Das En­de ei­ner Mons­ter­kri­se

Ge­schlos­se­ne Fonds wer­den für Ver­mö­gens­ver­wal­ter in der Zu­kunft ei­ne grö­ße­re Rol­le spie­len. Der Be­tei­li­gungs­markt hat sei­ne bis­lang größ­te Kri­se gut über­stan­den.

Rheinische Post Goch - - Extra -

Jan Bä­um­ler bringt es auf den Punkt: „Das war ei­ne Mons­ter­kri­se für die Ge­schlos­se­nen Fonds – aber sie hat zu kei­nen ernst­haf­ten Ka­pi­tal­ver­lus­ten ge­führt.“ Der Vor­stand des Ver­triebs­spe­zia­lis­ten IC Con­sul­ting AG war mit sei­ner Mei­nung nicht al­lei­ne. Die Ex­per­ten­run­de, die sich zum Ge­spräch un­se­rer Zei­tung beim Pri­vat­bank­haus Hauck & Auf­häu­ser in Ham­burg traf, war sich ei­nig: Ge­schlos­se­ne Fonds wer­den als

„Schon jetzt fließt wie­der viel Ka­pi­tal

in Im­mo­bi­li­en“

An­la­ge­klas­se wei­ter ei­ne Rol­le spie­len. „Auch Ver­mö­gens­ver­wal­ter dürf­ten da­bei ei­ne grö­ße­re Be­deu­tung ha­ben. Auf­grund ih­rer gro­ßen Ex­per­ti­se sind sie be­son­ders be­fä­higt, die An­la­gen die­ser Fonds ver­stärkt mit zu ge­stal­ten“, ist Su­san­ne Ber­ger, Ver­mö­gens­ver­wal­ter-Ex­per­tin bei Hauck & Auf­häu­ser, über­zeugt.

Mark-Uwe Fal­ken­hain, Ge­schäfts­füh­rer der Ham­bur­ger Ver­mö­gens­ver­wal­tung Ge­ne­on Ver­mö­gens­ma­nage­ment, zählt zu den Port­fo­lio-Ma­na­gern, die ge­zielt Be­tei­li­gun­gen ein­set­zen: „Ge­schlos­se­ne Fonds sind für uns ein wich­ti­ger Be­reich – mit­un­ter schüt­zen sie den An­le­ger vor pa­ni­schen Re­ak­tio­nen, weil Be­tei­li­gun­gen nicht bör­sen­täg­lich ver­folgt wer­den, son­dern lang­fris­ti­ge In­vest­ments dar­stel­len.“

Auch Martina Hert­wig (TPW Todt & Part­ner KG Wirt­schafts­prü­fungs­ge­sell­schaft) ist über­zeugt: „Es wird zwar noch dau­ern, bis das Ver­trau­en zu­rück­ge­kehrt ist, aber schon jetzt fließt wie­der viel Ka­pi­tal in Im­mo­bi­li­en und Er­neu­er­ba­re Ener­gi­en.“

Schlech­te Nach­rich­ten gab es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ins­be­son­de­re aus dem Schiffs­be­reich, bei ei­ni­gen Fonds muss­ten die Ge­sell­schaf­ter nach­schie­ßen, um ih­re In­ves­ti­tio­nen zu ret­ten. Aber auch hier dreht sich die Stim­mung, be­rich­tet Jan Bä­um­ler: „Es gibt Kun­den, die jetzt an­ti­zy­klisch han­deln und wie­der in Schif­fe in­ves­tie­ren, so­gar mit über­pro­por­tio­nal ho­hen Be­tei­li­gun­gen.“ Der IC-Con­sul­tin­gVor­stand ver­weist nicht nur auf die er­folg­rei­chen Re­struk­tu­rie­run­gen der ver­gan­ge­nen Mo­na­te, son­dern vor al­lem auf die Kri­sen­fes­tig­keit vie­ler Schiffs­fonds. „Schif­fe zäh­len zu den we­ni­gen Ka­pi­tal­an­la­gen, die seit über 40 Jah­ren kon­stant po­si­ti­ve Ren­di­ten ein­fah­ren und auch gro­ße Kri- sen durch­schif­fen. Das Ver­trau­en wird da­her schnell wie­der zu­rück­keh­ren. Au­ßer­dem: Von rund 2000 Schiffs­fonds muss­ten nur knapp zehn Pro­zent in ei­ne Re­struk­tu­rie­rung“, ar­gu­men­tiert er.

