Bo­rus­sia ge­winnt Elf­me­terk­ri­mi

Nach dem 6:3-Er­folg in der Bun­des­li­ga ent­schei­den die Mön­chen­glad­ba­cher Fuß­ball-Pro­fis auch den zwei­ten Sai­son­ver­gleich Bayer Le­ver­ku­sen für sich. In der zwei­ten Haupt­run­de des DFB-Po­kals ging es ges­tern al­ler­dings bis ins Elf­me­ter­schie­ßen: End­stand

Rheinische Post Goch - - Sport - VON KARS­TEN KELLERMANN

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Es war ei­ne net­te Plau­de­rei zwi­schen zwei Trai­nern, die sich sehr schät­zen: Michael Front­zeck, ge­bo­ren in Mön­chen­glad­bach und an­ge­stellt bei Bo­rus­sia, traf Jupp Heynckes, ge­bo­ren in Mön­chen­glad­bach und be­ruf­lich bei Bayer Le­ver­ku­sen ak­tiv, vor dem DFB-Po­kal­spiel bei­der Teams im Spie­ler­tun­nel. Sie trenn­ten sich mit ei­nem fröh­li­chen Schul­ter­klop­fen. Nach ge­ta­ner Ar­beit war Heynckes die gu­te Lau­ne ver­gan­gen. Glad­bach sieg­te nach Elf­me­ter­schie­ßen 6:5 (1:1, 0:0) und steht in der drit­ten Run­de. Für Le­ver­ku­sen en­de­te der „kür­zes­te Weg nach Eu­ro­pa“, wie es in der Bran­che heißt, früh­zei­tig.

Er­in­ne­run­gen an 1992 wur­den wach. Da­mals hat­te Glad­bachs Tor­wart Uwe Kamps vier Le­ver­ku­se­ner Schüs­se ab­ge­wehrt. Die­ses Mal war Bo­rus­si­as neu in­stal­lier­ter Kee­per Chris­to­fer Hei­meroth der Held. Er hielt den Schuss von Patrick Hel­mes, der schon in der re­gu­lä­ren Spiel­zeit ei­nen Elf­me­ter ver­schos­sen hat­te. Fi­lip Da­ems schoss sein Team ins Ach­tel­fi­na­le.

In der Sai­son 2003/2004 war Bo­rus­sia zu­letzt über die zwei­te Run­de hin­aus ge­kom­men, da­mals schei­ter­te sie im Halb­fi­na­le in Aa­chen. „Ei­ne Her­aus­for­de­rung“ sei das, hat­te Front­zeck ge­sagt. Sie­ben­mal in Fol­ge ist sei­ne Mann­schaft in der Bun­des­li­ga sieg­los, der ein­zi­ge Er­folg der Bo­rus­sen war die Vor­ge­schich­te der Par­tie: Am zwei­ten Spiel­tag hat­te Bayer das Heim­spiel 3:6 ver­lo­ren. Na­tür­lich heg­ten die Bo­rus­sen die Hoff­nung, dass die ei­ge­nen Ge­set­ze des Po­kals das Ge­setz der sieg­lo­sen Se­rie über­trump­fen könn­ten. „Das Spiel ist nicht zu ver­glei­chen mit den Auf­trit­ten in der Li­ga“, wuss­te Heynckes.

Die Er­in­ne­rung an den Li­ga­tri­umph in­des war es vi­el­leicht, die dem Heim­team ei­nen Ad­re­na­lin­schub ver­setz­te. Zwei­te Mi­nu­te: Sebastian Schach­ten brach links durch, Re­né Ad­ler klär­te in höchs­ter Not. Fünf­te Mi­nu­te: Thor­ben Marx schick­te Mo Id­ris­sou, Ad­ler ris­kier­te al­les und hat­te Er­folg. Zehn­te Mi­nu­te: Juan Aran­go leg­te auf Bo­ba­dil­la ab, der Ar­gen­ti­ni­er schoss aus 16 Me­tern knapp vor­bei. 22. Mi­nu­te: Dies­mal pass­te Reus auf Bo­ba­dil­la, wie­der hielt Ad­ler. Glad­bachs Fans hat­ten Freu­de am Ge­sche­hen auf dem Ra­sen. Bayer fand of­fen­siv kaum statt. Und wenn, dann hielt Chris­to­fer Hei­meroth gut.

Die Bo­rus­sen spiel­ten mu­tig und auch pas­sa­bel, doch das Pro­blem, das sie schon beim 1:4 ge­gen Bre­men hat­ten, setz­te sich fort: Aus­ge­zeich­ne­te Tor­ge­le­gen­hei­ten blie­ben un­ge­nutzt. Die Art und Wei­se, wie Le­ver­ku­sen den Abend an­ging, könn­te man, ge­schönt, als ab­ge­klärt de­fi­nie­ren. Zu­nächst ab­war­tend-pas­siv, dann un­auf­fäl­lig ak­ti­ver, so be­kam Bayer mehr Kon­trol­le, je­doch oh­ne zu glän­zen. Die Nord­kur­ve spür­te das und üb­te sich im Dau­er­ge­sang.

Dann er­tön­te ein Pfiff, der al­le Bo­rus­sen kurz­zei­tig in Schock­star­re ver­setz­te: Patrick Hel­mes fiel bei ei­nem Lauf­du­ell mit Fi­lip Da­ems im Straf­raum – Elf­me­ter. Doch Hel­mes, der ent­ge­gen der un­ge­schrie­be­nen Fuß­ball­re­gel selbst schoss, setz­te den Ball am Tor vor­bei (62.). Das tor­lo­se Ge­sche­hen ging in die Ver­län­ge­rung. Im de­ren zwei­ten Teil wur­de die Ge­schich­te dra­ma­tisch: Eren Der­diyok traf zum 0:1, zwei Mi­nu­ten spä­ter glich Mo Id­ris­sou aus. Nun war wie­der Le­ben im Bo­rus­sia-Park. Und es gab das ul­ti­ma­ti­ve Po­ka­l­er­leb­nis: ein Elf­me­ter­schie­ßen. Hier wa­ren Hei­meroth und Da­ems, der den letz­ten Schuss um 23.06 Uhr ver­wan­del­te, die Hel­den.

FO­TO: AP

Ver­bis­se­ner Po­kalkampf: Der Mön­chen­glad­ba­cher Mit­tel­feld­spie­ler Thor­ben Marx (wei­ßer Dress) stoppt in die­ser Sze­ne Le­ver­ku­sens Stür­mer Eren Der­diyok.

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