Düsseldorf – Zen­trum der Kunst­stoff­welt

Wie kaum ei­ne an­de­re Bran­che ist die Kunst­stoff­in­dus­trie aus der Kri­se in den Auf­schwung ge­star­tet. Ges­tern ist in Düsseldorf die welt­größ­te Kunst­stoff­mes­se K 2010 ge­star­tet. Die Trends lie­gen vor al­lem im Um­welt­schutz. Mehr als 200 000 Be­su­cher wer­den e

Rheinische Post Goch - - Wirtschaft - VON THORS­TEN BREIT­KOPF

DÜSSELDORF Seit ges­tern blickt die welt­wei­te Kunst­stoff­bran­che auf Düsseldorf. Mehr als 3100 Aus­stel­ler aus 56 Län­dern zei­gen auf der Kunst­stoff­mes­se K 2010, was bei Plas­tik und Kaut­schuk ge­ra­de Trend der Zeit ist. Deutsch­land ist er­neut die größ­te aus­stel­len­de Na­ti­on auf der K. Al­ler­dings sind nach An­ga­ben der Mes­se mehr als 60 Pro­zent der Aus­stel­lungs­flä­che an Fir­men aus dem Aus­land ver­mie­tet.

Im Fo­kus der Mes­se steht vor al­lem die Stei­ge­rung der Ener­gie­ef­fi­zi­enz. Da­zu ge­hö­ren ne­ben mo­der­nen Dämm-Ma­te­ria­li­en auch die leich­te und gleich­zei­tig fes­te­re Kon­struk­ti­on von Au­to­tei­len.

Die Zu­kunft des Au­to­mo­bil­baus zeigt ein Kon­zep­tau­to des schwei­zer Au­to­ent­wick­lers Rin­speed. Der Klein­wa­gen UC? ist nach Aus­sa­ge des Au­to­ex­per­ten Fer­di­nand Du­den­höf­fer, der den Wa­gen ges­tern prä­sen­tier­te, auf dem Sprung zur Se­ri­en­rei­fe. Dank ei­nes Elek­tro­an­triebs fährt der nur 2,50 Me­ter lan­ge Stadt­wa­gen emis­si­ons­los. Die Krux vie­ler Elek­tro­fahr­zeu­ge ist das ho­he Ge­wicht der Bat­te­rie. Das schränkt die Reich­wei­te bei den meis­ten Pro­to­ty­pen stark ein. Sehr leich­te Hig­hTech-Kunst­stof­fe der Fir­ma Ti­co­na sol­len den Ge­wichts­nach­teil aus­glei­chen. Für ei­nen Elek­tro­wa­gen hat der UC? mit 120 Ki­lo­me­tern da­durch ei­ne ver­gleichs­wei­se ho­he Reich­wei­te. Das Au­to soll an spe­zi­el­len La­de­sta­tio­nen der Bahn an die Steck­do­se kom­men und sein Ra­di­us so noch er­heb­lich er­wei­tert wer­den.

Der Spe­zi­al­che­mie­kon­zern Lan­xess zeigt auf sei­nem Stand, was mit Kunst­stof­fen heu­te schon im Au­to­mo­bil­bau mög­lich ist. Das so ge­nann­te Front­end des Au­di A 8 be­steht be­reits heu­te weit­ge­hend aus Kunst­stoff des Le­ver­ku­se­ner Kon­zerns. An dem Bau­teil sind Küh­ler­grill, Stoß­stan­ge und Schein­wer­fer be­fes­tigt. „Kunst­stoff bie­tet ge­gen­über Me­tall di­ver­se Vor­tei­le. Er ist leich­ter zu ver­ar­bei­ten, hat bes­se­re Ei­gen­schaf­ten bei ei­nem Un­fall, ist leich­ter als Alu­mi­ni­um und be­sitzt ei­ne bei wei­tem bes­se­re Ener­gie­ef­fi­zi­enz“, er­klärt Hart­wig Mei­er, Lei­ter der Pro­dukt­ent­wick­lung beim Lan­xess-Ge­schäfts­be­reich Se­miC­rys­tal­li­ne Pro­duk­te.

„Myon“ ist 1,25 Me­ter groß, wiegt 15 Ki­lo­gramm und hat ei­ne wei­ße Haut aus dem Spe­zi­al­plas­tik Ma­kro­lon. Der klei­ne Ro­bo­ter kann zwar noch nicht spre­chen – auf sei­ne Um­welt kann er aber schon re­agie­ren. Myon ist in der La­ge, Ge­gen­stän­de optisch zu er­ken­nen und ih­nen mit dem Kopf zu fol­gen. Ent­wi­ckelt wur­de der nied­li­che Hig­hTech-Ro­bo­ter von der Ber­li­ner Hum­boldt-Uni­ver­si­tät in Zu­sam­men­ar­beit mit Bay­ers Kunst­stof­ftoch­ter Ma­te­ri­al Sci­ence. Mit ihm soll er­forscht wer­den, wie sich „kom­ple­xe gram­ma­ti­ka­li­sche Struk­tu­ren und Ver­hal­ten in Grup­pen von Ro­bo­tern“ her­aus­bil­den.

Eben­falls auf dem Bay­er­stand kön­nen Be­su­cher er­fah­ren, wie der Nach­fol­ger der Com­pu­ter­maus aus­se­hen könn­te. „Pe­re­gri­ne“ heißt ein „in­tel­li­gen­ter“ Hand­schuh, der je­des Maus­kli­cken über­flüs­sig macht. Mit Hil­fe ein­ge­bau­ter Sen­so­ren kön­nen über 30 Com­pu­ter­ak­tio­nen, wie et­wa Na­vi­gie­ren auf dem Bild­schirm oder Dop­pel­kli­cken, ein­fach durch Fin­ger­tip­pen aus­ge­führt wer­den. Herr Heit­mann, Ihr Un­ter­neh­men hat mit 1300 Qua­drat­me­tern Flä­che ei­nen rie­si­gen Stand auf der K2010. Wie wich­tig ist die Mes­se?

Ro­bo­ter Myon ist so groß wie ein Kind. Er kann Ge­gen­stän­de er­ken­nen und mit dem Au­ge ver­fol­gen.

FO­TOS: MES­SE

Der Hand­schuh Pe­re­gri­ne könn­te in Zu­kunft die Com­pu­ter­maus bei fast al­len Funk­tio­nen er­set­zen.

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