Wel­che Kas­sen Well­ness zah­len

Wer ein Yo­ga-Se­mi­nar oder ei­nen Rauch­ent­wöhn­kur­sus im Ur­laub macht, kann nicht im­mer auf die vol­le Un­ter­stüt­zung sei­ner Kran­ken­kas­se hof­fen. Für die Kos­ten­rück­er­stat­tung bei Prä­ven­ti­ons-Maß­nah­men gel­ten fes­te Re­geln. Ein Über­blick über das Leis­tungs­spekt

Rheinische Post Goch - - Reise&welt - VON MAI­KE SCHUL­TE

DÜSSELDORF Well­ness-Rei­sen boo­men. In stres­si­gen Zei­ten steigt die Nach­fra­ge nach Yo­ga, Mas­sa­gen oder Nor­dic Wal­king. Die gu­te Nach­richt: Wer im Ur­laub et­was für sei­ne Ge­sund­heit tun will, be­kommt für die Kos­ten sol­cher Kur­se ei­nen Zu­schuss, manch­mal wer­den die­se so­gar kom­plett er­stat­tet. Doch es kommt da­bei auf die Kran­ken­kas­se und die Wahl des rich­ti­gen An­ge­bots an. Und für Ho­tel, Ver­pfle­gung oder Kur­ta­xe müs­sen Rei­sen­de in je­dem Fall sel­ber auf­kom­men.

Seit dem Jahr 2000 fällt die ge­sund­heit­li­che Prä­ven­ti­on in den Auf­ga­ben­be­reich der Kran­ken­ver­si­che­run­gen. In­hal­te und Fi­nan­zie­rung wer­den im neu­en „Leit­fa­den Prä­ven­ti­on“ der ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­run­gen, der im Au­gust er­schie­nen ist, zum ers­ten Mal ge­nau ge­re­gelt. Da­bei fällt längst nicht je­de eso­te­risch an­ge­hauch­te Ent­span­nungs­tech­nik un­ter die Ru­brik Ge­sund­heits­kurs. Die­sen Ti­tel dür­fen nur Maß­nah­men tra­gen, die der Ver­bes­se­rung des all­ge­mei­nen Ge­sund­heits­zu­stan­des die­nen und hel­fen, Er­kran­kun­gen mög­lichst zu ver­mei­den, er­läu­tert Da­nie­la Pop­pe von der un­ab­hän­gi­gen Pa­ti­en­ten­be­ra­tung.

Die Kur­se müs­sen in ei­nen der vier Be­rei­che Be­we­gung, Er­näh­rung, Stress­ma­nage­ment und Sucht­ent­wöh­nung pas­sen. Dar­un­ter fal­len An­ge­bo­te wie Rü­cken­gym­nas­tik, Er­näh­rungs­be­ra­tung, Tai Chi, au­to­ge­nes Trai­ning oder Kur­se zur Rauch­ent­wöh­nung und Re­du­zie­rung des Al­ko­hol­kon­sums. „Die Kran­ken­kas­se er­stat­tet aber nur Teil­nah­me­ge­büh­ren, wenn die Qua­li­tät von Kurs­lei­ter und -kon­zept über­zeu­gen“, er­klärt Bir­git Ur­sprung von der AOK West­fa­len-Lip­pe. „Wir schau­en sehr ge­nau auf die Vor­aus­set­zun­gen“, sagt auch Ni­na Os­mer von der DAK. So müs­sen An­bie­ter qua­li­fi­zier­te Be­rufs­ab­schlüs­se und di­dak­ti­sche Kom­pe­ten­zen nach­wei­sen kön­nen.

Wer sei­ner Ge­sund­heit et­was Gu­tes tun will, kann dies re­gel­mä­ßig an sei­nem Wohn­ort ma­chen, aber eben auch in ge­bün­del­ter Form im Ur­laub. „Sol­che Kom­pak­t­an­ge­bo­te rich­ten sich vor al­lem an Be­rufs­tä­ti­ge, die we­gen un­re­gel­mä­ßi­ger oder lan­ger Ar­beits­zei­ten nicht an ei­nem re­gel­mä­ßi­gen Kurs zu Hau­se teil­neh­men kön­nen“, sagt AOK-Spre­che­rin Ur­sprung. Da­bei darf ei­ne so ge­nann­te wohn­ort­fer­ne Maß­nah­me nicht teu­rer sein als ein ver­gleich­ba­res An­ge­bot zu Hau­se, und es muss sich über min­des­tens zwei Ta­ge er­stre­cken.

Wer si­cher­ge­hen will, dass die ei­ge­ne Kran­ken­kas­se sich an den Kos­ten für Mas­sa­ge oder Yo­ga auch wirk­lich be­tei­ligt, soll­te sich vor­her ge­nau nach den Be­din­gun­gen und der Hö­he der Zu­schüs­se er­kun­di­gen. Wer spä­ter sein Geld auch tat­säch­lich zu­rück­be­kom­men möch- te, soll­te sich vor Ort ei­ne Quit­tung aus­stel­len las­sen, rät Bir­git Ur­sprung. Au­ßer­dem müs­sen Well­ness-Ur­lau­ber nach­wei­sen, dass sie 80 Pro­zent der Kurs­ter­mi­ne auch tat­säch­lich wahr­ge­nom­men ha­ben.

