Wil­ders wü­tet auch im Rund­funk

Rheinische Post Goch - - Kultur -

Bei Ket­ten­mails, die dem Emp­fän­ger so­for­ti­ges Han­deln ab­ver­lan­gen, muss man vor­sich­tig sein. In die­sem Fall aber war Ei­le von­nö­ten. Mu­sik­freun­de in ganz Eu­ro­pa wa­ren auf­ge­ru­fen, den Plä­nen der – von dem Rechts­po­pu­lis­ten Geert Wil­ders mit­ge­lenk­ten – nie­der­län­di­schen Re­gie­rung zu wi­der­spre­chen, die die kom­plet­te Mu­sik­spar­te des nie­der­län­di­schen Rund­funks schlie­ßen möch­te.

Er sei fas­sungs­los ge­we­sen, als er von die­sem Be­schluss ge­hört ha­be, sag­te Si­mon Ratt­le, der Chef­di­ri­gent der Ber­li­ner Phil­har­mo­ni­ker: „Beim An­blick die­ser mas­si­ven Zer­stö­rung von Orches­ter-und Chor­in­sti­tu­tio­nen in Hol­land muss die ge­sam­te Mu­sik­welt so ent­setzt und ver­stört sein wie ich. So et­was ist bis­her noch nie vor­ge­kom­men, es ist ein un­kal­ku­lier­ba­rer Ver­lust für das künst­le­ri­sche Le­ben in ganz Eu­ro­pa.“ In der Tat füh­ren die Rund­fun­k­en­sem­bles in Hol­land wie bei uns kein pri­va­tes, son­dern ein sehr öf­fent­li­ches Le­ben. Sie ga­ran­tie­ren et­wa dem Con­cert­ge­bouw in Ams­ter­dam oder dem North Sea Jazz Fes­ti­val ein dau­er­haft hoch­ran­gi­ges Pro­gramm. All dies ist Wil­ders ei­ne gan­ze Dor­nen­he­cke vor Au­gen, von no­to­risch links­in­tel­lek­tu­el­len Pro­gramm­pla­nern zum Zweck der na­tio­na­len Un­ter­wan­de­rung ge­züch­tet. De­nen müs­se man den Gar­aus ma­chen.

Man muss hof­fen, dass der brei­te eu­ro­päi­sche Pro­test im nie­der­län­di­schen Par­la­ment nicht un­ge­hört ver­hallt, ob­wohl er kei­ne recht­li­che Wir­kung be­sitzt. An­sons­ten könn­te ei­ne der reichs­ten Mu­sik­ve­ge­ta­tio­nen Eu­ro­pas bald Wüs­te sein. Ver­mut­lich wird sich das Pu­bli­kum ve­he­ment weh­ren. Ja, man darf ein Ams­ter­dam 21 er­war­ten.

WOLF­RAM GOERTZ

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