Män­ner häu­fi­ger de­pres­siv

Rheinische Post Goch - - Gesellschaft - VON CHRISTIN NÜNEMANN

BERLIN Män­ner le­ben un­ge­sund. Sie sind im Be­ruf stark ein­ge­spannt, er­näh­ren sich zu fettig oder ein­sei­tig, rau­chen, trin­ken zu viel Al­ko­hol und fin­den Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen eher über­flüs­sig. Es gilt als männ­lich, nicht auf sei­ne Ge­sund­heit zu ach­ten. Ge­nau das macht Män­ner krank. Das er­gab der „Ers­te Deut­sche Män­ner­ge­sund­heits­be­richt“, der von der Stif­tung Män­ner­ge­sund­heit und der Deut­schen Ge­sell­schaft für Mann und Ge­sund­heit so­wie der Deut­schen Kran­ken­ver­si­che­rung er­ar­bei­tet und ges­tern vor­ge­stellt wur­de.

Das Fa­zit: Das Kli­schee vom „star­ken Ge­schlecht“ führt da­zu, dass Män­ner ih­re Ge­sund­heit ver­nach­läs­si­gen. Da­bei ster­ben Män­ner häu­fi­ger an ei­nem aku­ten Herz­in­farkt als Frau­en, be­ge­hen drei­mal so oft Sui­zid und lei­den im­mer häu­fi­ger an psy­chi­schen Stö­run­gen, et­wa De­pres­sio­nen. Die­se blei­ben bei Män­nern oft­mals un­er­kannt und un­be­han­delt, weil sie sich nicht me­di­zi­nisch hel­fen las­sen – aus Angst, aus­ge­lacht zu wer­den. Schließ­lich hö­ren sie stän­dig Sät­ze wie: „Stell Dich nicht so an“, oder „Das kann doch nicht so schlimm sein.“ Un­be­han­del­te De­pres­sio­nen kön­nen je­doch zu Al­ko­hol­ab­hän­gig­keit, Kri­mi­na­li­tät, vor­zei­ti­ger Sterb­lich­keit und im schlimms­ten Fall, wie es ges­tern hieß, so­gar zur Selbst­tö­tung füh­ren.

„Män­ner sind häu­fig dar­auf aus­ge­rich­tet zu funk­tio­nie­ren“, sagt Matthias Stieh­ler, Mit­her­aus­ge­ber des Män­ner­ge­sund­heits­be­richts. „Sie sol­len vor al­lem stark sein und we­nig Pro­ble­me ma­chen.“ Die­ser Mei­nung un­ter­lä­gen sie auch häu­fig selbst, wenn sie psy­chi­sche Pro­ble­me als Schwä­che und Ver­sa­gen an­sä­hen. Da­mit sie sich mehr um ih­re Ge­sund­heit küm­mern, müs­se sich die­se ge­sell­schaft­li­che Sicht auf Män­ner än­dern. Stieh­ler ap­pel­liert: „Män­ner, nehmt eu­re Kri­sen ernst! Egal ob sie psy­chi­scher oder kör­per­li­cher Na­tur sind.“ Denn wer ge­sund lebt, wird äl­ter. Ein Jun­ge, der zwi­schen 2006 und 2008 ge­bo­ren wur­de, hat laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt ei­ne durch­schnitt­li­che Le­bens­er­war­tung von 77 Jah­ren, ein Mäd­chen von 82,5 Jah­ren. Da­bei lässt sich nur ein Jahr des Un­ter­schieds auf bio­lo­gi­sche Fak­to­ren zu­rück­füh­ren. Die üb­ri­gen vier Jah­re sind durch so­zia­le und kul­tu­rel­le Fak­to­ren be­stimmt.

Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Kris­ti­na Schröder (CDU) sag­te bei der Vor­stel­lung des Be­richts, für Mäd­chen und Frau­en sei be­reits viel ge­tan wor­den. Nun müss­ten die Rah­men­be­din­gun­gen da­für ge­schaf­fen wer­den, dass Män­ner ge­sün­der le­ben kön­nen. Der ers­te Frau­en­gesund­heits­be­richt er­schien be­reits im Jahr 2001.

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