Tsu­na­mi-Warn­sys­tem in In­do­ne­si­on ver­sag­te

Rheinische Post Goch - - Gesellschaft -

MENTAWI (RP) Bis zu­letzt hat­te Ma­ri­jan am Fu­ße des Vul­kans Me­ra­pi aus­ge­harrt, hat­te ge­be­tet, um die Ka­ta­stro­phe zu ver­hin­dern. Doch der 80-Jäh­ri­ge, vom Sul­tan der Stadt Yo­gya­kar­ta vor lan­ger Zeit zum Wäch­ter des Vul­kans Me­ra­pi er­nannt, be­zahl­te sei­nen Ei­fer mit dem Le­ben – für die Men­schen der in­do­ne­si­schen In­sel­ket­te Mentawi ist sein Tod ein schlech­tes Omen. Ges­tern ex­plo­dier­te der Me­ra­pi er­neut, spuck­te Asche und Staub in die At­mo­sphä­re. Der zwei­te Aus­bruch in ei­ner Wo­che soll aber au­ßer den bis­he­ri­gen 32 Op­fern kei­ne wei­te­ren ge­for­dert ha­ben. Das Ge­biet um den Vul­kan wur­de eva­ku­iert.

Den­noch steigt in In­do­ne­si­en der­zeit täg­lich die Zahl der To­ten, ei­ne Fol­ge des Tsu­na­mis vom Mon­tag, der zehn Dör­fer weg­spül­te. Min­des­tens 380 Lei­chen wur­den bis ges­tern ge­fun­den. Die Ret­tungs­kräf­te rech­ne­ten an­ge­sichts der ho­hen Zahl an Ver­miss­ten – min­des­tens 340 Men­schen – mit mehr als 500 Op­fern.

Jetzt stell­te sich her­aus, dass das für 100 Mil­lio­nen Eu­ro ein­ge­rich­te- te Tsu­na­mi-Früh­warn­sys­tem nicht funk­tio­niert hat. Die deutsch-in­do­ne­si­sche An­la­ge sei nicht rich­tig ge­war­tet wor­den und des­we­gen vor ei­nem Mo­nat aus­ge­fal­len, hieß es aus Be­hör­den­krei­sen. Das Früh­warn­sys­tem wur­de 2008, knapp vier Jah­re nach der Tsu­na­mi-Ka­ta­stro­phe im In­di­schen Oze­an, in Be­trieb ge­nom­men. Bo­jen, Seis­mo­me­ter und Sen­so­ren an der Ober­flä­che und auf dem Grund des Oze­ans sol­len ei­gent­lich Da­ten in ein La­ge­zen­trum in Ja­kar­ta sen­den, von wo aus bin­nen Mi­nu­ten Alarm ge­ge­ben wer­den kann. Dies sei je­doch nicht er­folgt. Man­che Dör­fer sei­en zu­dem oh­ne Strom­ver­sor­gung, könn­ten gar nicht in­for­miert wer­den. Un­ter Um­stän­den sei­en die Bo­jen auch mut­wil­lig zer­stört wor­den, hieß es.

Nach ers­ten Hilfs­lie­fe­run­gen per Hub­schrau­ber tref­fen nun nach und nach Schif­fe mit Ret­tungs­kräf­ten, Ärz­ten und Not­hil­fen auf den In­seln ein. Un­ter­des­sen wur­den ei­ni­ge der Op­fer des Me­ra­pi be­stat­tet, un­ter ih­nen der mit Asche be­deck­te Kör­per des Wäch­ters, der bis zu­letzt um Gna­de ge­be­tet hat­te.

Ret­tungs­kräf­te be­fürch­ten mehr

als 500 Op­fer

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