Nie­mand kas­siert mehr Elf­me­ter als Bo­rus­sia

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON STE­FAN KLÜTTERMANN

In zehn Pflicht­spie­len muss­ten die Mönchengladbacher neun Straf­stö­ße hin­neh­men – na­tür­lich auch beim 1:2 ge­gen Man­ches­ter Ci­ty.

MÖN­CHEN­GLAD­BACH Zu­wei­len sind es die ein­fa­chen Ana­ly­sen, die in ih­rer Lo­gik die klars­te Sicht auf ei­nen Sach­ver­halt bie­ten. Ana­ly­sen, wie die von Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bachs Flü­gel­flit­zer Patrick Herr­mann nach dem 1:2 in der Cham­pi­ons Le­ague ge­gen Man­ches­ter Ci­ty. „Es wird na­tür­lich schwie­rig, Spie­le zu ge­win­nen, wenn man in je­dem Spiel ei­nen Elf­me­ter ge­gen sich be­kommt“, sag­te Herr­mann. Und Bo­rus­sia kas­siert tat­säch­lich im bis­he­ri­gen Sai­son­ver­lauf im Schnitt fast ei­nen Elf­me­ter pro Par­tie. Ser­gio Agüe­ros Straf­stoß­tor in der Schluss­mi­nu­te war be­reits der ne­un­te Elf­me­ter ge­gen Bo­rus­sia im zehn­ten Pflicht­spiel. Ja, es sind so­gar neun in den ver­gan­ge­nen sie­ben Spie­len – und ma­xi­mal zwei da­von wa­ren dis­ku­ta­bel. Da­mit ver­ur­sa­chen die Glad­ba­cher eu­ro­pa­weit die meis­ten Straf­stö­ße – wenn man die sechs stärks­ten Li­gen der Ue­fa-Fünf­jah­res­wer­tung ver­gleicht.

Fünf­mal zeig­ten die Schieds­rich­ter be­reits in der Bun­des­li­ga auf den Punkt im Bo­rus­sen-Straf­raum, vier­mal schon in der Cham­pi­ons Le­ague. Die Foh­len ha­ben al­so ein ech­tes El­fer-Pro­blem. Und sie ha­ben ein Pro­blem, die­se ei­ne Ur­sa­che für die Mi­se­re aus­zu­ma­chen – ganz ein­fach, weil es die­sen ei­nen Grund nicht gibt. Ge­gen Man­ches­ter war es feh­len­de Kon­zen­tra­ti­on von Fa­bi­an John­son beim Foul an Agüe­ro, die

1 3. Spiel­tag, in Bre­men, zum 0:1, Mar­vin Schulz foult Ant­ho­ny Ujah im von Bo­rus­sia aus ge­se­hen rech­ten vor­de­ren Teil des Straf­raums. Aron Jo­hanns­son ver­wan­delt. 2 3. Spiel­tag, in Bre­men, Gra­nit Xha­ka trifft As­sa­ni Lu­ki­mya halb rechts im Straf­raum mit ho­hem Bein am Kopf. Fe­lix Kroos ver­schießt. 3 Cham­pi­ons Le­ague, in Se­vil­la, Yann Som­mer trifft Vi­to­lo im rech­ten Teil des Fünf­me­ter­raums. Kevin Ga­mei­ro ver­wan­delt zum 1:0. 4 Cham­pi­ons Le­ague, in Se­vil­la, Ro­el Brou­wers trifft Vi­to­lo im lin­ken, vor­de­ren Teil des Straf­raums. Ga­mei­ro schießt an die Lat­te. 5 Cham­pi­ons Le­ague, in Se­vil­la, To­ny Jantsch­ke foult Ga­mei­ro zen­tral im Straf­raum. Ever Ba­ne­ga ver­wan­delt zum 2:0. 6 6. Spiel­tag, ge­gen Augs­burg, Al­va­ro Do­m­in­guez er­wischt Don­gWon Ji mit dem El­len­bo­gen im halb­lin­ken Teil des Straf­raums. Paul Ver­ha­egh ver­wan­delt zum 1:4. 7 6. Spiel­tag, ge­gen Augs­burg, Gra­nit Xha­ka rennt Ja-Cheol Koo im halb­lin­ken Teil des Straf­raums um. Paul Ver­ha­egh ver­wan­delt zum 2:4. 8 7. Spiel­tag, in Stutt­gart, Ha­vard Nordtveit foult Da­ni­el Di­da­vi im halb­lin­ken Teil des Straf­raums. Da­ni­el Ginc­zek trifft zum 1:2. 9 Cham­pi­ons Le­ague, ge­gen Man­ches­ter, Fa­bi­an John­son foult Ser­gio Agüe­ro im halb­rech­ten Teil des Straf­raums. Agüe­ro trifft zum 1:2. Mön­chen­glad­bachs Nie­der­la­ge be­sie­gel­te.

