Ar­gen­ti­ni­en trau­ert um Kirch­ner

Rheinische Post Goch - - Politik - VON TO­BI­AS KÄU­FER

BU­E­NOS AI­RES In tie­fer Trau­er, die Au­gen hin­ter ei­ner Son­nen­bril­le ver­steckt, nahm Ar­gen­ti­ni­ens Staats­prä­si­den­tin Cris­ti­na Kirch­ner von ih­rem am Tag zu­vor an den Fol­gen ei­nes Herz­in­fark­tes ver­stor­be­nen Ehe­mann Nes­tor Ab­schied. Die Kin­der Máxi­mo und Flo­ren­cia be­glei­te­ten schwei­gend die Mut­ter auf ih­rem bis­lang wohl schwers­ten Weg zur To­ten­wa­che im so­ge­nann­ten „Sa­lon der Pa­trio­ten“. Dort im Re­gie­rungs­pa­last in der ar­gen­ti­ni­schen Haupt­stadt Bu­e­nos Ai­res ist der Sarg Kirch­ners auf­ge­bahrt. Ar­gen­ti­ni­ens ge­sell­schaft­li­che und po­li­ti­sche Pro­mi­nenz ist ge­kom­men, um sich noch ein­mal vor dem ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten zu ver­nei­gen.

Mit den Kirch­ners lei­det ganz Ar­gen­ti­ni­en. Der über­ra­schen­de Tod treibt die Spe­ku­la­tio­nen über die po­li­ti­sche Zu­kunft im Lan­de an. Nes­tor Kirch­ner galt als der ei­gent­li­che Mo­tor der „K-Ära“, wie sie in Ar­gen­ti­ni­en die bei­den Amts­zei­ten des Ehe­paa­res nen­nen. Ge­mein­sam hat­ten bei­de zu­letzt die Spiel­re­geln der ar­gen­ti­ni­schen Po­li­tik be­stimmt. Nes­tor hat­te 2003 die Wah­len in Ar­gen­ti­ni­en mit dem Ver­spre­chen ge­won­nen, das Land nach der ver­hee­ren­den Fi­nanz­kri­se sta­bi­ler und ge­rech­ter zu ma­chen. Dann zog er sich ver­meint­lich ins zwei­te Glied zu­rück und über­ließ sei­ner eben­so links­ge­rich­te­ten Frau die Büh­ne. Cris­ti­na in­sze­niert sich ger­ne als le­gi­ti­me Nach­fol­ge­rin der ar­gen­ti­ni­schen Po­li­tik-Le­gen­de Evi­ta Perón. So et­was kommt an in Ar­gen­ti­ni­en.

Ihr Mann zog der­weil als Vor­sit­zen­der der re­gie­ren­den Pe­ro­nis­ti­schen Par­tei die Fä­den im Hin­ter­grund. In­si­der rech­ne­ten aber da­mit, dass sich Nes­tor beim an­ste­hen­den Ur­nen­gang im kom­men­den Jahr wie­der zur Wahl stel­len wür­de. Nun aber spe­ku­lie­ren die ar­gen­ti­ni­schen Me­di­en be­reits, ob Cris­ti­na noch die Kraft und den Wil­len be­sitzt, als Ein­zel­kämp­fe­rin in den an­stren­gen­den Wahl­kampf zu zie­hen. „Jetzt ist der Mo­ment von Cris­ti­na ge­kom­men, um es al­len zu be­wei­sen“, spe­ku­liert das Nach­rich­ten­ma­ga­zin „Se­ma­na“ über ei­ne Fort­set­zung ih­rer Lauf­bahn über das En­de ih­rer Amts­zeit 2011 hin­aus.

Un­ter­des­sen ist das Land in tie­fer Trau­er: Die Spie­le der ar­gen­ti­ni­schen Fuß­ball-Li­ga wur­den ab­ge­sagt. Tau­sen­de Men­schen reih­ten sich in die ki­lo­me­ter­lan­ge Schlan­ge ein, um von Kirch­ner in der „Ca­sa Ro­s­a­da“ Ab­schied zu neh­men. Ver­ges­sen sind die Vor­wür­fe der Vet­tern­wirt­schaft und die Fra­gen nach der selt­sa­men Geld­ver­meh­rung im Hau­se Kirch­ner in den ver­gan­ge­nen Jah­ren. Ihr Reich­tum hat­te sich Jahr um Jahr sprung­haft ver­mehrt, seit das Ehe­paar in Bu­e­nos Ai­res die Macht über­nom­men hat. All das kön­ne nun in den Hin­ter­grund ge­ra­ten. Der lei­den­den Prä­si­den­tin wer­den nun die Sym­pa­thi­en ih­rer Lands­leu­te zu­flie­gen. In Ar­gen­ti­ni­en ist die po­li­ti­sche Zu­kunft völ­lig of­fen. In­ter­net Fo­tos der Trau­er aus Ar­gen­ti­ni­en un­ter www.rp-on­line.de/po­li­tik

FO­TO: REUTERS

Das Ehe­paar Cris­ti­na und Nes­tor Kirch­ner 2003 kurz nach sei­ner Wahl zum ar­gen­ti­ni­schen Prä­si­den­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.