Klopp for­dert Tu­chel her­aus

Rheinische Post Goch - - Sport - VON HART­MUT SCHER­ZER

MAINZ Die Ta­l­ent­schmie­de für Fuß­ball­trai­ner steht in Mainz. Am Bruch­weg. Der Schmied heißt Chris­ti­an Hei­del (47). Nicht die Leh­ren an der Sport­hoch­schu­le in Köln, son­dern schar­fer Sach­ver­stand, ver­we­ge­ne Ide­en, emo­tio­na­les Bauch­ge­fühl und Main­zer Men­ta­li­tät des pfif­fi­gen Ma­na­gers, Sohn ei­nes frü­he­ren Main­zer Bür­ger­meis­ters und seit 1992 als „Null­fün­fer“ im Amt, ha­ben erst Jür­gen Klopp und dann Tho­mas Tu­chel aus dem Nichts zu Kult­fi­gu­ren der Bun­des­li­ga ge­macht.

Mor­gen be­geg­nen sich die bei­den Hei­del-Er­fin­dun­gen im Main­zer Bruch­weg-Sta­di­on. Der FSV Mainz 05 mit Tu­chel trifft als Spit­zen­rei­ter auf den Ta­bel­len­zwei­ten Bo­rus­sia Dort­mund mit Klopp. Und als wä­re die­ser Show­down nicht schon so amü­sant und bri­sant ge­nug, tau­meln die bei­den Top-Teams und ih­re Trai­ner auch noch als K.o.-Ge­schla­ge­ne im Po­kal in die­sen Kampf um den Pri­mus-Platz der Li­ga. Es war am Ro­sen­mon­tag des Jah­res 2001 - und kei­ne Schnaps­idee, wie das Da­tum hät­te ver­mu­ten las­sen kön­nen -, als Hei­del den Ver­tei­di­ger Klopp an­rief und ihn frag­te, ob er als Chef­trai­ner für den ent­las­se­nen Eck­hard Kraut­zun den Ab­stiegs­kampf in der Zwei­ten Li­ga auf­neh­men wür­de. In­ner­halb ei­ner Mi­nu­te sag­te Klopp zu. „Ganz Deutsch­land hat uns für geis­tes­ge­stört ge­hal­ten“, er­in­nert sich Hei­del. Nach au­ßen wur­de die Kraut­zun-Nach­fol­ge nur für ein Spiel ver­kauft. Falls es schief­geht. Aus dem ei­nen Spiel wur­den sie­ben Jah­re. Als Hei­del und Klopp den Zeit­punkt zur Tren­nung für ge­kom­men sa­hen nach dem ver­pass­ten Wie­der­auf­stieg 2008 such­te der jo­via­le Ma­na­ger ge­nau den Kon­trast-Typ vom Gott­schalk­schen Klopp. Der Nor­we­ger Jörn An­der­sen schaff­te zwar die Rück­kehr in die ers­te Klas­se, pass­te aber nicht zur Main­zer Men­ta­li­tät, die Hei­del so de­fi­niert: „Ein Trai­ner, der mit An­zug und Kra­wat­te und oh­ne ei­ne Mie­ne zu ver­zie­hen am Rand steht, passt nicht zu Mainz.“

Hei­del hat­te wie­der ei­nen Geis­tes­blitz, als er we­ni­ge Ta­ge vor dem Li­ga-Start 2009/2010 Auf­stei­ger An­der­sen ent­ließ und A-Ju­gend­trai­ner Tu­chel, ge­ra­de deut­scher Meis­ter ge­wor­den, den Chef­pos­ten an­trug. Der sag­te nicht in­ner­halb ei­ner Mi­nu­te zu wie Klopp, son­dern er­bat sich ei­ne Wo­che Be­denk­zeit. Denn der Schlaks, der „aus­sieht wie der Sport­leh­rer des städ­ti­schen Gym­na­si­ums“ (Der Spie­gel), hat­te Fort­bil­dungs­am­bi­tio­nen und ein An­ge­bot, die U23 in Hof­fen­heim un­ter Ralf Rang­nick zu über­neh­men. Hei­del ver­wei­ger­te die Frei­ga­be.

Er­folgs­ver­glei­che zwi­schen Klopp und Tu­chel lehnt Hei­del ab, „weil Tho­mas jetzt qua­li­ta­tiv die weit­aus bes­se­re Mann­schaft hat als sie ,Klop­po’ je­mals hat­te.“ Tu­chel ist froh, dass er Klopp nur als Geg­ner be­geg­net ist und nicht vor­her als Kol­le­ge in Mainz. „Jür­gen war schon weg, als ich in Mainz an­fing. Das war ein Glück für mich. Denn ich muss­te das Ge­fühl ha­ben, es ging um mich und nicht dar­um, ir­gend­je­man­den nach­zu­ah­men. In die­sen Ver­dacht konn­te ich nie ge­ra­ten, auch wenn im Nach­hin­ein man­che Ähn­lich­kei­ten fest­stel­len.“

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