Ai­g­ner: Die CSU muss sich ver­än­dern

Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin Il­se Ai­g­ner über die La­ge ih­rer Par­tei vor dem heu­te be­gin­nen­den CSU-Par­tei­tag, die Qua­li­tät der deut­schen Le­bens­mit­tel und ih­ren Ein­satz ge­gen Tricks und Täu­schun­gen der In­dus­trie.

Rheinische Post Goch - - Politik -

Muss sich die CSU er­neu­ern? Ai­g­ner Wer sich nicht ver­än­dert, wird ver­än­dert. Ei­ne gro­ße Volks­par­tei wie die CSU muss sich lau­fend er­neu­ern und stän­dig hin­ter­fra­gen. Macht es Ih­nen Sor­gen, dass die CSU Wah­l­er­geb­nis­se von 40 Pro­zent und mehr nicht mehr ga­ran­tiert hat? Ai­g­ner Es ist un­be­strit­ten, dass wir mit dem ak­tu­el­len Stim­mungs­bild der Um­fra­gen nicht zu­frie­den sein kön­nen. Ich bin aber si­cher, dass es auf­wärts­geht, weil wir hart ar­bei­ten. Da­für ha­ben uns die Men­schen ge­wählt. CSU-Chef See­ho­fer ist in der Kri­tik, weil er heu­te dies und mor­gen das sagt. Braucht es ei­ne kla­re­re Li­nie? Ai­g­ner Da müs­sen Sie mal ein kon­kre­tes Bei­spiel nen­nen. Die Ren­te mit 67. Ai­g­ner Horst See­ho­fer hat die Ren­te mit 67 nicht in Fra­ge ge­stellt. Er hat zu Recht be­tont, dass die Wirt­schaft mehr äl­te­re Ar­beit­neh­mer be­schäf­ti­gen muss, be­vor man über hö­he­re Zu­wan­de­rung spricht. Ist Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg die nächs­te Num­mer eins in der CSU? Ai­g­ner Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg ist ein her­vor­ra­gen­der Po­li­ti­ker. Ich freue mich, dass wir in un­se­ren Rei­hen ei­nen ha­ben, der so au­ßer­or­dent­lich be­liebt ist. Der soll­te al­so Par­tei­chef wer­den? Ai­g­ner Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg ist ein Zug­pferd. Ei­nes, auf das die Uni­on stolz sein kann und auf das auch der CSU-Par­tei­vor­sit­zen­de stolz ist.

Kann Gut­ten­berg Kanz­ler? Ai­g­ner Die­se Fra­ge fin­det sich zwar ge­ra­de in je­der Zei­tung – aber sie stellt sich nicht. Die gan­ze Re­pu­blik dis­ku­tiert das. Ai­g­ner Karl-Theo­dor zu Gut­ten­berg hat recht, wenn er meint, die­se Me­di­en­de­bat­te sei „bi­zarr“. Bleibt See­ho­fer auch 2011 Par­tei­chef? Ai­g­ner Ich muss nicht zu je­der Fra­ge, die sich nicht stellt, ei­ne Ant­wort ge­ben. Gibt es Le­bens­mit­tel, von de­nen Sie die Fin­ger las­sen, seit­dem Sie als Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin mehr Ein­blick in die Ma­te­rie ha­ben? Ai­g­ner Deutsch­land liegt bei Qua­li­tät und Si­cher­heit sei­ner Le­bens­mit­tel an der Welt­spit­ze. Noch nie war das An­ge­bot an gu­ten Pro­duk­ten so viel­fäl­tig wie heu­te. Auch das ist ein Grund, wes­halb man als Kun­de oft ge­nau­er hin­schaut. Sie wol­len schär­fe­re Re­ge­lun­gen zur Kenn­zeich­nung bei Le­bens­mit­teln durch­set­zen. Die FDP ist da­ge­gen. Ai­g­ner Die Ko­ali­ti­on ist sich ei­nig, dass wir die Trans­pa­renz bei der Kenn­zeich­nung und die In­for­ma­ti­on der Ver­brau­cher ver­bes­sern wol­len. Ei­ne der Maß­nah­men, die ich ein­ge­lei­tet ha­be, ist der Auf­bau ei­nes neu­en In­ter­net-Por­tals durch die Ver­brau­cher­zen­tra­len. Da­mit wol­len wir ei­nen se­riö­sen Dia­log an­sto­ßen über bes­se­re Kenn­zeich­nung von Le­bens­mit­teln. Zu­ge­ge­ben, man­che se­hen noch Er­klä­rungs­be­darf. Vor dem Start der Web­site im Früh­jahr 2011 wer­de ich bei ei­ni­gen Kri­ti­kern, auch bei Tei­len der Wirt­schaft, ger­ne noch Über­zeu­gungs­ar­beit leis­ten. Das klingt nicht zu­ver­sicht­lich. Ai­g­ner Ich wer­de an dem Pro­jekt auf je­den Fall fest­hal­ten, denn ich bin si­cher: Die Initia­ti­ve wird schon nach kur­zer Zeit Er­fol­ge zei­gen. Soll­te man oh­ne Le­se­bril­le ein­kau­fen kön­nen? Ai­g­ner Es wird künf­tig eu­ro­pa­weit ei­ne neue Min­dest­schrift­grö­ße für die Kenn­zeich­nung von Le­bens­mit­tel-Ver­pa­ckun­gen ge­ben. Die EU-Mit­glied­staa­ten sind sich ei­nig, als Schrift­grö­ße min­des­tens 1,2 Mil­li­me­ter, be­zo­gen auf das klei­ne „x“, vor­zu­se­hen. Un­term Strich ist das ei­ne deut­li­che Ver­bes­se­rung. Müs­sen Sie als Ver­brau­cher­schutz­mi­nis­te­rin dem Er­fin­dungs­reich­tum der In­dus­trie hin­ter­her­re­gu­lie­ren? Ai­g­ner Nichts ge­gen Er­fin­der­geist, da­von lebt die Wirt­schaft. Aber manch­mal wird die Gren­ze des gu­ten Ge­schmacks über­schrit­ten. Le­bens­mit­tel­her­stel­ler dür­fen nicht der Ver­su­chung er­lie­gen, tech­no­lo­gi­sche Neue­run­gen zur Ir­re­füh­rung der Kun­den zu nut­zen, wie et­wa beim En­zym-Ein­satz zur Pro­duk­ti­on von Kle­be­schin­ken, der dann als ge­wach­se­nes Stück aus­ge­lobt wird. Hier steht der Ruf ei­nes gan­zen Wirt­schafts­zwei­ges auf dem Spiel. Ehr­li­che Un­ter­neh­men, die sich an Recht und Ge­setz hal­ten, wer­den be­nach­tei­ligt, wenn Wett­be­wer­ber ver­su­chen, sich mit Tricks und Täu­schung Vor­tei­le zu ver­schaf­fen.

Eva Quadbeck führ­te das In­ter­view.

FO­TO: IMA­GO

Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Il­se Ai­g­ner (CSU).

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