Kur­ze Ge­schich­te des Trak­tors auf Ukrai­nisch

Rheinische Post Goch - - Sport / Roman -

ei­ne Hel­den­rol­le zu­kom­men zu las­sen, wie er selbst es nicht an­nä­hernd so gut hät­te zu­stan­de brin­gen kön­nen.

Als der Rechts­an­walt schon fast ei­ne St­un­de lang re­det, ent­steht drau­ßen vor der Tür Be­we­gung. Die Tür öff­net sich ei­nen Spalt, die Ge­richts­die­ne­rin steckt den Kopf her­ein und sagt et­was zum Rich­ter, wor­auf die­ser zu­stim­mend nickt. Dann fliegt die Tür voll­stän­dig auf, und auf der Schwel­le er­scheint – Sta­nis­lav.

Sta­nis­lav hat sich ein we­nig fein­ge­macht. Er trägt sei­ne Schul­uni­form und hat sei­ne Lo­cken mit Was­ser ge­glät­tet. In der Hand hält er ei- nen Hef­ter mit Pa­pie­ren, die sich selbst­stän­dig ma­chen, als er in den Raum her­ein­stol­pert. Als er sich bückt, um sie wie­der auf­zu­sam­meln, er­ken­ne ich dar­un­ter Fo­to­ko­pi­en von Va­ters Ge­dich­ten und ih­re mit Kin­der­schrift ins Eng­li­sche über­tra­ge­nen Ver­sio­nen. Va­ter springt auf und deu­tet auf Sta­nis­lav.

„Es war für ihn! Al­les war für ihn! Weil sie meint, dass er ein Ge­nie ist und un­be­dingt ei­ne Ox­ford-Cam­bridge-Aus­bil­dung be­kom­men muss!”

„Neh­men Sie doch bit­te wie­der Platz, Mr. Ma­jev­ski”, sagt der Rich­ter.

Ms. Car­ter wirft ihm ei­nen fle- hen­den Blick zu.

Der Rich­ter war­tet, bis Sta­nis­lav wie­der al­les bei­sam­men hat, und for­dert ihn dann auf, nach vorn an den Rich­ter­tisch zu tre­ten.

„Ich bin als Ver­tre­tung für mei­ne Mut­ter ge­kom­men.”

Va­ters An­walt springt auf, doch der Rich­ter be­deu­tet ihm, sich wie­der zu set­zen. „Las­sen Sie den jun­gen Mann sa­gen, was er zu sa­gen hat. Vi­el­leicht be­gin­nen wir da­mit, dass du uns er­zählst, war­um dei­ne Mut­ter nicht selbst hier vor­stel­lig wird?”

„Mei­ne Mut­ter ist im Kran­ken­haus”, sagt Sta­nis­lav, „weil sie ein Ba­by be­kommt. Mr. Ma­jevs­kis Ba­by.” Er lä­chelt sein zahn­lü­cki­ges Grüb­chen­lä­cheln.

„Das stimmt nicht!”, ruft Ve­ra auf­ge­bracht und schnellt in die Hö­he. „Es ist nicht von mei­nem Va­ter! Es ist ei­ne Fol­ge ih­res Ehe­bruchs!” Ih­re Au­gen blit­zen.

„Bit­te neh­men Sie wie­der Platz, Miss . . . äh, Mrs. . . .”, sagt der Rich­ter. Ei­nen Mo­ment lang bleibt sein Blick an ihr hän­gen, als sich ih­re Au­gen be­geg­nen. Ist es die Auf­re­gung oder wird Ve­ra tat­säch­lich rot? Dann setzt sie sich oh­ne ein wei­te­res Wort. Ms. Car­ter krit­zelt hek­tisch et­was auf ein Blatt Pa­pier und reicht es dem An­walt, der so­gleich nach vorn ans Rich­ter­pult tritt.

„Es gab ein An­ge­bot über zwan­zig­tau­send Pfund”, sagt er, „wenn auf­grund ei­nes Va­ter­schafts­tests nach­ge­wie­sen wird, dass das Kind wirk­lich von Mr. Ma­jev­ski ist. Doch die­ses An­ge­bot wur­de ab­ge­lehnt und an sei­ner statt ei­ne nied­ri­ge­re Sum­me vor­ge­schla­gen, die nicht von ei­nem Va­ter­schafts­test ab­hän­gig ge­macht wer­den soll­te. Die­sen Vor­schlag hat Mr. Ma­jev­ski ab­ge­lehnt.”

(Fort­set­zung folgt) © 2006 dtv München; aus dem Eng­li­schen von El­fi Har­ten­stein

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