Das „Mu­sik-Ka­rus­sell“

Un­ge­ahn­te Ta­len­te ent­de­cken, Ge­mein­sam­keit för­dern, Freu­de brin­gen – und die Lern­fä­hig­keit för­dern: Ein Pro­jekt der Lieb­frau­en­schu­le mit dem Mu­sik­haus Wel­bers aus Keve­la­er macht’s mög­lich. Die Kin­der sind be­geis­tert.

Rheinische Post Goch - - Grenzland Post - VON THO­MAS CLAAS­SEN

GOCH Re­spekt oder gar Angst? Kei­ne Spur! An­fas­sen, an­schau­en, aus­pro­bie­ren. War­um, bit­te schön, soll­te man die­sem ei­gent­lich viel zu gro­ßen Sa­xo­fon kei­ne Tö­ne ent­lo­cken kön­nen? Oder dem Horn oder der blitz­blan­ken Trom­pe­te? War­um soll Schlag­zeug ein Buch mit sie­ben Sie­geln sein? Be­geis­te­rung greift um sich, ganz schnell. Chris­ti­an Leu­pers kennt das schon. Der Mit­ar­bei­ter des Mu­sik­hau­ses Wel­bers aus Keve­la­er, selbst be­geis­ter­ter Sa­xo­fon­spie­ler, freut sich mit. Sebastian Sür­gers, Mu­sik­stu­dent an der Folk­wang-Hoch­schu­le in Es­sen und Di­ri­gent des Mu­sik­zu­ges Has­sum, wun­dert sich ge­nau so we­nig wie Mecht­hild Ne­ve­ling, (Mu­sik-)Leh­re­rin der Lieb­frau­en­schu­le. „Sie­ben von zehn Kin­dern ha­ben uns ge­sagt, ja, sie hät­ten gro­ßes In­ter­es­se, wei­ter Mu­sik zu ma­chen, ein In­stru­ment zu er­ler­nen.“

In­stru­men­te zum Aus­su­chen

Ge­nau die­ses Ziel hat­te das Pro­jekt, das Lieb­frau­en-Schul­lei­te­rin En­ge­li­ne Ay­mans so pas­send „Mu­sik-Ka­rus­sell“ nennt: Die Schu­le selbst hat zehn Gi­tar­ren und sechs gu­te Key­boards. Das Mu­sik­haus Wel­bers kommt nun in die Schu­le, mit ei­ner gro­ßen Aus­wahl an In­stru­men­ten, und al­le Kin­der der vier­ten Klas­sen ha­ben die Mög­lich­keit, al­le aus­zu­pro­bie­ren. Da­mit es nicht beim Aus­pro­bie­ren bleibt, ar­bei­ten Mecht­hild Ne­ve­ling und Chris­ti­an Sür­gers mit den Kin­dern, ma­chen mit ih­nen die ers­ten Geh­ver­su­che. Auf­ein­an­der hö­ren, wenn man mit­ein­an­der et­was macht – das gilt un­mit­tel­bar beim ge­mein- sa­men Mu­si­zie­ren. Und schon da, so Sür­gers, lie­ge ein Nut­zen der Sa­che. Mecht­hild Ne­ve­ling: „Mu­si­zie­ren ist auch fürs Ler­nen ins­ge­samt sehr för­der­lich. Es ist nach­ge­wie­sen, dass Kin­der, die selbst ak­tiv mu­si­zie­ren, ein ,flot­te­res’ Ge­hirn ha­ben. Von der För­de­rung der Mo­to­rik, der Be­we­gungs­fä­hig­keit und -ge­schick­lich­keit, mal ganz ab­ge­se­hen.“

Mu­sik um­ge­be heu­te die Kin­der – aber sie sei­en le­dig­lich die Kon­su­men­ten – und: „Sie hö­ren nur ei­ne Mu­sik­rich­tung“, so Ne­ve­ling. „Mit klas­si­scher Mu­sik kom­men sie zu Hau­se sel­ten in Be­rüh­rung. Da­bei ist es im­mer wie­der toll, zu se­hen, wie Kin­der auf die­se Mu­sik re­agie­ren, wie sie da­mit um­ge­hen.“ Das Gan­ze dann noch ak­tiv, vor der Kla­via­tur oder mit der Trom­pe­te in der Hand – da wird Mu­sik hö­ren zum Mu­sik­erleb­nis.

Be­geis­te­rung be­stä­tigt

En­ge­li­ne Ay­mans und ihr Team den­ken schon wei­ter. Die Be­geis­te­rung, die die Kin­der an den Tag le­gen, be­stä­tigt ih­re Ver­mu­tun­gen. „Da­her kann ich mir sehr gut vor­stel­len, dass wir spä­ter ein­mal ei­ne Mu­sik­klas­se ein­rich­ten wer­den“, so Ay­mans. „Dar­um ha­ben wir jetzt auch das ,Mu­sik-Ka­rus­sell’ ro­tie­ren las­sen – so ha­ben al­le Kin­der zum Start die Mög­lich­keit, sich aus­zu- pro­bie­ren, die In­stru­men­te aus­zu­pro­bie­ren, zu se­hen, ob ih­nen das Spaß macht.“ Zu­hau­se kann ih­nen das so si­cher nie­mand bie­ten.

Sebastian Sür­gers (links), Mu­sik­stu­dent in Es­sen und Lei­ter des Mu­sik­zu­ges Has­sum, hilft den Kin­dern, die auch so kniff­li­ge Auf­ga­ben meis­tern wie: Nun ent­lo­cken wir dem Sa­xo­fon den ers­ten Ton.

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