Ein Pä­do­phi­ler in der Nach­bar­schaft

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KLEVE - VON PE­TER JANSSEN

Kra­nen­bur­ger El­tern ma­chen sich Sor­gen. Seit Au­gust wohnt ein Kin­der­schän­der in der Ge­mein­de, der in den Nie­der­lan­den zu ei­ner lan­gen Haft­stra­fe ver­ur­teilt wor­den war. Po­li­zei be­schreibt den Mann als of­fen und ko­ope­ra­tiv.

KRANENBURG Zu sechs Jah­ren Ge­fäng­nis hat­te ein nie­der­län­di­sches Ge­richt den Kin­der­schän­der Ben­no L. ver­ur­teilt. Der 65-jäh­ri­ge Deut­sche hat sei­ne Stra­fe ver­büßt. Vor zwei Mo­na­ten ist der Mann aus den Nie­der­lan­den nach Kranenburg ge­zo­gen. Im Haus ge­gen­über woh­nen jun­ge Fa­mi­li­en, ei­ne Kin­der­ta­ges­stät­te ist di­rekt in der Nach­bar­schaft. Seit Ta­gen ist der Mann nicht nur in den Ki­tas der Ge­mein­de ein The­ma. El­tern sind be­un­ru­higt.

„Ich ma­che mir gro­ße Sor­gen. Die Angst um mei­ne Kin­der ist in dem Fall grö­ßer, als das Ver­ständ­nis für den Mann, der sei­ne Stra­fe ver­büßt hat und jetzt of­fen­bar hier ein neu­es Le­ben be­gin­nen will“, sagt ei­ne jun­ge Mut­ter, die mit ih­rer Fa­mi­lie in der Nach­bar­schaft des ver­ur­teil­ten Straf­tä­ters wohnt und de­ren Kind die Ki­ta be­sucht. El­tern wol­len wis­sen, wie der Mann aus­sieht, wo er wohnt und vor al­lem, wie sein Ge­sund­heits­zu­stand ist.

In der Kin­der­ta­ges­stät­te hat man, kurz nach­dem be­kannt wur­de, wer da in die Nach­bar­schaft ge­zo­gen ist, re­agiert. „Wir ha­ben in ei­nem Brief dar­über in­for­miert, dass der Mann jetzt in un­mit­tel­ba­rer Nä­he un­se­rer Ein­rich­tung wohnt“, sagt die stell­ver­tre­ten­de Lei­te­rin der Ki­ta. „Wir woll­ten die Nach­richt den El­tern zei­tig mit­tei­len, be­vor sie es von an­de­ren Sei­ten hö­ren und even­tu­ell Pa­nik auf­kommt“, so die Er­zie­he­rin. Die Lei- tung der Ki­ta rät den El­tern zu er­höh­ter Auf­merk­sam­keit. Auch in der Grund­schu­le wur­de ein El­tern­brief ver­fasst. Das Kol­le­gi­um hat­te sich vor­sorg­lich Bil­der von dem Mann an­ge­schaut.

Ben­no L. ist vor al­lem im Nach­bar­land kein Un­be­kann­ter. Dort sorgt sein Fall seit Jah­ren für ein be­acht­li­ches me­dia­les Echo. So ha­ben die zahl­rei­chen in Kranenburg woh­nen­den Nie­der­län­der das Ver­fah­ren in­ten­siv ver­folgt. Me­di­en­an­ga­ben zu­fol­ge soll es der größ­te Kin­der­schän­der-Pro­zess in der nie­der­län­di­schen Recht­spre­chung ge­we­sen sein.

Ben­no L. wur­de ver­ur­teilt, weil er sich an geis­tig be­hin­der­ten Mäd­chen ver­gan­gen hat­te. Ein Ge­richt in den Nie­der­lan­den sprach den heu­te 65-jäh­ri­gen Mann schul­dig, Dut­zen­de geis­tig be­hin­der­ter Mäd­chen in sei­ner Zeit als Schwimm­leh­rer miss­braucht zu ha­ben. Er wur­de we­gen 33 Fäl­len von se­xu­el­lem Miss­brauch und der Her­stel­lung und dem Be­sitz von Kin­der­por­no­gra­fie von Mäd­chen im Al­ter zwi­schen fünf und 16 Jah­ren ver­ur­teilt.

