Das Spiel der Märk­te

Rheinische Post Goch - - Extra -

Die Kon­junk­tur er­holt sich kräf­tig, die Fol­gen der welt­wei­ten Staats­ver­schul­dung blei­ben in­des un­über­schau­bar – An­le­ger er­le­ben span­nen­de, aber auch un­ge­wis­se Zei­ten. Nie­mand weiß, wel­che Rich­tung die Wirt­schaft ein­schlägt. „Die Roh­stoff­märk­te spie­len das The­ma In­fla­ti­on, die Ren­ten­märk­te er­war­ten der­zeit eher de­fla­tio­nä­re Ten­den­zen“, be­ob­ach­tet der An­la­ge­ex­per­te Tho­mas Hü­ni­cke. Er macht dies an den Zah­len fest: Die Roh­stoff­prei­se stei­gen, wäh­rend An­lei­hen nach wie vor auf ho­hen Kur­sen no­tie­ren. Doch die Ent­schei­dung naht: „Der Tag wird kom­men, wenn der Bond­markt dreht und die Kur­se von Bun­des­an­lei­hen zu­rück­ge­hen“, sagt der Ver­mö­gens­ver­wal­ter. Nach gän­gi­gen Markt­re­geln pro­fi­tie­ren In­ves­to­ren in de­fla­tio­nä­ren Pha­sen von An­la­gen in Geld, denn die ge­win­nen dann re­la­tiv an Wert. Da­ge­gen flüch­ten An­le­ger in Sach­wer­te, wenn sie stei­gen­de Prei­se er­war­ten.

Die Ak­ti­en­märk­te ha­ben nach mo­na­te­lan­ger Seit­wärts­be­we­gung im Herbst ih­ren Trend­ka­nal nach oben ver­las­sen. Hü­ni­cke sieht noch Po­ten­zi­al bis Jah­res­en­de, wahr­schein­lich auch bis ins Früh­jahr hin­ein. „Dann muss man schau­en, wie es wei­ter­geht.“ Soll­ten die Er­geb­nis­se im ers­ten Quar­tal durch­weg gut aus­fal­len und die Märk­te po­si­tiv über­ra­schen, könn­te sich der Auf­wärts­trend fort­set­zen, ver­mu­tet der Fi­nanz­ex­per­te. Ent­täu­schen die Un­ter­neh­men hin­ge­gen die Hoff­nun­gen, dürf­ten An­schluss­käu­fe aus­blei­ben, und Stop-loss-Or­ders wür­den Ver­käu­fe aus­lö­sen. Der Kurs­auf­schwung kön­ne dann ein ra­sches En­de fin­den. Mit „Stör­feu­ern“ könn­te – so Hü­ni­cke – auch das The­ma Staats­ver­schul­dung die Bör- sen in neue Tur­bu­len­zen stür­zen und Ängs­te aus­lö­sen. „Ei­nen Rück­fall in die Re­zes­si­on – den so ge­nann­ten Dou­ble dip – er­war­ten wir aber nicht.“

Hü­ni­cke, Grün­der und Ge­schäfts­füh­rer der gleich­na­mi­gen Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft, hat die Ver­tei­lung der An­la­ge­gel­der auf die­ses Ge­samt­um­feld ein­ge­stellt, er be­rück­sich­tigt zu­sam­men mit sei­nem Team aber auch spe­zi­el­le Chan­cen, zum Bei­spiel im Ener­gie­sek­tor: „Wir ge­hen da­von aus, dass die­se Ak­ti­en zu stark zu­rück­ge­blie­ben sind.“ Die Dis­kus­si­on um die Kern­kraft hät­te die Ti­tel der Ener­gie­ver­sor­ger stär­ker be­las­tet, als es vom Markt her ge­recht­fer­tigt war, „die Pa­pie­re ha­ben da­her Nach­hol­be­darf“.

Über­nah­me­kan­di­da­ten

Die Bran­che hält Hü­ni­cke aus wei­te­ren Grün­den für in­ter­es­sant, zum Bei­spiel we­gen gu­ter Di­vi­den­den­ren­di­ten. Oh­ne Be­rück­sich­ti­gung ei­ner even­tu­el­len Di­vi­den­den­er­hö­hung bie­tet RWE der­zeit ei­ne Ren­di­te von et­wa sie­ben Pro­zent. Au­ßer­dem pro­fi­tie­ren ei­ni­ge Un­ter­neh­men von ei­nem an­de­ren The­ma, das nicht nur den Ener­gie­sek­tor in Atem hält: Über­nah­me­fan­ta­sie. Spe­zi­ell im Seg­ment der Er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en fin­det der An­la­ge­s­pe­zia­list ei­ni­ge Un­ter­neh­men, die als po­ten­zi­el­le Über­nah­me­kan­di­da­ten in­ter­es­sant sind, zum Bei­spiel die Wind­an­la­gen­bau­er Nor­dex und Re­power.

„Ei­ni­ge gro­ße Un­ter­neh­men ver­fü­gen der­zeit über im­men­se Bar­mit­tel; die nied­ri­gen Zin­sen näh­ren zu­sätz­lich den Über­nah­me­ap­pe­tit“, weiß Hü­ni­cke. Meist stei­gen die Ak­ti­en der Über­nah­me­kan­di­da­ten. Sol­che Chan­cen lässt sich die Hü­ni­cke Ver­mö­gens­ver­wal­tung nicht ent­ge­hen. Sie setzt dar­über hin­aus auf se­lek­ti­ve Er­folgs­ge­schich­ten, et­wa den Au­to­boom in Asi­en. Da­von pro­fi­tier­te Volks­wa­gen – Hü­ni­cke kauf­te die Ti­tel im Som­mer zu 70 Eu­ro. En­de Ok­to­ber no­tier­ten sie bei 100 Eu­ro. Eben­falls ein The­ma: aus­ge­such­te Län­der in Asi­en. Das Team um Tho­mas Hü­ni­cke sieht zu­neh­men­de Ri­si­ken in Chi­na und In­di­en, Ma­lay­sia hält es hin­ge­gen noch für aus­sichts­reich.

Bei An­lei­hen le­gen die An­la­ge­ex­per­ten den Schwerpunkt auf Bonds von Sub­st­anz­un­ter­neh­men, de­ren Ver­schul­dung nicht zu hoch ist und bei de­nen die Zins­zah­lun­gen lang­fris­tig ge­si­chert sind. Staats­an­lei­hen mei­den sie mo­men­tan. „Au­ßer­dem neh­men wir bis auf we­ni­ge Aus­nah­men nur Neu­emis­sio­nen in die De­pots“, sagt Hü­ni­cke. Aus Grün­den der Ri­si­ko­streu­ung set­zen die In­vest­ment-Spe­zia­lis­ten bei Fest­ver­zins­li­chen auch auf Wäh­run­gen wie die nor­we­gi­sche Kro­ne oder den aus­tra­li­schen Dol­lar, bei­des Län­der, die durch ih­ren Roh­stoff­reich­tum ge­stärkt wer­den. Trotz sei­ner der­zei­ti­gen Stär­ke kön­ne der Eu­ro­raum die­ses Merk­mal lei­der nicht auf­wei­sen, so Hü­ni­cke. JÜR­GEN GRO­SCHE

FO­TO: ALOIS MÜL­LER

Tho­mas Hü­ni­cke.

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