Kor­rup­ti­ons­ver­dacht in Duis­burg

Die Wup­per­ta­ler Schwer­punkt­staats­an­walt­schaft zur Be­kämp­fung der Kor­rup­ti­on er­mit­telt we­gen Ge­heim­nis­ver­rats beim Kauf ei­nes al­ten Korn­spei­chers für das Lan­des­ar­chiv in Duis­burg. Dem Land soll durch In­dis­kre­tio­nen ein Mil­lio­nen­ver­lust ent­stan­den sein.

Rheinische Post Goch - - Land & Leute - VON JÜR­GEN STOCK

DUIS­BURG Der Neu­bau des Lan­des­ar­chivs am Duis­bur­ger In­nen­ha­fen ge­hört zu den ehr­gei­zigs­ten Bau­pro­jek­ten im Ruhr­ge­biet. Der­zeit wird dort ein al­ter Korn­spei­cher zu ei­ner Heim­statt für die wert­volls­ten his­to­ri­schen Do­ku­men­te in Lan­des­be­sitz. 160 Mil­lio­nen soll das Pro­jekt kos­ten. 80 Mil­lio­nen wa­ren ur­sprüng­lich ein­mal da­für ver­an­schlagt. Bis zu 25 Mil­lio­nen Eu­ro

In­si­der aus dem Kreis der Duis­bur­ger Stadt­ver­wal­tung

soll Tipps ge­ge­ben ha­ben

der Mehr­kos­ten sol­len auf das Kon­to von Ge­heim­nis­ver­rat, Un­treue und Be­trug ge­hen. So lau­tet je­den­falls der An­fangs­ver­dacht, dem nun die Schwer­punkt­staats­an­walt­schaft zur Be­kämp­fung der Kor­rup­ti­on in Wup­per­tal nach­geht.

Ins Rol­len ge­kom­men wa­ren die Er­mitt­lun­gen am 12. April. Da­mals er­stat­te­te ein Frank­fur­ter Pri­vat­de­tek­tiv An­zei­ge ge­gen „be­tei­lig­te Fir­men und Per­so­nen we­gen al­ler in­fra­ge kom­men­den De­lik­te“. Der Vor­wurf: Ein In­si­der aus dem Kreis der Duis­bur­ger Stadt­ver­wal­tung oder des Ra­tes soll dem Es­se­ner Pro­jekt­ent­wick­ler Kölbl Kru­se ge­steckt ha­ben, dass die Stadt be­ab­sich­ti­ge, das Ge­län­de des so­ge­nann­ten RWSG-Spei­chers zu er­wer­ben, da­mit dort das neue Lan­des­ar­chiv ge­baut wer­den kann.

Land und Stadt Duis­burg hat­ten En­de Ja­nu­ar 2007 ge­mein­sam be­schlos­sen, das Grund­stück am In­nen­ha­fen für zwei Mil­lio­nen Eu­ro zu er­wer­ben. Zu­nächst soll­te die Stadt das Grund­stück kau­fen und an das Land wei­ter­ge­ben. An­geb­lich ha­be es be­reits ei­nen Notar­ter­min ge­ge­ben. Doch zur Un­ter­zeich­nung des Kauf­ver­trags kam es nicht. Der Grund­stücks­ei­gen­tü­mer ver­äu­ßer­te die Im­mo­bi­lie nicht an die Stadt, son­dern für 3,75 Mil­lio­nen Eu­ro an den Es­se­ner Pro­jekt­ent­wick­ler. Wie das Un­ter­neh­men ges­tern be­stä­tig­te, wur­de ein ent­spre­chen­der Kauf­ver­trag am 2. Fe­bru­ar 2007 ab­ge­schlos­sen.

