In 100 Ta­gen be­ginnt die Ski-WM in Garmisch

Rheinische Post Goch - - Sport / Roman - VON MAR­TIN BEILS

IN­GOL­STADT An Selbst­ver­trau­en hat es Fe­lix Neu­reu­ther nie ge­man­gelt. Das ist mit Be­ginn die­ses Ski­win­ters nicht an­ders. Vor al­lem weil er nach den Sie­gen in den Sla­loms in Kitz­bü­hel und bei sich da­heim in Garmisch-Partenkirchen end­lich mehr vor­zu­zei­gen hat als den Ruf, das über­a­gen­de Ta­lent sei­ner El­tern Ro­si Mit­ter­mai­er und Chris­ti­an Neu­reu­ther mit auf den Le­bens­weg be­kom­men zu ha­ben. Neu­reu­ther er­war­tet sich ei­ne Men­ge vom WMSla­lom auf sei­nem Hei­mat­hang am Gu­di­berg. „Ich bin reif für die WM“, meint er. Und des­halb hat er all sei-

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m ers­ten Stock se­he ich Ve­ra in ih­rem schi­cken ro­sa Ja­cken­kleid am Ge­län­der leh­nen und Rauch in die Luft bla­sen. Ne­ben ihr steht ein groß ge­wach­se­ner Mann im An­zug, der so­eben ver­stoh­len ei­ne Zi­ga­ret­te aus­tritt. Als ich nä­her kom­me, er­ken­ne ich ihn: Es ist der Rich­ter.

Drin­nen war­tet Ms. Car­ter bei Va­ter. Er hat den Groß­teil der Zeit auf der Her­ren­toi­let­te ver­bracht und ist jetzt ganz auf­ge­regt. Er schwankt zwi­schen Hoff­nung („Der Rich­ter wird ihr zwei­tau­send Pfund zu­spre­chen und da­mit ha­be ich mei­nen Frie­den und mei­ne Er­in­ne­run­gen”) und Ver­zweif­lung („Ich ver­kau­fe al­les und ge­he ins Al­ten­heim”). Ms. nen Freun­den – und da­von hat so ein le­bens­lus­ti­ger Bur­sche je­de Men­ge – ge­sagt, sie soll­ten doch un­be­dingt nach Partenkirchen kom­men, um ihn zu un­ter­stüt­zen – und vi­el­leicht auch zu be­wun­dern. „Da ha­be ich den Jungs wohl zu gro­ße Ver­spre­chun­gen ge­macht“, ge­stand der 26-Jäh­ri­ge jetzt bei der Ein­klei­dung des deut­schen Ski­teams in In­gol­stadt.

Denn für die Sla­lom­läu­fe am Schluss­wo­chen­en­de der al­pi­nen Ski-WM im Wer­den­fel­ser Land (7. bis 20. Fe­bru­ar) gibt es kaum noch Kar­ten. Ma­ria Riesch, die Olym­pia­sie­ge­rin in die­ser Dis­zi­plin, hielt sich mit der­lei Ver­spre­chun­gen wohl­weis­lich zu­rück: „Ich ha­be den Mund nicht so voll ge­nom­men.“ Au­ßer für die Sla­lomren­nen gibt es

„Das Ziel: zwei Me­dail­len bei den Da­men und ei­ne bei den Her­ren“

aber noch reich­lich Ein­tritts­kar­ten. 100 Ta­ge vor der Er­öff­nung sind 24 Pro­zent al­ler Kar­ten ver­kauft, für wei­te­re 20 Pro­zent lie­gen den Or­ga­ni­sa­to­ren Op­tio­nen von Rei­se­ver­an­stal­tern vor. Neu­reu­ther und Riesch sind die Ga­li­ons­fi­gu­ren ei- ner deut­schen Mann­schaft, de­ren weib­li­che Ab­tei­lung in den ver­gan­ge­nen Win­tern rei­hen­wei­se Er­fol­ge ein­fuhr. Vic­to­ria Re­bens­burg und Kath­rin Hölzl hol­ten bei den Olym­pi­schen Spie­len in Van­cou­ver bzw. der WM 2008 in Val d’Ise­re Gold im Rie­sen­sla­lom. Zum Start in die­sen Win­ter be­leg­ten die bei­den auf dem Glet­scher in Söl­den die Rän­ge eins und zwei, Riesch wur­de Fünf­te.

Die Er­war­tun­gen sind groß. „Vie­le Leu­te kom­men ex­tra we­gen Fe­lix und mir zur WM“, weiß Riesch, „sie wol­len uns se­hen, und sie wol­len, dass wir Me­dail­len. Aber das muss ich aus­blen­den, wenn ich im Start­haus ste­he.“ Um kla­re Ziel­vor­ga­ben hat sich der Deut­sche Ski­ver­band nie ge­drückt. Für die Olym­pi­sche Spie­le in Ka­na­da gab der DSV ge­nau vor ei­nem Jahr 15 Me­dail­len als Ziel aus – es wur­de ge­nau 15. Und jetzt sagt Al­pin­di­rek­tor Wolf­gang Mai­er: „Un­ser Ziel muss es sein, bei der Welt­meis­ter­schaft im ei­ge­nen Land zwei Me­dail­len bei den Da­men und ei­ne bei den Her­ren zu ge­win­nen.“

Doch auch ei­nem an­de­ren Ziel soll die WM die­nen. Bay­ern will sich mit per­fek­ten Ti­tel­kämp­fen als Aus­rich­ter der Olym­pi­schen Win­ter­spie­le 2018 emp­feh­len. Die Ent­schei­dung, ob München mit Garmisch zum Zug kommt, fällt im Ju­li 2011.

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