Grass – von Grimm zu Sau­er­land

Rheinische Post Goch - - Kultur - VON PE­TER KLUCKEN

DUIS­BURG In ei­ner Ne­ben­be­mer­kung hat Gün­ter Grass den Ober­bür­ger­meis­ter Duis­burgs, Adolf Sau­er­land, da­für kri­ti­siert, dass er nach der Lo­ve­pa­ra­de-Ka­ta­stro­phe nicht zu­rück­ge­tre­ten sei.

Bei ei­ner Le­sung aus sei­nem jüngs­ten Buch „Grimms Wör­ter“ in der gut be­such­ten Ge­blä­se­hal­le des Land­schafts­parks Duis­burg hat­te Gerd Her­holz, Lei­ter des Li­te­ra­tur­bü­ros Ruhr, in sei­ner Mo­de­ra­ti­on an­ge­regt, dass ei­ne Duis­bur­ger Stra­ße nach dem Schrift­stel­ler Nicolas Born (19371979) be­nannt wird. Born war ge­bür­ti­ger Duis­bur­ger und ein gu­ter Freund von Grass. Der Vor­schlag wur­de vom Pu­bli­kum mit Ap­plaus be­dacht.

Grass zeig­te sich über den Her­holz-Vor­schlag und die po­si­ti­ve Re­ak­ti­on des Pu­bli­kums sicht­lich er­freut. Er nann­te Born ei­nen „groß­ar­ti­gen Schrift­stel­ler“, emp­fahl die Ro­ma­ne „Die er­d­ab­ge­wand­te Sei­te der Ge­schich­te“ und „Die Fäl­schung“ so­wie Ge­dich­te. Dann füg­te er hin­zu: Ei­ne Duis­bur­ger Wür­di­gung Borns kön­ne von „den jüngs­ten Er­eig­nis­sen der Stadt und ei­nem Bür­ger­meis­ter, der um sei­ne Ren­te bangt, ab­len­ken“.

An­sons­ten be­schränk­te sich der Li­te­ra­tur­no­bel­preis­trä­ger dar­auf, aus sei­nem Buch vor­zu­le­sen und drei län­ge­re Pas­sa­gen mit kur­zen Er­läu­te­run­gen zu ver­bin­den. Grass, am 16. Ok­to­ber 83 Jah­re alt ge­wor­den, war durch ei­ne ge­ra­de über­stan­de­ne schwe­re Er­käl­tung zwar noch ein we­nig ge­zeich­net, konn­te aber den­noch als Re­zi­ta­tor das Pu­bli­kum über­zeu­gen.

Ge­ra­de­zu sprech­ar­tis­tisch schmeck­te er, auf das Grimm’sche Wör­ter­buch be­zug­neh­mend, die al­pha­be­ti­sche Ord­nung durch. Be- son­ders ge­lun­gen war da­bei das ers­te Ka­pi­tel, bei dem es um Wor­te mit dem An­fangs­buch­sta­ben A geht. Die „Wort­brü­cken“, mit de­nen Grass die Grimm­brü­der mit sei­ner ei­ge­nen Per­son ver­bin­det, wirk­ten beim Hö­ren des Tex­tes sta­bi­ler als beim Le­sen. Hei­ter und er­grei­fend war der Schluss der mit viel Ap­plaus be­dach­ten Le­sung, als es ums Al­ter geht, das die Frei­heit be­sche­re zu sa­gen, was man wirk­lich meint.

Gün­ter Grass bei sei­ner Le­sung in der Duis­bur­ger Ge­blä­se­hal­le.

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