EU will Steu­er­be­ra­ter-Markt öff­nen

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT -

Gut­ach­ter: Auch Aus­län­der dür­fen deut­sche Steu­er­er­klä­rung ma­chen.

LUXEMBURG (dpa) Deutsch­land muss nach An­sicht ei­nes ein­fluss­rei­chen Gut­ach­ters am Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof (EuGH) sei­nen Markt für aus­län­di­sche Steu­er­be­ra­ter öff­nen. Es wi­der­spre­che dem EU-Recht, wenn deut­sche Fi­nanz­äm­ter Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaf­ten aus ei­nem an­de­ren EU-Staat ver­bie­ten wür­den, für deut­sche Man­dan­ten tä­tig zu wer­den. Das schreibt Ge­ne­ral­an­walt Pe­dro Cruz Vil­la­lon in ei­nem ges­tern ver­öf­fent­lich­ten Gut­ach­ten (Rechts­sa­che C342/14). Das Ur­teil wird erst in ei­ni­gen Mo­na­ten fal­len. In den meis­ten Fäl­len fol­gen die Rich­ter aber der Mei­nung des Gut­ach­ters.

Im vor­lie­gen­den Fall geht es um ei­nen Rechts­streit zwi­schen ei­ner Ka­pi­tal­ge­sell­schaft bri­ti­schen Rechts mit Nie­der­las­sun­gen in den Nie­der­lan­den und in Bel­gi­en und dem Fi­nanz­amt Han­no­ver-Nord. Die Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft be­rät meh­re­re in Deutsch­land an­säs­si­ge Man­dan­ten und er­stellt für sie Steu­er­er­klä­run­gen. Das Fi­nanz­amt hat­te die Ge­sell­schaft we­gen un­er­laub­ter Hil­fe­leis­tung in Steu­er­sa­chen ab­ge­wie­sen. Da­ge­gen klag­te das Un­ter­neh­men und zog bis zum Bun­des­fi­nanz­hof, der die Lu­xem­bur­ger Rich­ter um Hil­fe bat.

Nach An­sicht des Gut­ach­ters schrän­ken die deut­schen Fi­nanz­äm­ter die Di­enst­leis­tungs­frei­heit ein, die zu den zen­tra­len Pfei­lern des Bin­nen­mark­tes zählt, und ver­sto­ßen ge­gen EU-Recht. Die deut­sche Re­ge­lung ge­he über das hin­aus, war nö­tig sei, um Bür­ger vor feh­ler­haf­ter Be­ra­tung in Steu­er­sa­chen zu be­wah­ren.

Zu­dem ge­be es auch in Deutsch­land ei­ne gro­ße Zahl von Per­so­nen, die in Steu­er­sa­chen ge­schäfts­mä­ßig Hil­fe­leis­tung ge­ben dürf­ten, oh­ne dem Re­gime der be­hörd­li­chen Ge­neh­mi­gung oder An­for­de­run­gen an die Be­rufs­qua­li­fi­ka­ti­on zu un­ter­lie­gen, ar­gu­men­tiert der Ex­per­te wei­ter. Da­zu ge­hör­ten et­wa No­ta­re, Pa­tent­an­wäl­te, Ver­wal­ter frem­der Ver­mö­gen, Lohn­steu­er­hil­fe­ver­ei­ne und aus­län­di­sche Ban­ken. Deutsch­land be­rück­sich­ti­ge für die An­er­ken­nung ei­ner Ge­sell­schaft als Steu­er­be­ra­ter nicht die Kennt­nis­se und Be­rufs­er­fah­rung der Mit­ar­bei­ter.

„Deut­sche Fi­nanz­äm­ter schrän­ken Di­enst­leis

tungs­frei­heit ein“

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