Aber es wa­ren bei den vor­an­ge­gan­ge­nen Straf­stoß-Ent­schei­dun­gen auch schon Nai­vi­tät, feh­len­de Cle­ver­ness, Über­mut, Un­ge­schick­lich­keit und ge­dank­li­ches Schne­cken­tem­po als Ur­sa­chen im Ren­nen. Die Schau­plät­ze der elf­me­ter­rei­fen Fouls ha­ben zu­dem kei­nen Schwer­punkt: Bo­rus­sia foult über­all im Sech­zeh­ner. „Wir müs­sen fri­scher sein, den Schritt schnel­ler sein“, for­dert Her­mann ganz ge­ne­rell. Da­bei gilt: Das Elf­me­ter­pro­blem hat den Trai­ner­wech­sel von Lu­ci­en Fav­re zu André Schu­bert un­be­scha­det über­stan­den. „Es stimmt schon, dass wir manch­mal et­was zu un­ge­schickt und zu un­kon­trol­liert in die Zwei­kämp­fe ge­gan­gen sind. Dar­über müs­sen wir re­den und ver­su­chen, das ab­zu­stel­len. Aber grund­sätz­lich ist es schon mal wich­tig und po­si­tiv, dass die Mann­schaft die Zwei­kämp­fe an­nimmt“, sagt Schu­bert.

Pas­si­ver Ge­leit­schutz in­ner­halb des Sech­zehn­me­ter­raums ist al­so er­war­tungs­ge­mäß nicht die Lö­sung, er­folgs­ver­spre­chen­der ist da schon der An­satz, Eins-ge­gen-eins-Si­tua­tio­nen vor dem ei­ge­nen Tor wie­der sel­te­ner wer­den zu las­sen. Es gab Pha­sen in den de­fen­siv her­aus­ra­gen­den Glad­ba­cher Spiel­zei­ten 2011/12 und 2014/15, da ver­fing sich die Mehr­zahl der geg­ne­ri­schen An­griffs­ver­su­che schon vor dem Straf­raum in ei­ner ent­spre­chend

un­glück­li­che eng­ma­schig ver­tei­di­gen­den De­fen­si­ve. Da gilt es, wie­der hin­zu­kom­men – auch wenn man kon­sta­tie­ren muss, dass dies bei der in­di­vi­du­el­len Qua­li­tät der Cham­pi­ons-Le­ague-Geg­ner noch ein­mal schwie­ri­ger ist als im Bun­des­li­gaall­tag.

Die­ser All­tag sieht be­reits heu­te (15.30 Uhr) das nächs­te Heim­spiel vor. Cham­pi­ons-Le­ague-Mit­strei­ter VfL Wolfsburg reist an. Auch die Wöl­fe ver­lo­ren am Mitt­woch ge­gen Man­ches­ter (Uni­ted) nach 1:0 noch 1:2. Auch sie kas­sier­ten ein Ge­gen­tor per Elf­me­ter. Es ist Bo­rus­si­as letz­tes Spiel vor der Län­der­spiel­pau­se. Und auch wenn es das El­ferPro­blem gibt, sieht Schu­bert am En­de der drei Eng­li­schen Wo­chen dann doch noch ein nä­her­lie­gen­des. „Am ehes­ten macht mir die kör­per­li­che Be­las­tung Sor­gen, we­ni­ger die men­ta­le“, sag­te er.

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