Hier ein Über­blick über die Rück­er­stat­tungs­mo­di der ein­zel­nen Kas­sen: AOK Ver­si­cher­te dür­fen bis zu 250 Eu­ro im Jahr für Prä­ven­ti­on aus­ge­ben. Ma­xi­mal zwei Kur­se im Ur­laub sind er­laubt. Er­wach­se­ne er­hal­ten ei­ne Er­stat­tung von 80 Pro­zent; Kin­der und Ju­gend­li­che müs­sen nichts hin­zu­zah­len. Die Nach­fra­ge nach sol­chen Kur­sen ist rie­sig. 2009 be­wil­lig­te die AOK nach ei­ge­nen An­ga­ben 37 000 Er­stat­tun­gen. BEK Bei der Bar­mer Er­satz­kas­se (BEK) steht je­dem Ver­si­cher­ten ein Jah­res­bud­get von 150 Eu­ro für Prä­ven­ti­on zur Ver­fü­gung. „Wir er­stat­ten in die­sem Rah­men je­den Ge­sund­heits­kurs zu 100 Pro­zent“, sagt Pres­se­spre­cher Kai Beh­rens. Zu­sam­men mit ei­ni­gen Kur­bä­dern bie­tet die Bar­mer au­ßer­dem the­men­be­zo­ge­ne Se­mi­na­re bei­spiels­wei­se zum Um­gang mit den Wech­sel­jah­ren an. DAK-Mit­glie­der dür­fen sich pro Jahr ei­nen Ge­sund­heits­kurs be­zu­schus­sen las­sen. Der Zu­schuss be­trägt bei Er­wach­se­nen 80 Pro­zent der Teil­nah­me­ge­büh­ren, bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen 100 Pro­zent. Ma­xi­mal wer­den in bei­den Fäl­len 75 Eu­ro pro Kurs er­stat­tet. Die DAK ar­bei­tet bei wohn­ort­fer­nen An­ge­bo­ten mit der „Ge­sun­dAk­ti­vRei­sen Gm­bH“ zu­sam­men. Von kom­men­dem Jahr an wird die DAK wohn­ort­fer­ne Prä­ven­ti­ons­kur­se aber nur noch für be­stimm­te Per­so­nen­grup­pen zu­las­sen. Da­zu zäh­len Be­rufs­tä­ti­ge, die in Be­rei­chen ar­bei­ten, die ei­ne re­gel­mä­ßi­ge Kurs-Teil­nah­me am Wohn­ort nicht zu­las­sen. Die zwei­te Per­so­nen­grup­pe sind Fa­mi­li­en. In den Prä­ven­ti­ons­kur­sen sol­len El­tern und Kin­der ge­mein­sam an den The­men Er­näh­rung und Be­we­gung ar­bei­ten. TKK Die Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se, die im­mer wie­der Spit­zen­plät­ze in Ver­si­che­rungs­ran­kings ein­nimmt, er­stat­tet kei­ner­lei Ge­sund­heits­kur­se. Das war nicht im­mer so. Zwei Jah­re lang bot die TKK Ge­sund­heits­rei­sen an mit dem Ziel, vor al­lem Be­rufs­tä­ti­ge mit dem The­ma Prä­ven­ti­on ver­traut zu ma­chen. Nach an­fäng­li­chem Er­folg nutz­ten je­doch vor al­lem Frau­en und Se­nio­ren die­ses An­ge­bot. „Vie­le ha­ben nur Kurz-Rei­sen ge­bucht, dar­aus er­gibt sich un­se­rer An­sicht nach kein dau­er­haf­ter Nut­zen für die Ge­sund­heit im All­tag“, er­klärt Pres­se­spre­che­rin Do­ro­thee Meusch. Die Kon­se­quenz: Die Kur­se zur „wohn­ort­fer­nen Prä­ven­ti­on“ wur­de im Sep­tem­ber 2009 kom­plett ge­stri­chen. PRI­VA­TE Auch Pri­vat­ver­si­cher­te müs­sen Prä­ven­ti­ons­kur­se in der Re­gel aus der ei­ge­nen Ta­sche be­zah­len. „Wir fi­nan­zie­ren nur die me­di­zi­nisch not­wen­di­ge Heil­be­hand­lung“, sagt Oli­ver Sten­zel vom Ver­band der Pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­run­gen (PKV).

FO­TO: TOU­RIST-IN­FOR­MA­TI­ON MURNAU

Wer sei­nen Yo­ga-Kur­sus in den Ber­gen am En­de auch be­zahlt be­kom­men möch­te, soll­te nach qua­li­fi­zier­ten An­ge­bo­ten Aus­schau hal­ten.

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