nicht um­sonst spre­chen die Ein­hei­mi­schen mit Ehr­furcht von „Yo­se­mi­te“. Es klingt häu­fig, als re­de­ten sie über ei­nen gu­ten Freund.

Der ers­te, der sich für das zwölf Ki­lo­me­ter lan­ge Tal samt sei­ner Was­ser­fäl­le, Mam­mut­bäu­me und Fels­wän­de ein­setz­te, war der Arzt La­f­ay­et­te Bru­n­ell. In den 1850er Jah­ren müh­te er sich, die Schön­heit des Na­tur­wun­ders ei­ner brei­ten Öf­fent­lich­keit be­kannt zu ma­chen. Der Ver­le­ger Ja­mes Hut­chings or­ga­ni­sier­te dar­auf­hin die ers­ten Be­sich­ti­gungs­tou­ren durch das Are­al. Ge­nutzt wur­de das An­ge­bot vor­nehm­lich von Na­tur­lieb­ha­bern aus dem 300 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten San Fran­cis­co.

Abra­ham Lin­coln war es letzt­lich, der den Er­halt des Ge­bie­tes eb­ne­te. 1864 stell­te er – noch wäh­rend des Se­zes­si­ons­krie­ges – den Park un­ter Na­tur­schutz. Die Zu­stän­dig­keit lag je­doch bis 1890 beim Bun­des­staat Ka­li­for­ni­en. Erst dann wur­de er von der Bun­des­re­gie­rung über­nom­men und da­mit zum Na­tio­nal­park. Des­halb ist er nach dem 1872 ge­grün­de­ten Yel­lows­to­ne Na­tio­nal­park nur der zweit­äl­tes­te Na­tio­nal­park der USA.

Ein Na­me, der Rei­sen­den zum 120-jäh­ri­gen Be­ste­hen des Yo­se­mi­te Na­tio­nal Parks häu­fig be­geg­net, ist John Muir – nicht nur, weil ei­ne Schlucht in Yo­se­mi­te sei­nen Na­men trägt. Der schot­tisch-ame­ri­ka­ni­sche Na­tur­wis­sen­schaft­ler hat sich maß­geb­lich für das Na­tur- schutz­ge­biet und sei­ne Aus­wei­tung ein­ge­setzt, und dem Park mit sei­ner 1912 er­schie­ne­nen Schrift „The Yo­se­mi­te“ ein Denk­mal ge­setzt.

Rei­sen­den bie­tet der Park mit sei­nen rund 1100 Ki­lo­me­ter Wan­der­we­gen heu­te ein um­fang­rei­ches tou­ris­ti­sches An­ge­bot. Vom Zel­ten wie im Dorf Cur­ry bis zum lu­xu­riö­sen Ah­wahnee-Ho­tel sind Un­ter­künf­te für je­des Rei­se-Bud­get da­bei. Die sie­ben Ta­ge gül­ti­gen Ein­tritts­kar­ten für den Park kos­ten 20 US-Dol­lar. Der kos­ten­freie „Yo­se­mi­te Gui­de“ führt zu den wich­tigs­ten Se­hens­wür­dig­kei­ten und in­for­miert über die Pflan­zen-und Tier­welt. Gi­gan­tisch ist hier vie­les. Nicht nur die Fels­wand von El Ca­pi­tan, son­dern auch der Was­ser­fall „Yo­se­mi­te Falls“, des­sen Flu­ten 740 Me­ter in die Tie­fe stür­zen, oder die 100 Me­ter ho­hen Mam­mut­bäu­me im Ma­ri­po­sa Grove na­he Wa­wo­na.

FO­TO: GMS

Fels­for­ma­tio­nen wie El Ca­pi­tan (links) und Half Do­me (rechts) ge­hö­ren zu den gro­ßen Tou­ris­ten­at­trak­tio­nen des Yo­se­mi­te Na­tio­nal Parks. Free­clim­bern die­nen sie als sport­li­che Her­aus­for­de­rung.

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