Na­tur pur im Wal­ser­tal

Vor zehn Jah­ren mach­ten die Ver­ein­ten Na­tio- nen das Gro­ße Wal­ser­tal zum Bio­sphä­ren­park. Die Men­schen le­ben im Ein­klang mit der Na­tur. Gäs­te ent­de­cken ur­sprüng­li­che Al­pen.

Rheinische Post Goch - - Reise& Welt - VON SA­BI­NE SCH­MITT

Hüah“, ruft Hei­di Mey­er aus Fon­ta­nella-Fa­schi­na. Das Ge­sicht der 40-Jäh­ri­gen ist er­rö­tet, wäh­rend sie ge­konnt ih­re Kuh­her­de über den mat­schi­gen Berg­hang auf die Alm treibt. Dort oben war­ten saf­ti­ge Kräu­ter auf die Tie­re. Seit Hei­di den­ken kann, steigt sie mit den Kü­hen den Berg rauf, und sie wird es so lan­ge ma­chen, wie sie kann. „Ich ken­ne es nicht an­ders“, sagt sie. Und es macht sie glück­lich, dort oben im Ein­klang mit der Na­tur die Jah­res­zei­ten kom­men und ge­hen zu se­hen.

Hei­di Mey­er ist ei­ne der letz­ten Hir­tin­nen der Re­gi­on, und sie wird ih­re Pas­si­on wei­ter­ver­er­ben. Ih­re Kin­der sind je­den Tag da­bei, wenn sie in al­ler Herr­gotts­frü­he die Kü­he aus dem Stall holt und vor Son­nen­un­ter­gang wie­der zu­rück bringt. Wäh­rend Hei­di auf der Alm ist, ver­ar­bei­tet ihr Va­ter die Milch der Tie­re zu tra­di­tio­nel­lem Berg­kä­se. Tag­ein, tag­aus rührt der 70-Jäh­ri­ge in sei­nem Mol­ke­trog und pro­du­ziert je­den Tag zwei au­to­rei­fen­gro­ße Kä­se, den so ge­nann­ten Wals­er­stolz mit sei­nem wür­zi­gen Aro­ma.

Stolz sind die Leu­te im Gro­ßen Wal­ser­tal aber nicht nur auf ih­ren Kä­se, son­dern auch auf ih­re Tra­di­ti­on und auf Leu­te wie Hei­di. Denn Men­schen wie sie hel­fen, die Land­schaft als kul­tu­rel­les Er­be zu be­wah­ren. Denn wenn sie die Alm nicht be­wirt­schaf­ten wür­de, wu­cher­te das Tal mit Bü­schen und Bäu­men zu. Au­ßer­dem gin­ge ei­ne spe­zi­el­le Viel­falt an Tie­ren und Pflan­zen ver­lo­ren. Die­sen Schatz zu wah­ren, hält auch das Wel­ter­be­ko­mi­tee der Ver­ein­ten Na­tio­nen für ein wich­ti­ges An­lie­gen. Des­halb nahm sie das Gro­ße Wal­ser­tal im No­vem­ber 2000 als Bio­sphä­ren­park in ihr Pro­gramm auf. Seit­dem zählt es wie die Ro­cky Moun­ta­ins, die Galápa­gos-In­seln und die Se­ren­ge­ti zu ei­nem welt­um­span­nen­den Netz mit rund 500 Mus­ter­re­gio­nen, in de­nen land­schaft­li­che Schät­ze kon­ser­viert wer­den und in de­nen Men­schen im Ein­klang mit der Na­tur le­ben und ar­bei­ten sol­len.

Nach­dem die Zahl der Gäs­te in den Jah­ren vor der Bio­sphä­ren­par­kA­n­er­ken­nung sank, hat sie sich nach Ver­lei­hung des Ti­tels sta­bi­li­siert. Die Gäs­te kom­men übers gan­ze Jahr ver­teilt und nur so zahl­reich, dass die Fe­ri­en­or­te Fon­ta­nella, Sonn­tag, Rag­gal, St. Ge­rold, Blons und Thü­rin­ger­berg nach wie vor für ei­nen Na­tur­ur­laub emp­feh­len, un­be­rührt vom gro­ßen Tou­ris­ten­strom.

Mit mehr als 230 Ki­lo­me­tern Wan­der­we­gen wird der Bio­sphä­ren­park auch als ei­nes der at­trak­tivs­ten Wan­der­ge­bie­te Vor­arl­bergs im­mer be­kann­ter. Im Mai bie­ten bun­te Früh­lings­blu­men auf saf­tig grü­nen Wie­sen ei­nen knal­li­gen Kon­trast zu den noch weiß glit­zern­den Berg­gip­feln. Im Hoch­som­mer ver­wan­deln sich die duf­ten­den Berg­wie­sen in ein schil­lern­des Blü­ten­meer und lädt Ös­ter­reichs

Der au­to­rei­fen­gro­ße Wals­er­stolz ist ein wür­zi­ger Berg­kä­se

wärms­ter Berg­see zum Ba­den ein. Jetzt, im Herbst, lo­cken die bun­ten Far­ben der Wäl­der und ei­ne un­glaub­li­che Fern­sicht die Wan­de­rer. Und der Win­ter ver­zau­bert das Tal ab De­zem­ber in ei­ne sanf­te Schnee­land­schaft.

In die­sen Ta­gen ge­nießt auch Hei­di Mey­er die Sicht auf die rot-gelb ge­färb­te Land­schaft. Ih­re Tie­re blei­ben mitt­ler­wei­le im Stall. Und um Weih­nach­ten rum wird die Hir­tin mit ih­rer Fa­mi­lie dann vor­über­ge­hend aus ih­rem Haus ne­ben dem Ses­sel­lift in Fa­schi­na aus­zie­hen. Ei­ni­ge Wo­chen des Jah­res wohnt die Fa­mi­lie im­mer ein paar Ki­lo­me­ter tal­wärts. Ihr ei­gent­li­ches Haus ver­mie­tet sie dann an Tou­ris­ten, um die Haus­halts­kas­se zu fül­len. Das ist ei­ne Fol­ge ei­nes klei­nen Auf­schwungs in der Re­gi­on. Und nicht die schlech­tes­te, wie Hei­di Mey­er fin­det.

FO­TOS: WAL­SER­TAL TOU­RIS­MUS

Ein­stieg Die mäch­ti­ge Ro­te Wand ist mit 2704 Me­ter der höchs­te Gip­fel im Tal.

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