Ma­ra­do­na – 50 Jah­re am Li­mit

In sei­ner Hei­mat wird das eins­ti­ge Fuß­ball-Ge­nie noch im­mer ver­ehrt. Trotz Skan­da­len, Dro­gen­ex­zes­sen, Fett­sucht und Do­ping-Af­fä­ren. Als Na­tio­nal­trai­ner Ar­gen­ti­ni­ens ist er ge­schei­tert. Heu­te fei­ert er Ge­burts­tag.

Rheinische Post Goch - - Sport -

BU­E­NOS AI­RES/DÜSSELDORF In Nea­pel ha­ben sie zur Fei­er des Ta­ges die Stadt be­son­ders hübsch her­aus­ge­putzt. Rund um die Piaz­za del Ple­bi­sci­to wer­den sie sich ver­sam­meln, um ihm zu hul­di­gen. Auf ei­ner rie­si­gen Lein­wand flim­mern die schöns­ten Sze­nen sei­nes Schaf­fens. Die meis­ten da­von hat er dort er­lebt. Die­go Ar­man­do Ma­ra­do­na hat den an­säs­si­gen Fuß­ball­ver­ein SSC dank sei­nes Wir­kens zu zwei Meis­ter­schaf­ten (1987 und 1990) ge­führt. In die­ser Zeit ist aber nicht al­les so ast­rein ge­lau­fen. Die Steu­er­be­hör­den for­dern stol­ze 37 Mil­lio­nen Eu­ro, die er an­geb­lich am Fis­kus vor­bei ge­drib­belt ha­ben soll. Bei der letz­ten Be­geg­nung der Be­hör­de mit ihm muss­te er ein Paar mit Dia­man­ten be­setz­te Ohr­rin­ge (Wert: 4000 Eu­ro) ab­ge­ben. Ma­ra­do­na hängt sehr an sei­nen Schmuck­stü­cken und noch mehr an sei­ner Frei­heit. Des­halb bleibt er vor­sichts­hal­ber doch lie­ber zu Hau­se in Ar­gen­ti­ni­en.

Sei­ne Ge­nia­li­tät steht über al­lem, was Schat­ten in sein

Le­ben ge­bracht hat

Sei­ne Lands­leu­te ha­ben für ihn kein rau­schen­des Fest or­ga­ni­siert, kei­ne Lein­wän­de auf­ge­stellt, kei­ne Ze­re­mo­nie vor­be­rei­tet. Nicht un­maß­geb­li­chen An­teil dar­an ha­ben ver­mut­lich die jüngs­ten Er­eig­nis­se. Der als Spie­ler zum Volks­hel­den auf­ge­stie­ge­ne Ma­ra­do­na soll­te dank sei­ner Au­ra auch als Trai­ner Gro­ßes leis­ten und die mit Welt­stars ge­spick­te na­tio­na­le Aus­wahl zum Welt­meis­ter­ti­tel füh­ren. Wie da­mals, 1986 in Me­xi­ko, als er als Ka­pi­tän Ar­gen­ti­ni­ens den Welt­po­kal ge­wann. Das Trai­ner-Pro­jekt en­de­te da­ge­gen in ei­nem De­sas­ter. Aus im Vier­tel­fi­na­le des Tur­niers in Süd­afri­ka – 0:4 aus­ge­rech­net ge­gen Deutsch­land. Ei­ne De­mü­ti­gung für die stol­ze Fuß­ball­na­ti­on. Von Ma­ra­do­na bleibt in Er­in­ne­rung, wie er, in fei­nen Zwirn ge­klei­det, put­zig an der Sei­ten­li­nie her­um­wir­bel­te und hin­ter­her ir­gend­je­man­den we­gen ir­gend­et­was be­schimpf­te. Man kann sa­gen: Er hat mit sei­nen Mit­teln das Ma­xi­ma­le her­aus­ge­holt.

In sei­ner Hei­mat Bu­e­nos Ai­res, wo er im Elends­vier­tel Fio­ri­to auf­ge­wach­sen ist, ver­eh­ren sie ihn im­mer noch. Trotz un­zäh­li­ger Skan­da­le, Dro­gen­ex­zes­se, Fett­sucht und Do­ping-Af­fä­ren. Sei­ne Ge­nia­li­tät auf dem Platz steht über al­lem, was Schat­ten in sein Le­ben ge­bracht hat. Er ist ein Grenz­gän­ger, ein Um­her­ir­ren­der, der bei sei­nen stän­di­gen Rich­tungs­wech­seln im­mer mal wie­der die Ori­en­tie­rung ver­lo­ren hat. Bei der WM 1994 in den USA wur­de der da­mals 33-Jäh­ri­ge be- reits zum zwei­ten Mal in sei­ner Kar­rie­re mit ver­bo­te­nen Sub­stan­zen im Blut er­wischt. Er ver­such­te zu flüch­ten und blieb doch sein ei­ge­ner Ge­fan­ge­ner. Von Al­ko­hol und Ko­ka­in schwer ge­zeich­net er­litt er 2000 und 2004 ei­nen Herz­in­farkt, ein­mal wird er so­gar schon für tot er­klärt. „Al­les was ihn be­trifft, ist über­trie­ben. Das Gu­te und das Schlech­te. Ei­nen Mit­tel­weg gibt es bei ihm nicht“, sagt Ma­ra­do­na-Bio­graf Da­ni­el Ar­cuc­ci. „Als Spie­ler war er ei­ne Eins. Er kann char­mant sein, aber in sei­nem Pri­vat­le­ben hat er al­le Re­geln ge­bro­chen.“

Ma­ra­do­na blickt auf ein be­weg­tes Le­ben zu­rück und sagt: „Das Schlimms­te ha­be ich schon hin­ter mir. Ich war ganz un­ten, und mei­ne Töch­ter ha­ben mich da raus­ge­holt.“ Er träumt noch im­mer sei­nen Traum, dass sie beim ar­gen­ti­ni­schen Ver­band ein Ein­se­hen ha­ben, ihr ei­ge­nes Un­ver­mö­gen ein­ge­ste­hen und ihn als Trai­ner zu­rück­ho­len.

Bis da­hin bleibt er sich treu. Das kann ziem­lich an­stren­gend sein: „Ich er­fin­de mich stän­dig neu.“

FO­TOS: DPA (3)

Krö­nungs­ze­re­mo­nie: Ar­gen­ti­ni­ens Spiel­ma­cher Die­go Ma­ra­do­na ju­belt nach dem ge­won­ne­nen WM-Fi­na­le 1986 (3:2) ge­gen Deutsch­land in Me­xi­ko.

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