Bergmann for­dert „ri­go­ro­se Ana­ly­se“

Rheinische Post Goch - - KREIS KLEVE –REGIONAL - VON AN­JA SETTNIK

Nach dem Ver­lust di­ver­ser Bür­ger­meis­ter­ses­sel muss sich die CDU in den Kom­mu­nen et­was ein­fal­len las­sen. Kreis-Chef Dr. Gün­ther Bergmann wirbt für neu­en Ty­pus: nicht zwangs­läu­fig weib­lich, aber le­bens­er­fah­ren und sym­pa­thisch.

KREIS KLE­VE In die­sen Ta­gen be­schäf­tigt sich der NRW-Land­tag un­ter an­de­rem mit der Flücht­lings­de­bat­te. Es geht um stren­ge­re Aus­wahl­kri­te­ri­en für Men­schen aus dem West-Bal­kan, um ein Zu­wan­de­rungs­ge­setz, um die Be­schleu­ni­gung der Asyl­ver­fah­ren. Al­les ganz wich­ti­ge The­men, die sich auch auf die Kom­mu­nen nie­der­schla­gen. In­so­fern ist Dr. Gün­ther Bergmann,

Dr. Gün­ther Bergmann Land­tags­mit­glied der CDU im Kreis Kle­ve, na­tür­lich wäh­rend der Sit­zun­gen kon­zen­triert bei der Sa­che. Ver­mut­lich be­schäf­tigt ihn par­al­lel da­zu aber ein wei­te­res gro­ßes Pro­blem: die Fra­ge, wie es der Par­tei den Kom­mu­nen ge­lin­gen kann, die CDU wie­der auf Vor­der­mann zu brin­gen. Der Ver­lust di­ver­ser Bür­ger­meis­ter­ses­sel ist nicht nur in­ner­halb der Par­tei ein Rie­sen­the­ma.

Ei­nes ist Bergmann im RP-Ge­spräch aber ganz wich­tig: Es sei ja nicht die CDU, die in ei­ni­gen Städ­ten und Ge­mein­den ab­ge­wählt wor­den sei, es ging ja „nur“um die Bür­ger­meis­ter. „In kei­nem ein­zi­gen der 16 Rä­te im Kreis Kle­ve sind da­durch neue Mehr­hei­ten ent­stan­den.“Dass die Rats­ar­beit sich hier und da än­dern wird, wenn der Vor­sit­zen­de nicht mehr der CDU an­ge­hört, das strei­tet Bergmann nicht ab. Aber dass die CDU noch mit deut­lich über 50 Pro­zent Wah­len ge­win­nen kön­ne – das se­he man doch am Er­geb­nis des Land­rats (58,16 Pro­zent). „Der Wahl­kampf, den wir als Kreis­ver­band zu ver­ant­wor­ten ha­ben, ist su­per ge­lau­fen. In den Kom­mu­nen hat­ten wir lei­der ein völ­lig un­ter­schied­li­ches Ab­stim­mungs­ver­hal­ten bei­der Land­rats- und der Bür­ger­meis­ter­wahl. Da­für gibt es vie­le un­ter­schied­li­che Grün­de, die die Stadt- und Ge­mein­de­ver­bän­de nun er­mit­teln müs­sen.“

Gün­ther Bergmann ver­weist auch an die­ser Stel­le wie­der auf das Prin­zip der „Sub­si­dia­ri­tät“, das ein Grund­wert der Christ­de­mo­kra­tie sei: Al­les soll auf mög­lichst nied­ri­ger Ebe­ne ei­gen­ver­ant­wort­lich ge­ma­nagt und ent­schie­den wer­den. Kon­kret: Die Ver­ant­wort­li­chen vor Ort sol­len jetzt in die Bür­ger­schaft „rein­hö­ren, mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, über­le­gen, war­um sie ih­re Über­zeu­gun­gen nicht trans­por­tie­ren konn­ten“.

