Rot-Grün-Schwarz im Land­tag

Un­ge­wöhn­li­ches Zu­sam­men­wir­ken von Lan­des­re­gie­rung und CDU-Op­po­si­ti­on: In ei­nem ge­mein­sa­men An­trag wird den Kom­mu­nen ei­ne Mil­lio­nen­hil­fe des Lan­des zu­ge­sagt. Wo­her das Geld kom­men soll, bleibt un­klar.

Rheinische Post Goch - - Politik - VON DET­LEV HÜWEL

DÜSSELDORF Zum ers­ten Mal seit dem Re­gie­rungs­wech­sel in NRW hat die CDU zu­sam­men mit der rot-grü­nen Min­der­heits­re­gie­rung ei­nen ge­mein­sa­men An­trag ver­ab­schie­det. Dar­in geht es um die Stär­kung der Kom­mu­nal­fi­nan­zen. SPD-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft und ih­rer Stell­ver­tre­te­rin Syl­via Löhr­mann (Grü­ne) war zwar ei­ne ge­wis­se Ge­nug­tu­ung über die un­ge­wöhn­li­che Un­ter­stüt­zung durch die größ­te Op­po­si­ti­ons­par­tei an­zu­mer­ken, doch bei­de Po­li­ti­ke­rin­nen hiel­ten sich da­zu mit Äu­ße­run­gen zu­rück. „Wir blei­ben auf dem Tep­pich“, sag­te Schul­mi­nis­te­rin Löhr­mann le­dig­lich. Kraft hat­te nach ih­rer Wahl zur Re­gie­rungs­che­fin Rot-Grün als „Ko­ali­ti­on der Ein­la­dung“ be­zeich­net und die Op­po­si­ti­ons­par­tei­en zur Mit­ar­beit er­mun­tert.

In dem ges­tern ver­ab­schie­de­ten An­trag wird der Bund auf­ge­for­dert, 50 Pro­zent der auf die Kom­mu­nen ent­fal­len­den So­zi­al­kos­ten zu über­neh­men. Dies be­trifft vor al­lem die Aus­ga­ben für Un­ter­kunft und Hei­zung von Hartz-IV-Be­zie­hern so­wie die Kos­ten für die Grund­si­che­rung im Al­ter. Bun­des­weit be­lau­fen sich die­se So­zi­al­las­ten der Kom­mu­nen auf mehr als 40 Mil­li­ar­den Eu­ro. Über­näh­me der Bund den hal­ben An­teil, könn­ten die Kom­mu­nen in NRW jähr­lich um fünf Mil­li­ar­den Eu­ro ent­las­tet wer­den.

SPD, Grü­ne und CDU sa­gen den not­lei­den­den Städ­ten und Krei­sen in NRW au­ßer­dem ei­ne jähr­li­che zu­sätz­li­che Hil­fe des Lan­des von bis zu 400 Mil­lio­nen Eu­ro zu. Wo­her das Geld stam­men soll, bleibt al­ler­dings of­fen. CDU-Frak­ti­ons­chef Karl-Jo­sef Lau­mann be­ton­te, dass die­se Mit­tel kei­nes­falls durch neue Schul­den auf­ge­bracht wer­den dürf­ten. Nach An­sicht der FDP, die dem An­trag nicht zu­stimm­te, hät­te ein sol­ches Ver­bot zur wei­te­ren Neu­ver­schul­dung in dem An­trag for­mu­liert wer­den müs­sen. Die Hilfs­zu­sa­gen dürf­ten „nicht zur Luft­bu­chung wer­den“, mahn­te FDP-Frak­ti­ons­chef Gerhard Pap­ke. Vom „Pfad der haus­halts­po­li­ti­schen Se­rio­si­tät“ dür­fe nicht ab­ge­wi­chen wer­den.

In CDU-Krei­sen hieß es, die Zu­sam­men­ar­beit mit Rot-Grün sei in die­sem Fal­le un­aus­weich­lich ge­we­sen, weil an­dern­falls der Ein­druck ent­stan­den wä­re, als lie­ße die Uni­on das Schick­sal der not­lei­den­den Kom­mu­nen kalt. Von der Zu­schau­er­tri­bü­ne aus ver­folg­ten zahl­rei­che Haupt­ver­wal­tungs­be­am­te – dar­un­ter die Ober­bür­ger­meis­ter Nor­bert Bu­de (Mön­chen­glad­bach), Nor­bert Feith (So­lin­gen), Pe­ter Jung (Wup­per­tal) und Adolf Sau­er­land (Duis­burg) – die mehr­stün­di­ge Land­tags­de­bat­te. Völ­li­ge Ei­nig­keit herrsch­te in der Ein­schät­zung, dass die Kom­mu­nen drin­gend auf die Hil­fe des Bun­des an­ge­wie­sen sei­en. Dies sei auch die zen­tra­le Bot­schaft, die von Düsseldorf nach Berlin ge­lan­gen sol­le, sag­te Han­ne­lo­re Kraft: „Der Bund muss sei­ner Ver­ant­wor­tung ge­gen­über den Kom­mu­nen ge­recht wer­den.“ Über­le­gun­gen, die Ge­wer­be­steu­er durch ei­ne kri­sen­fes­te­re kom­mu­na­le Ein­nah­me­quel­le ab­zu­lö­sen, er­teil­te sie ei­ne ein­deu­ti­ge Ab­sa­ge: „Das ist mit uns nicht zu ma­chen.“

Die Link­s­par­tei leg­te ei­nen ei­ge­nen An­trag vor, in dem die Wei­ter­ent­wick­lung der Ge­wer­be­steu­er zur „Ge­mein­de­wirt­schafts­steu­er“ und ei­ne Mil­lio­närs­steu­er ge­for­dert wer­den. Das von Re­gie­rung und Uni­on ver­ab­schie­de­te Hilfs­pro­gramm sei „nicht mehr als ein Trop­fen auf den hei­ßen St­ein“, sag­te der Frak­ti­ons­chef der Lin­ken, Wolf­gang Zim­mer­mann. NRW-In­nen­mi­nis­ter Ralf Jä­ger (SPD) sah das völ­lig an­ders. Er sprach von ei­nem „gu­ten Tag für die Kom­mu­nen“. Mit Si­cher­heit war es ei­ner für Rot-Grün.

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