Streit um Re­gis­trie­rung an Gren­ze

Rheinische Post Goch - - VORDERSEITE -

Die Uni­on will Flücht­lin­ge in Tran­sit­zo­nen schon vor der Ein­rei­se re­gis­trie­ren und zur Um­kehr be­we­gen. Die SPD hält das für „völ­lig un­aus­ge­go­ren“. Ein­rei­sen aus Bal­kan­län­dern sind stark zu­rück­ge­gan­gen.

BERLIN (jd/hüw/mar/may-) Wäh­rend Uni­on und SPD bei der Be­ra­tung des Asyl-Ge­set­zes­pa­ke­tes im Bun­des­tag ges­tern nach au­ßen Ei­nig­keit de­mons­trier­ten, ha­ben sich hin­ter den Ku­lis­sen die Aus­ein­an­der­set­zun­gen um noch schär­fe­re Maß­nah­men zur Ver­lang­sa­mung der Flucht­dy­na­mik ver­stärkt. Da­bei geht es vor al­lem um Tran­sit­zo­nen an der Lan­des­gren­ze.

Das In­nen­mi­nis­te­ri­um be­fasst sich be­reits seit Mo­na­ten mit dem Plan, das so­ge­nann­te Flug­ha­fen­ver­fah­ren auf Tran­sit­be­rei­che an Deutsch­lands Gren­zen aus­zu­wei­ten. Wäh­rend An­kömm­lin­ge dar­in bis zu ei­ner Wo­che fest­ge­hal­ten wer­den könn­ten, soll mög­lichst in­ner­halb von 48 St­un­den ge­prüft wer­den, ob sie über­haupt ein­rei­sen dür­fen. Wer mit ge­fälsch­ten Pa­pie­ren oder aus si­che­ren Her­kunfts­län­dern kommt, soll um­ge­hend zu­rück­ge­schickt wer­den.

„Die Idee von Tran­sit­zo­nen ist völ­lig un­aus­ge­go­ren“, sag­te SPDVi­ze Thors­ten Schä­fer-Güm­bel un­se­rer Re­dak­ti­on. Sol­che Zo­nen schaff­ten eher neue Pro­ble­me. Statt­des­sen hät­ten die Asyl­ver­fah­ren be­reits vor Mo­na­ten be­schleu- nigt wer­den müs­sen. „Ent­schei­dun­gen um­set­zen und nicht CSU-Sprü­che­klop­fern nach­ei­fern, das ist jetzt ge­for­dert“, mein­te Schä­fer-Güm­bel.

CDU-In­nen­mi­nis­ter Tho­mas de Mai­ziè­re hat den ent­spre­chen­den Ge­setz­ent­wurf be­reits so gut wie fer­tig. In­nen­ex­per­te Ste­phan Mayer (CSU) hält Tran­sit­zo­nen für ge­eig­net, „um Be­wer­ber, die of­fen­kun­dig kein Recht auf Asyl ha­ben, in ei­nem be­schleu­nig­ten Ver­fah­ren zu be­han­deln und dann auch un­mit­tel­bar zu­rück­zu­wei­sen“. Mayer er­in­nert die SPD dar­an, dass Deutsch­land mit der Um­set­zung der ent­spre­chen­den EU-Richt­li­ni­en be­reits seit Mit­te die­ses Jah­res in Ver­zug sei und die EU-Kom­mis­si­on ein Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­ren ge­gen Deutsch­land ein­ge­lei­tet ha­be.

An­ge­sichts der „ge­wal­ti­gen Über­last“, die Bay­ern im Ver­gleich zu an­de­ren Län­dern zu tra­gen ha­be, sprach sich der Prä­si­dent des Baye­ri­schen Städ­te­ta­ges, Ul­rich Ma­ly (SPD), eben­falls da­für aus, „Men­schen oh­ne Blei­be­per­spek­ti­ve mit rechts­staat­li­chen Ver­fah­ren aber rasch zu be­han­deln“. Sei­ne Dis­tan­zie­rung fiel je­doch ver­hal­te­ner aus: „Ob sol­che Tran­sit­zo­nen das rich­ti- ge In­stru­ment sind, kann ich nicht be­ur­tei­len.“

Aus ei­ner Über­sicht des In­nen­mi­nis­te­ri­ums geht her­vor, dass vor al­lem die von SPD, Grü­nen und Lin­ken re­gier­ten Bun­des­län­der bei der Auf­nah­me von Flücht­lin­gen un­ter­halb der ver­ein­bar­ten Ver­tei­lung lie­gen. So hat Ba­den-Würt­tem­berg statt vor­ge­se­he­ner knapp 32.000 Flücht­lin­ge bis­lang we­ni­ger als 25.000 auf­ge­nom­men, Rhein­land- Pfalz statt 11.912 le­dig­lich 9648. NRW über­traf sei­nen ei­gent­lich fäl­li­gen An­teil leicht.

Zwei­fel am Asyl-Pa­ket er­ga­ben sich aus ei­ner ak­tu­el­len Sta­tis­tik über die Her­kunft der Flücht­lin­ge. Un­ter den laut Bun­des­re­gie­rung zwi­schen dem 1. und 27. No­vem­ber im bun­des­wei­ten Er­fas­sungs­sys­tem „Ea­sy“re­gis­trier­ten 138.151 Flücht­lin­gen ka­men le­dig­lich noch 9774 aus dem West­bal­kan, al­so et­wa sie­ben Pro­zent. Tei­le der an­ste­hen­den Asyl­rechts­no­vel­le sind ins­be­son­de­re dar­auf ge­rich­tet, die Zu­gangs­zah­len vom Bal­kan deut­lich zu ver­rin­gern. Die­se Plä­ne gin­gen an der Rea­li­tät vor­bei, kri­ti­sier­te die Lin­ke.

CSU-Po­li­ti­ker den­ken der­weil an wei­te­re Not­maß­nah­men, um den in­ten­si­ven Zustrom von Flücht­lin­gen nach Bay­ern zu be­wäl­ti­gen. So soll ei­ne un­kon­trol­lier­te Wei­ter­lei­tung von Flücht­lings-Son­der­zü­gen genau so ge­prüft wer­den wie neue Grenz­si­che­run­gen. „Wenn die EUAu­ßen­gren­zen nicht ge­schützt wer­den, muss ei­ne deut­sche Re­gie­rung auch dar­über nach­den­ken, wie sie die deut­sche Gren­ze schützt“, sag­te Fi­nanz­mi­nis­ter Mar­kus Sö­der.

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