Nun muss­te sich das Land mit Kölbl Kru­se an den Ver­hand­lungs­tisch set­zen. „Für uns kam das da­mals über­ra­schend“, er­in­nert sich der da­ma­li­ge Kul­tur-Staats­se­kre­tär Hans-Hein­rich Gros­se-Brock­hoff (CDU), der die Pla­nun­gen für das Ar­chiv maß­geb­lich mit­be­stimm­te. Die Über­ra­schung soll­te das Land noch teu­er zu ste­hen kom­men. Im Früh­som­mer 2008 kauf­te das Land Kölbl Kru­se das Grund­stück, den Spei­cher und al­le von Kölbl Kru­se er­brach­ten Leis­tun­gen für 21,6 Mil­lio­nen Eu­ro wie­der ab. Hin­zu ka­men an­geb­lich noch ein­mal 8,3 Mil­lio­nen Eu­ro als Ent­schä­di­gung für ei­nen zwi­schen­zeit­lich mit dem Land ab­ge­schlos­sen Miet­ver­trag zur Nut­zung des Ge­bäu­des.

Ein gu­tes Ge­schäft für die Es­se­ner, ein schlech­tes für den Steu­er­zah­ler. Die Staats­an­walt­schaft will nun klä­ren, ob ein Tipp­ge­ber Kölbl Kru­se über die Kauf­ab­sich­ten für das RWSG-Ge­län­de in­for­miert und so den Mil­lio­nen-De­al er­mög­licht ha­be. Das Un­ter­neh­men wies den Ver­dacht ges­tern zu­rück: „... die kon­kre­ten Pla­nun­gen hin­sicht­lich der Er­rich­tung des Lan­des­ar­chivs NRW auf die­sem Ge­län­de wa­ren Kölbl Kru­se nicht be­kannt. Viel­mehr soll­te auch auf die­sem Ge­län­de ein wei­te­rer Bü­ro­kom­plex ent­ste­hen – ana­log zu den üb­ri­gen Pro­jek­ten von Kölbl Kru­se am Duis­bur­ger In­nen­ha­fen. Der An­kauf des Grund­stücks durch Kölbl Kru­se war nicht ab­hän­gig von den Pla­nun­gen der Stadt Duis­burg.“

Der Fall schlägt in­zwi­schen auch po­li­tisch Wel­len. So fährt die Duis­bur­ger SPD-Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Bär­bel Bas schwe­res Ge­schütz auf: „Ge­heim­nis­ver­rat, Un­treue und Be­trug sind kei­ne Ka­va­liers­de­lik­te. Die­ses Geld wird am En­de für Kin­der­be­treu­ung oder Bil­dung feh­len. Ich for­de­re des­halb ei­ne rück­halt­lo­se Auf­klä­rung der Vor­fäl­le und möch­te ins­be­son­de­re die Rol­le von Ober­bür­ger­meis­ter Sau­er­land ge­klärt wis­sen.“ Ober­bür­ger­meis­ter Adolf Sau­er­land (CDU) ließ ges­tern durch ei­nen Spre­cher wis­sen, er ge­be we­gen der lau­fen­den Er­mitt­lun­gen kei­ne Aus­künf­te. Sau­er­land steht seit den Vor­gän­gen um die Lo­ve­pa­ra­de-Ka­ta­stro­phe un­ter Dau­er­feu­er sei­ner po­li­ti­schen Geg­ner.

Bär­bel Hil­de­brandt vom Bund der Steu­er­zah­ler fin­det die Vor­gän­ge um den An­kauf des Lan­des­ar­chiv-Grund­stücks in Duis­burg „ei­nen di­cken Hund“. Sie mag nicht dar­an glau­ben, dass rein zu­fäl­lig ein In­ves­tor zu dem Zeit­punkt ein Grund­stück er­wirbt, zu dem die öf­fent­li­che Hand sich ent­schei­det, es zu kau­fen.

Aber auch un­ge­ach­tet der staats­an­walt­schaft­li­chen Er­mitt­lun­gen fin­det sie die Vor­gän­ge in Duis­burg skan­da­lös. „Stadt und Land wa­ren doch nicht ge­zwun­gen, das Grund­stück zu kau­fen. Man hät­te das Ar­chiv auch an­ders­wo im Ruhr­ge­biet bau­en kön­nen.“

FO­TO: STADT DUIS­BURG

Die­se Mo­dell-Zeich­nung zeigt, wie das neue Lan­des­ar­chiv in Duis­burg ein­mal aus­se­hen wird.

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