Martina Hert­wig pflich­tet bei: „Bei lang­fris­ti­gen As­sets weiß der An­le­ger oh­ne­hin erst am En­de, wie sich die An­la­ge ren­tiert hat. Schif­fe lie­gen mit ei­ner lang­fris­ti­gen durch­schnitt­li­chen Ren­di­te von 7,6 Pro­zent gut im Ren­nen.“ Vor ei­ner schwie­ri­gen Si­tua­ti­on ste­hen die Emis­si­ons­häu­ser bei der Fi­nan­zie­rung: „Ei­gen­ka­pi­tal-Fi­nan­zie­run­gen wer­den schwie­ri­ger, da wird die Bran­che nach an­de­ren Lö­sun­gen su­chen müs­sen.“

Auch Su­san­ne Ber­ger ver­weist auf Fi­nan­zie­rungs­hür­den: „Die Ban­ken schau­en sehr ge­nau auf die­ses The­ma. Die Pro­duk­te müs­sen sich maß­geb­lich än­dern, ins­be­son­de­re bei ih­rer Pro­vi­si­ons­struk­tur und der Trans­pa­renz der Be­wer­tung, da­mit sie auch von Ver­mö­gens­ver­wal­tern ver­mehrt ein­ge­setzt wer­den.“ Vor­stel­len kann sich die Ex­per­tin in­no­va­ti­ve Pro­duk­te, die li­qui­de und il­li­qui­de As­sets in ei­nem Pro­dukt zu­sam­men­fas­sen. „Ein schlüs­si­ges kauf­män­ni­sches Kon­zept wird auch in Zu­kunft ent­schei­dend sein“, er­gänzt Fal­ken­hain. „Für die Kos­ten wird es wich­tig sein, über an­de­re We­ge nach­zu­den­ken. Initia­to­ren könn-

„Schiffs­fonds sind von An­fang bis En­de völ­lig trans­pa­rent“

ten et­wa die Kos­ten für den An­le­ger ge­rin­ger hal­ten, in­dem sie nied­ri­ge­re Pro­vi­sio­nen neh­men und Pro­vi­sio­nen fort­lau­fend aus­zah­len.“

Das sieht Ver­triebs­ex­per­te Jan Bä­um­ler an­ders. „Im Kos­ten­ver­gleich über die ge­sam­te Lauf­zeit mit an­de­ren An­la­ge­pro­duk­ten zäh­len Ge­schlos­se­ne Fonds zu den güns­tigs­ten An­ge­bo­ten im Markt. Schiffs­fonds wer­den et­wa im Schnitt acht Jah­re ge­hal­ten, und die­se Pro­duk­te sind von An­fang bis En­de völ­lig trans­pa­rent.“ Bei Ge­schlos­se­nen Fonds ist es üb­lich, dass An­le­ger mit dem Er­werb ih­rer An­tei­le ei­ne Pro­vi­si­on zah­len, da­für fällt (an­ders als bei In­vest­ment­fonds) wäh­rend der Lauf­zeit kei­ne zu­sätz­li­che Pro­vi­si­on an. „Die Pro­vi­sio­nen sind sehr un­ter­schied­lich, je nach­dem wer die Pro­duk­te ver­treibt: Sie schwan­ken zwi­schen zwei und 25 Pro­zent“, so Bä­um­ler. „Aber bei Be­tei­li­gun­gen ist die­ser Preis nicht das Ent­schei­den­de, den Er­folg der An­la­ge macht al­lein die Qua­li­tät aus.“

Martina Hert­wig weist dar­auf hin, dass Ein­mal­pro­vi­sio­nen den Ver­kaufs­druck er­hö­hen. Sie kann sich eben­so wie Su­san­ne Ber­ger lau­fen­de Pro­vi­sio­nen als Al­ter­na­ti­ve zur Ein­mal­pro­vi­si­on vor­stel­len. Von der Re­gu­lie­rung des Mark­tes er­war­ten die Ex­per­ten po­si­ti­ve Si­gna­le. Die Qua­li­tät der Be­ra­tung wer­de da­durch in den Vor­der­grund ge­rückt. Bä­um­ler er­war­tet, dass die Zu­las­sungs­kri­te­ri­en für Be­ra­ter mit hö­he­ren Hür­den ver­se­hen wer­den. Ei­ne Chan­ce auch für Ver­mö­gens­ver­wal­ter, so Su­san­ne Ber­ger: „Ih­re Rol­le bei der Plat­zie­rung wird wach­sen.“ JO­SÉ MACIAS

Die hoch­ka­rä­ti­ge Ex­per­ten­run­de dis­ku­tier­te in Ham­burg (von links): Jan Bä­um­ler, Su­san­ne

Ber­ger, Martina Hert­wig und Mark-Uwe Fal­ken­hain.

FO­TOS (4): MA­THI­AS THURM

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