Bergmann führt aus: „Mein Tipp ist, jetzt so­fort mit ei­ner ri­go­ro­sen Ana­ly­se zu be­gin­nen.“In­ter­es­sant in sei­nen Au­gen: Die Kan­di­da­ten sei­en ja mit je­weils gro­ßer Mehr­heit von ih­ren Par­tei­en auf­ge­stellt wor­den, hät­ten aber of­fen­bar nicht den Ge­schmack der Wäh­ler ge­trof­fen. „Da muss man sich über ein mo­der­nes An­for­de­rungs­pro­fil ei­nes Bür­ger­meis­ters eben Ge­dan­ken ma­chen.“Wie das aus­se­hen soll? „Jün­ger und weib­li­cher“, hat die CDU in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit oft pos­tu­liert. Hat man mit Ger­hard Fonck, Axel Sti­bi, Heinz van Baal oder Udo Jan­sen, um ei­ni­ge ge­schei­ter­te CDU-Amts­in­ha­ber be­zie­hungs­wei­se Kan­di­da­ten zu be­nen­nen, schon des­halb auf die fal­schen Pfer­de ge­setzt? „Jung“mag re­la­tiv sein, aber weib­lich sind die vier nun nicht. „Das al­lein ist es si­cher nicht, wir wol­len ja auch der Fair­ness hal­ber dar­an er­in­nern, dass zum Bei­spiel Chris­toph Ger­wers in Rees als 52jäh­ri­ger CDU-Mann mit über 66 Pro­zent wie­der­ge­wählt wur­de“, sagt Bergmann.

Wie muss er al­so sein, der Kan­di­dat der Christ­de­mo­kra­ten, der bei der nächs­ten Wahl wie­der für ein ver­trau­te­res (al­so un­term Strich schwar­zes) Ab­stim­mungs­ver­hal­ten sor­gen soll? Bergmann: „Er muss Le­bens­er­fah­rung mit­brin­gen, Be­rufs­er­fah­rung, mit bei­den Bei­nen im Le­ben ste­hen. Und er braucht ho­he Sym­pa­thie­wer­te, die ganz viel da­mit zu tun ha­ben, dass der­je­ni­ge weiß, wie es drau­ßen zu­geht.“

Gün­ther Bergmann will sich zwar nicht ein­mi­schen (sie­he „Sub­si­dia­ri­tät“), für Tipps sei er je­doch je­der­zeit zu ha­ben. Ob jetzt viel­leicht für die Ver­ant­wort­li­chen in dem ei­nen oder an­de­ren Stadt­ver­band Nach­schu­lun­gen in punc­to Bür­ger­nä­he, Kom­mu­ni­ka­ti­on und Trans­pa­renz an­ge­bo­ten wer­den? „Si­cher, wir ver­mit­teln ger­ne Fort- und Wei­ter­bil­dungs­kur­se. Das tun wir aber im­mer, nicht nur nach ent­täu­schen­den Wah­l­er­geb­nis­sen“, er­klärt Bergmann.

In den Rä­ten der Kom­mu­nen be­ginnt nun wie­der der All­tag. Je­der Mann und je­de Frau, die da auf dem Bür­ger­meis­ter­stuhl sit­zen, hat schwe­re Zei­ten vor sich. Nicht nur, weil es im­mer schwie­ri­ger wird, Mehr­hei­ten zu fin­den, son­dern weil drän­gen­de The­men zu lö­sen sind: ver­schul­de­te Haus­hal­te und das Flücht­lings­the­ma et­wa. Zu­sam­men­ar­beit führt da ver­mut­lich wei­ter als ein Kon­fron­ta­ti­ons­kurs. Ob das mit „den Neu­en“ge­lingt, das wagt Bergmann noch nicht ab­zu­schät­zen.

„Der Wahl­kampf des Kreis­ver­bands ist su­per ge­lau­fen“

CDU-Kreis­vor­sit­zen­der

RP-FO­TO: ANDRE­AS ENDERMANN

Der Kreis Kle­ver CDU-Par­tei­chef und Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Dr. Gün­ther Bergmann.

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