Keith Richards ent­hüllt Band-Ge­heim­nis­se

Der Gi­tar­rist der Rol­ling Sto­nes öff­net in sei­ner Au­to­bio­gra­phie „Li­fe“ den Band-Gift­schrank. Über vie­le Sei­ten liest sich das Buch wie ei­ne Dro­gen­beich­te – mit Sei­ten­hie­ben auf Mick Jag­ger.

Rheinische Post Goch - - Gesellschaft - VON JÖRG ISRINGHAUS

LONDON Wenn Keith Richards sei­ne Au­to­bio­gra­phie schlicht „Li­fe“, Le­ben, nennt, dann ist das auch ein Be­kennt­nis – ei­nes Über­le­ben­den. Rund 700 Sei­ten hat der Gi­tar­rist der Rol­ling Sto­nes zu­sam­men­ge­tra­gen, die Ge­schich­te ei­nes un­end­li­chen Rau­sches. Als ob ein Blick in das kunst­voll ero­dier­te Ge­sicht des 66-Jäh­ri­gen nicht ge­reicht hät­te. So aber er­zählt Richards in den ge­ra­de er­schie­ne­nen Me­moi­ren aus dem Näh­käst­chen, öff­net den Band- Gift­schrank. Gleich­wohl scheint die Che­mie der Rock-Com­bo noch zu stim­men: Fast 50 Jah­re nach ih­rer Grün­dung wol­len die Sto­nes 2011 wie­der auf Tour ge­hen, sag­te Richards dem „Stern“.

Rund fünf Mil­lio­nen Pfund soll der Gi­tar­rist für sei­ne Er­in­ne­run­gen er­hal­ten ha­ben. Ein Ge­schäft, dass sich für den Ver­lag trotz­dem aus­zah­len könn­te – be­reits vor Er­schei­nen war „Li­fe“ (Heyne Ver­lag) das best­ver­kauf­te Buch beim In­ter­net­händ­ler Ama­zon. Le­ser spe­ku­lie­ren na­tür­lich auf Ent­hül­lun­gen ei­nes Sze­ne-In­si­ders: Sex, Drugs & Rock’n’Roll. Richards be­müht sich, den Er­war­tun­gen ge­recht zu wer­den. Über vie­le Sei­ten liest sich sein Werk wie ei­ne Dro­gen­beich­te. So er­zählt er, dass er jah­re­lang nur des­halb ei­nen Hut mit Fe­der ge­tra­gen ha­be, weil er die­se mit ei­ner In­jek­ti­ons­na­del fest­ste­cken konn­te. Auf die­se Wei­se pas­sier­te er sämt­li­che Kon­trol­len. Am Le­ben sei er nur noch, weil er im­mer auf die Qua­li­tät der Dro­gen ge­ach­tet ha­be – und dank sei­nes tol­len Im­mun­sys­tems.

Ne­ben be­kann­ten und un­be­kann­ten Rausch­mit­teln ste­hen na­tür­lich die Strei­te­rei­en, Ei­fer­süch­te­lei­en und Hah­nen­kämp­fe mit Mick Jag­ger im Mit­tel­punkt. Richards er­zählt et­wa, wie er sei­nem bes­ten Kum­pel in den 60ern Hör­ner auf­setz­te und des­sen Freun­din Ma­ri­an­ne Faith­full ver­führ­te (und da­bei sei­ne So­cken in Jag­gers Zim­mer ver­gaß). Am spät­pu­ber­tä­ren Wett­kampf der bei­den Sto­nes-Köp­fe, an ih­ren ewi­gen Frau­en­geschich­ten, so Richards Er­kennt­nis, wä­re die Rock­band fast zer­bro­chen.

Als krea­ti­ver Mo­tor der Sto­nes sieht sich der Gi­tar­rist min­des­tens auf Au­gen­hö­he mit Jag­ger. Richards Song „Sa­tis­fac­tion“ bei­spiels­wei­se sei fast oh­ne sein Zu­tun im Schlaf ent­stan­den. Mor­gens er­wach­te er ne­ben sei­nem Dik­tier­ge­rät, hör­te sich dar­auf sin­gen und Gi­tar­re spie­len, konn­te sich aber an nichts er­in­nern. Aus dem Ma­te­ri­al ent­wi­ckel­te er den spä­te­ren Me­ga­hit. Trotz­dem, so sein Fa­zit, ge­be es kei­nen Song, den er oh­ne Dro­gen bes­ser oder an­ders ge­spielt hät­te.

FO­TO: DPA

Der Ti­tel der Au­to­bio­gra­fie „Li­fe“ von Keith Richards. Die Me­moi­ren des Rol­lin­gS­to­nes-Gi­tar­ris­ten sind die­se Wo­che er­schie­nen.

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