Beuys und der Tod

Die Moy­län­der Aus­stel­lung „Jo­seph Beuys Ener­gie­plan“ un­ter­sucht in ein­zel­nen Ka­bi­net­ten vie­le Aspek­te sei­nes Wer­kes vor, die auch die Ka­pi­tel des zur Aus­stel­lung er­schie­ne­nen Ka­ta­lo­ges sind. Die RP stellt in lo­ser Rei­he die The­men vor. Heu­te: „ Le­benssch

Rheinische Post Goch - - Lokale Kultur - VON MAT­TI­AS GRASS

BEDBNURG-HAU-MOY­LAND Hier en­det die Aus­stel­lung, hier fängt sie an: Der Tod und das Le­ben, Be­ginn und En­de sind hier nicht nur the­ma­tisch ver­eint, son­dern auch räum­lich ge­nau rich­tig in den Ablauf der Beuys-Aus­stel­lung von Mu­se­um Schloss Moy­land ein­ge­baut. Es ist der Raum nach dem Ein­gang: Man kann ihn als Ers­tes be­tre­ten und hier den Weg durch die Aus­stel­lung be­gin­nen oder den Gang be­en­den. Die­ser Raum be­schäf­tigt sich al­so mit „Le­bens­schwel­len und To­des­be­wusst­sein“ bei Beuys.

Ein The­ma, das sich wie ein ro­ter Fa­den durch das Werk des nie­der­rhei­ni­schen Künst­lers zieht: „Beuys ver­stand den Tod als ei­nen durch sein ge­sam­tes Schaf­fen und Den­ken hin­durch wir­ken­den Im­puls­ge­ber“, sagt Michael Krö­ger vom Mu­se­um für Mo­der­ne Kunst in Frank­furt, der auch das ent­spre­chen­de Ka­pi­tel im Ka­ta­log zur Aus­stel­lung ge­schrie­ben hat. Als Im­puls­ge­ber ist der Tod von Be­ginn an da­bei, er kommt mit der Ge­burt ins Le­ben. Beuys: „Hier ist es klar, daß das Be­wußt­sein oh­ne den Tod un­mög­lich ist. Das heißt, daß ich nur dann be­wußt bin, wenn ich ge­gen ei­ne Ecke sto­ße, ei­ne har­te Kan­te. Wenn ich mit mei­nem Kopf ge­gen ei­ne har­te Kan­te sto­ße, dann wa­che ich auf. Mit an­de­ren Wor­ten: Der Tod hält mich wach“. Und wich­tig für Beuys: Der Tod ist nicht das En­de.

Auf sei­ne ei­ge­nen To­de­s­er­fah­run­gen, Beuys stürz­te mit sei­nem Sturz­kampf­flug­zeug Jun­kers 87 über der Krim ab und wur­de le­bens­ge­fähr­lich ver­letzt, er­litt im Krieg meh­re­re Ver­wun­dun­gen, geht er al­ler­dings nur ganz sel­ten ein. Ob­wohl ge­ra­de die­se Er­fah­rung und die mit ihr ver­bun­de­ne Ge­schich­te der Ta­ta­ren zen­tral in sei­nem Werk steht. Die Aus­ein­an­der­set­zung von Tod und Au­fers­te- hung, schreibt Krö­ger, lässt sich in ganz frü­hen Zeich­nun­gen, wie ei­ne weich ge­zeich­ne­te Chris­tus­fi­gur aus der Aus­stel­lung, bis hin zu sei­ner letz­ten Groß­in­stal­la­ti­on „Blitz- schlag mit Licht­schein auf Hirsch“ fest­ma­chen. Beuys er­klärt dem to­ten Ha­sen die Bil­der, weil der to­te Ha­se in­tel­li­gen­ter ist, wie er sagt, sei­ne lie­gen­den to­ten Ren­tie­re sind von aus­ge­spro­che­ner Schön­heit.

Ei­ne schö­ne Zeich­nung in die­sem Moy­län­der Raum ist die Be­geg­nung Mann und Frau, die Krö­ger als „der Tod und das Mäd­chen“ in­ter­pre­tiert. Die ist Frau vol­ler Le­ben, mit gol­de­ner Bei­ze aus­ge­malt, der Mann als ät­he­ri­sche Zeich­nung, fast nur Ge­rip­pe. Ei­ne Be­geg­nung, die nichts Be­droh­li­ches hat, sie wirkt lie­be­voll. Krö­ger: „Beuys nahm mit sei­nen frü­hen Ar­bei­ten zeich­nend vor­weg, die Ener­gie des To­des zu ach­ten, um mit­ten im Le­ben un­se­re Ener­gi­en zu stei­gern“. Beuys sah die To­des­be­geg­nung ge­las­sen: „Ich ha­be kei­ne Zeit zu ster­ben“, soll er ge­sagt ha­ben. In­ter­net Fo­tos und die an­de­ren tei­le der rei­he www.rp-on­line.de/kle­ve

RE­PRO: KA­TA­LOG

Mann und Frau heißt die Zeich­nung von Jo­seph Beuys aus dem Jahr 1956. Sie ge­hört zu Ar­bei­ten der gro­ßen BeuysAus­stel­lung „Ener­gie­plan“ in Moy­land.

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