Als er das Ge­fäng­nis ver­las­sen durf­te, nahm sich Ben­no L. ei­ne Woh­nung in Lei­den. Dort wur­de re­gel­mä­ßig vor sei­nem Haus de­mons­triert. „Pä­do weg!“oder „Ben­no, ver­piss dich!“wa­ren die ge­mä­ßig­te­ren Sprü­che von der Stra­ße. Die Ge­mein­de ver­häng­te, nach­dem kein En­de der Kund­ge­bun­gen ab­zu­se­hen war, ein Ver­samm­lungs­ver­bot in der Um­ge­bung von der Woh­nung des ehe­ma­li­gen Schwimm­leh­rers. Der Pä­do­phi­le taucht auch nach sei­nem Pro­zess noch re­gel­mä­ßig in den Me­di­en auf. So zeig­te ein nie­der­län­di­scher Sen­der im ver­gan­ge­nen Mo­nat ei­ne um­fang­rei­che Do­ku­men­ta­ti­on über das Le­ben von Ben­no L., der selbst für den Bei­trag film­te. In dem Be­richt wer­den die Schwie­rig­kei­ten ge­zeigt, die der 65Jäh­ri­ge bei der Rück­kehr in die Ge­sell­schaft hat.

Ei­nen Schritt zu­rück dort­hin woll­te Ben­no L. in der Grenz­ge­mein­de tun. Ei­ne 53-jäh­ri­ge Kra­nen­bur­ge­rin such­te ei­nen Nach­mie­ter für ih­re 60-Qua­drat­me­ter gro­ße Dach­ge­schoss­woh­nung. „Es mel­de­ten sich meh­re­re In­ter­es­sen­ten. Er macht den bes­ten Ein­druck, war freund­lich und hilfs­be­reit“, sagt die Frau. Erst Wo­chen spä­ter er­fuhr die Ver­mie­te­rin, wer da in ihr Haus ein­ge­zo­gen ist. Es lag ei­ne Kar­te in ih­rem Brief­kas­ten, die Hin­wei­se auf das Le­ben ih­res neu­en Mie­ters gab. Die Kra­nen­bur­ge­rin war eben­so

Man­fred Ja­ko­bi ent­setzt wie ih­re Fa­mi­lie. Ih­re En­kel­kin­der dür­fen sie in ih­rem Haus der­zeit nicht be­su­chen. Die Sor­ge der El­tern sind zu groß.

Die Kreis­po­li­zei Kle­ve kennt den Mann und war über den Um­zug in die Grenz­ge­mein­de in­for­miert. „Un­se­re nie­der­län­di­schen Kol­le­gen ha­ben uns mit­ge­teilt, dass der Mann sich in Kranenburg ei­ne Woh­nung ge­sucht hat“, sagt Po­li­zei­spre­cher Man­fred Ja­ko­bi. Die Kri­po hat re­gel­mä­ßig Kon­takt mit Ben­no L. „Er zeigt sich ko­ope­ra­tiv. Wir hät­ten kei- ne Hand­ha­be ge­gen den Mann, wenn er sich nicht mit uns un­ter­hal­ten will“, be­tont Ja­ko­bi, der den 65Jäh­ri­gen als of­fen und zu­gäng­lich be­schreibt. „Er hat sei­ne Stra­fe ver­büßt und kann oh­ne Auf­la­gen le­ben“, sagt Ja­ko­bi.

Kra­nen­burgs Bür­ger­meis­ter Gün­ter St­eins kann nach­voll­zie­hen, dass sich El­tern Sor­gen ma­chen. Er be­tont je­doch, dass der Mann sei­ne Stra­fe ver­büßt ha­be. „Na­tür­lich kann er sich auf dem Markt ei­ne Woh­nung su­chen. Ich ha­be kei­ne Mög­lich­kei­ten, ir­gend­wel­che Maß­nah­men ein­zu­lei­ten“, sagt St­eins.

Doch scheint die Zeit, in der Ben­no L. in Kranenburg wohnt, bald be­en­det zu sein. Sein Miet­ver­trag wur­de ge­kün­digt, er hat die Kün­di­gung ak­zep­tiert. Er sei be­reits da­bei, sich ei­ne neue Woh­nung zu su­chen, so die Ver­mie­te­rin. Spä­tes­tens am En­de des Jah­res hat er die Grenz­ge­mein­de ver­las­sen und ver­sucht dann ir­gend­wo an­ders, ei­nen Schritt zu­rück in die Ge­sell­schaft zu schaf­fen.

„Er hat sei­ne Stra­fe ver­büßt und kann oh­ne Auf­la­gen le­ben“

Po­li­zei­spre­cher

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.