Han­ne­lo­re Kraft: „Un­se­re Wer­te sind nicht ver­han­del­bar“

Rheinische Post Goch - - POLITIK -

DÜSSELDORF (hr/hüw) NRW-Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Han­ne­lo­re Kraft (SPD) hat For­de­run­gen zu­rück­ge­wie­sen, die Flücht­lin­ge ge­trennt nach Her­kunft und Re­li­gi­on un­ter­zu­brin­gen. „Es muss von An­fang an klar sein, dass bei uns ein Zu­sam­men­le­ben von Eth­ni­en und Re­li­gio­nen ei­nen gro­ßen Wert be­sitzt.“Da­nach hät­ten sich auch die Asyl­be­wer­ber zu rich­ten, sag­te sie im Land­tag. Auf Wer­te wie „Re­spekt, To­le­ranz, Gleich­be­rech­ti­gung und Re­li­gi­ons­frei­heit sind wir stolz, und wir stel­len sie nicht zur Dis­po­si­ti­on. Sie sind für uns nicht ver­han­del­bar.“Die Ver­mitt­lung die­ser Wer­te sei Teil der In­te­gra­ti­ons­ar­beit in NRW. Kraft ver­ur­teil­te die jüngs­ten Über­grif­fe un­ter Flücht­lin­gen: „Nichts kann Ge­walt in sol­chen Un­ter­künf­ten recht­fer­ti­gen.“Hier­zu­lan­de gäl­ten Wer­te und Ge­set­ze – „wir wer­den sie durch­set­zen“.

Kraft be­grüß­te es, dass der Bund sich stär­ker an den Kos­ten für die Ver­sor­gung der Flücht­lin­ge be­tei­li­gen wer­de. Ziel des Lan­des sei es, die Kom­mu­nen hier­bei „weit­ge­hend zu ent­las­ten“. Dar­über wol­le sie mit den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den re­den und nach den Herbst­fe­ri­en schnellst­mög­lich ei­nen Flücht­lings­gip­fel ein­be­ru­fen.

CDU-Lan­des­chef Ar­min La­schet for­der­te, die Bun­des­mit­tel kom­plett an die Kom­mu­nen wei­ter­zu­lei­ten, und zwar „je­den Cent“. Grü­nen­Frak­ti­ons­chef Mehr­dad Mo­s­to­fi­z­a­deh kri­ti­sier­te, dass es künf­tig Sach­leis­tun­gen statt Ta­schen­geld für Flücht­lin­ge ge­ben soll. Das sei „Bü­ro­kra­tie-Wahn­sinn“.

Das vom Bund zu­ge­sag­te zu­sätz­li­che Geld für die Un­ter­brin­gung von Flücht­lin­gen reicht nach An­sicht der rund 300 deut­schen Land­krei­se bei Wei­tem nicht aus. „Die Re­ge­lun­gen stel­len in kei­ner Wei­se die er­for­der­li­che un­mit­tel­ba­re Ent­las­tung zu­guns­ten der Kom­mu­nen si­cher“, heißt es in ei­nem Brief des Deut­schen Land­kreis­ta­ges an die Mi­nis­ter­prä­si­den­ten. Das gel­te für die rund zwei Mil­li­ar­den Eu­ro des Bun­des für die Län­der in die­sem Jahr und die et­wa vier Mil­li­ar­den Eu­ro im kom­men­den Jahr.

Die Ver­ab­re­dung be­rück­sich­ti­ge we­der, dass die Krei­se und Städ­te be­reits in ho­hem Um­fang Asyl­be­wer­ber in Erst­auf­nah­me­ein­rich­tun­gen zu ver­sor­gen hät­ten, noch die Un­ter­kunfts­kos­ten aus schnel­le­ren Asyl­ver­fah­ren, kri­ti­siert der Land­kreis­tag. „Auch sind künf­tig ent­ste­hen­de Las­ten durch ei­nen ver­stärk­ten Fa­mi­li­en­nach­zug un­be­rück­sich­tigt ge­blie­ben.“In den Flä­chen­län­dern müss­ten den Kom­mu­nen des­halb al­le Kos­ten er­setzt wer­den.

Der­weil ha­ben Woh­nungs­ei­gen­tü­mer in Rem­scheid Brie­fe mit dem ge­fälsch­tem Ab­sen­der des Aus­län­der­amts er­hal­ten, in de­nen von der Mög­lich­keit der Zwangs­be­le­gung ih­rer Woh­nung mit Flücht­lin­gen die Re­de ist. „Die Stadt ist be­rech­tigt, Wohn­raum für Be­dürf­ti­ge und ver­folg­te Men­schen zu re­qui­rie­ren“, heißt es. Die Stadt warn­te die Bür­ger ges­tern vor die­sen Schrei­ben. Sie er­klär­te zu­dem, dass der Woh­nungs­markt in Rem­scheid ent­spannt sei. Der Stadt wer­de von Bür­gern Wohn­raum an­ge­bo­ten. „Mit dem ge­fälsch­ten Schrei­ben soll of­fen­sicht­lich ver­sucht wer­den, Frem­den­hass zu schü­ren“, sag­te Rechts­de­zer­nen­tin Bar­ba­ra Reul-No­cke.

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