Mo­no­po­ly soll ins Ki­no

Der Brett­spiel-Klas­si­ker kam vor 75 Jah­ren auf den Markt. Zum Ju­bi­lä­um gibt es mit „Mo­no­po­ly Re­vo­lu­ti­on“ nicht nur ei­ne zeit­ge­mä­ße Ver­si­on. US-Re­gis­seur Rid­ley Scott soll das Spiel auch auf die Lein­wand brin­gen.

Rheinische Post Goch - - Spielfeld -

wand zu brin­gen. Lars Ren­ner von Has­bro Deutsch­land ver­weist dar­auf, dass dies nur ei­ne Fra­ge der Zeit sei. Der Ver­trag mit Uni­ver­sal Stu­di­os sei un­ter­schrie­ben, in Rid­ley Scott (Bla­de Run­ner, Gla­dia­tor) ein re­nom­mier­ter Re­gis­seur ver­pflich­tet wor­den. „Das Pro­jekt läuft“, sagt Ren­ner.

Al­ler­dings scheint schwer vor­stell­bar, wie das Brett­spiel auf der Lein­wand aus­se­hen soll. Ei­ne Ku­lis­se mit lau­ter grü­nen Häu­schen und ro­ten Ho­tels wä­re al­len­falls et­was für Pro­gramm­ki­no­gän­ger mit ei­ner Vor­lie­be für sur­rea­lis­ti­sche Kunst­fil­me. Und als Schau­spie­ler, der in die Rol­le ei­nes Spiel-Hüt­chens schlüpft, kä­me höchs­tens Ro­bert de Ni­ro in­fra­ge. Von dem sagt man in Hol­ly­wood ja, er kön­ne so­gar ei­ne Park­uhr täu­schend echt mi­men. Dann klappt es auch mit ei­nem Spiel-Hüt­chen. Den­noch wür­de es an Ac­tion feh­len. Man ahnt: So funk­tio­niert das nicht. Um die Mas­se in die Ki­no­sä­le zu lo­cken, ist Phan­ta­sie ge­fragt.

Lars Ren­ner möch­te nicht zu viel über die Film­plä­ne ver­ra­ten. „Das Dreh­buch soll sehr gut sein“, sagt er nur. Es soll um ei­nen An­ti-Hel­den ge­hen, der sich auf dem um­kämpf­ten Im­mo­bi­li­en­markt durch­schla­gen muss. Ein Film über den Ka­pi­ta­lis­mus, über Ge­win­ner und Ver­lie­rer. Ren­ner be­stä­tigt das nicht. Nur so­viel: Es geht nicht um Charles Dar­row, den ver­meint­li­chen Er­fin­der von Mo­no­po­ly. Da­bei gä­be des- sen Ge­schich­te durch­aus den Stoff für ei­nen Film her.

Charles Dar­row und Mo­no­po­ly, das war die Ver­wirk­li­chung des ame­ri­ka­ni­schen Traums. Ei­ne tol­le Ge­schich­te, vi­el­leicht ein biss­chen zu toll. Ein­fach so sei ihm die Idee zu Mo­no­po­ly 1933 ein­ge­fal­len, er­klär­te Dar­row. Wäh­rend der Welt­wirt­schafts­kri­se, die sich nach dem Schwar­zen Don­ners­tag am 24. Ok­to­ber 1929 bis weit in die 1930er Jah­re zog, hat­te der Hei­zungs­bau­er aus Phil­adel­phia sei­nen Job ver­lo­ren. Er ha­be da­her viel Zeit zum Nach­den­ken ge­habt, sin­nier­te Dar­row spä­ter. Ir­gend­wann ha­be er das Spiel ge­bas­telt, abends in der hei­mi­schen Kü­che. Er hock­te ja eh stän­dig zu Hau­se, da konn­te er we­nigs­tens et­was Krea­ti­ves tun.

Dar­row schrieb an den US-ame­ri­ka­ni­schen Spie­le­ver­lag Par­ker und bot Mo­no­po­ly an. Die Fir­ma lehn­te ab. Be­grün­dung: Das Spiel ha­be 52 Schwach­punk­te, die ei­nen Er­folg auf dem Markt äu­ßerst un­wahr­schein­lich mach­ten. Schon al­lei­ne die Dau­er sei ei­ne Ka­ta­stro­phe: Ein Spiel ha­be ma­xi­mal 45 Mi­nu­ten zu dau­ern. Mehr Zeit op­fe­re kaum je­mand. Mo­no­po­ly aber dau­ert be­kannt­lich St­un­den.

Die Ab­sa­ge ließ Dar­row je­doch nicht an sei­ner Spiel­idee zwei­feln. Er lieh sich Geld, pro­du­zier­te Mo­no­po­ly-Spie­le auf ei­ge­ne Faust, 200 wur­den im New Yor­ker Spiel­wa­ren­ge­schäft F.A.O. Schwarz ver­kauft. Dort soll, so die Le­gen­de, das Schick­sal zu­ge­schla­gen ha­ben: Sal­ly Bar­ton, Toch­ter des Par­ker-Grün­ders Ge­or­ge Par­ker, wur­de auf das Spiel auf­merk­sam und mach­te sich für den Kauf der Li­zenz­rech­te stark. Drei Ta­ge spä­ter ging der De­al über die Büh­ne. En­de Au­gust 1935 wur­de der Pa­tent-An­trag ge­stellt, am 31. De­zem­ber das Pa­tent für das Spiel­brett er­teilt. Mo­no­po­ly kam auf den Markt und ver­kauf­te sich trotz Re­zes­si­on her­vor­ra­gend. Es mach­te Dar­row, den ar­beits­lo­sen Hei­zungs­bau­er, zum Mil­lio­när.

So ganz aus dem Nichts hat er die Spiel­idee je­doch nicht ent­wi­ckelt. Es gab Mo­no­po­ly-Vor­läu­fer. Der US-Spie­le­ex­per­te Sid Sack­son mach­te be­reits 1969 auf das von Eliz­a­beth Ma­gie ent­wor­fe­ne „The Land­lord’s Ga­me“ auf­merk­sam, ei­ne Art Ur-Mo­no­po­ly, das sich Ma­gie gleich zwei­mal pa­ten­tie­ren ließ: die ers­te Ver­si­on 1904, 20 Jah­re spä­ter ei­ne über­ar­bei­te­te Fas­sung. Par­ker kauf­te Ma­gie bei­de Rech­te 1936 für 500 Dol­lar ab. Charles Dar­row be­hielt das glit­zern­de Image des Mo­no­po­ly-Er­fin­ders.

Heu­te gibt es Mo­no­po­ly in 111 Län­dern und 43 Spra­chen. Mehr als 275 Mil­lio­nen Ex­em­pla­re wur­den ver­kauft. Die teu­ers­te Aus­ga­be hat der ka­li­for­ni­sche Ju­we­lier Syd­ney Mo­bell aus pu­rem Gold (23 Ka­rat) ge­schaf­fen. Ihr Wert: zwei Mil­lio­nen US-Dol­lar.

In zwei Län­dern aber ist Mo­no­po­ly bis heu­te ver­bo­ten: in Nord­ko­rea und auf Ku­ba.

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