Einst war Düsseldorf die un­um­strit­te­ne Num­mer zwei un­ter den deut­schen Ban­ken­plät­zen, doch nicht erst mit der Zer­schla­gung der Wes­tLB ka­men Zwei­fel. Franz-Jo­sef Arndt, Ge­schäfts­füh­rer des Ban­ken­ver­ban­des NRW, hält da­ge­gen. „Düsseldorf ist ein Hid­den Champ

Rheinische Post Goch - - EXTRA - VON JO­SÉ MA­CI­AS

Es wa­ren glor­rei­che Zei­ten. So man­cher Ban­kier denkt weh­mü­tig an die 80er-Jah­re zu­rück, als et­wa bei den Groß­ban­ken an der fei­nen Kö­nigs­al­lee noch Vor­stän­de der In­sti­tu­te re­si­dier­ten. Doch die Zei­ten ha­ben sich ge­än­dert, gründ­lich. Bei der Deut­schen Bank und der Com­merz­bank fo­kus­siert sich vie­les in der Bank­zen­tra­le in Frankfurt am Main (oder auch in Lon­don) und auch so man­ches alt­ehr­wür­di­ge In­sti­tut exis­tiert nicht mehr: Na­men wie Dresd­ner Bank, Si­mon-Bank oder zu­letzt auch Cre­dit Suis­se und Wes­tLB sind ver­schwun­den oder wur­den von Wett­be­wer­bern über­nom­men. Gleich­zei­tig macht München als Fi­nanz­platz von sich re­den und macht den Düs­sel­dor­fern den zwei­ten Platz strei­tig. „Düsseldorf ist und bleibt der zweit­größ­te Ban­ken­platz in Deutsch­land!“, be­tont da­ge­gen Franz-Jo­sef Arndt, Ge­schäfts­füh­rer des Ban­ken­ver­ban­des Nord­rhein-West­fa­len. Arndt ist seit vie­len Jah­ren Ge­schäfts­füh­rer des Ver­ban­des der pri­va­ten Ban­ken, der 67 In­sti­tu­te mit rund 29 000 Be­schäf­tig­ten re­prä­sen­tiert. Wie steht es um die Pri­vat­ban­ken im Land? Sind sie auf die Her­aus­for­de­run­gen wie Di­gi­ta­li­sie­rung, Fol­gen der Re­gu­la­to­rik und des schär­fe­ren in­ter­na­tio­na­len Wett­be­werbs vor­be­rei­tet?, woll­ten wir beim Be­such von Franz-Jo­sef Arndt wis­sen.

Der Ver­bands­ge­schäfts­füh­rer nimmt kein Blatt vor den Mund: „Die Kre­dit­wirt­schaft ist bun­des­weit von ei­nem mas­si­ven Struk­tur­wan­del be­trof­fen. Das spü­ren wir auch in Nord­rhein-West­fa­len. Al­le Ban­ken­grup­pen ha­ben in den ver­gan­ge­nen Jah­ren die Zahl ih­rer Nie­der­las­sun­gen stark re­du­ziert und An­pas­sun­gen in den Ge­schäfts­fel­dern vor­ge­nom­men. Die­ser Pro­zess ist noch nicht ab­ge­schlos­sen.“

Der Stand­ort Düsseldorf hat zwei­fel­los ge­lit­ten: „Der Un­ter­gang der Wes­tLB hat Düsseldorf schon stark ge­trof­fen.“Al­ler­dings be­tont Arndt lie­ber die Stär­ken und scheut auch den di­rek­ten Ver­gleich zu München nicht: „Düsseldorf ist ein Hid­den Cham­pi­on des Fi­nanz­plat­zes Deutsch­land.“

Die Stär­ke der Lan­des­haupt­stadt lie­ge in ih­rem breit an­ge­leg­ten, viel­fäl­ti­gen Ban­ken­sys­tem. „Wir ver­fü­gen hier über pri­va­te Groß- und Re­gio­nal­ban­ken, Spar­kas­sen, Lan­des­ban­ken, Ge­nos­sen­schafts­ban­ken und Spe­zi­al­ban­ken so­wie ei­ne gro­ße Zahl aus­län­di­scher Kre­dit­in­sti­tu­te. Au­ßer­dem ha­ben ei­ni­ge wich­ti­ge Ban­ken ih­ren Haupt­sitz in Düsseldorf: wie HSBC Trink­aus, Targo­bank, Bank­haus Lam­pe, die IKB so­wie die Apo-Bank und die WGZ-Bank.“

Für ei­nen ganz we­sent­li­chen Fak­tor hält der Ver­bands­ge­schäfts­füh­rer auch die För­der­ban­ken: „Mit der NRW.Bank ver­fügt der Stand­ort über die zweit­größ­te För­der­bank Deutsch­lands und die dritt­größ­te Eu­ro­pas!“

An­ders als in Bay­ern mit München sei­en aber die Ban­kAk­ti­vi­tä­ten in Nord­rheinWest­fa­len re­gio­nal we­ni­ger stark fo­kus­siert. Das sieht Franz-Jo­sef Arndt als Vor­teil der nord­rhein-west­fä­li­schen Ban­ken­land­schaft an. Und er ver­weist da­bei auf er­folg­rei­che In­sti­tu­te wie die Santan­der Con­su­mer Bank in Mön­chen­glad­bach, die Post­bank in Bonn, die Na­tio­nal-Bank in Es­sen oder die GEFA-Bank in Wup­per­tal. „Für aus­län­di­sche Ban­ken ist un­ser Stand­ort eben­falls im höchs­ten Ma­ße at­trak­tiv: Knapp ein Vier­tel der aus­län­di­schen In­ves­ti­tio­nen in Deutsch­land flie­ßen hier­her.“

Hat sich al­so die Ban­ken­land­schaft an Rhein und Ruhr nach der tief­grei­fen­den Fi­nanz­kri­se wie­der grund­le­gend er­holt? Franz-Jo­sef Arndt winkt ab: „Wir sind auf ei­nem gu­ten Weg, aber im ru­hi­gen Fahr­was­ser sind wir noch nicht. Wie al­le Ban­ken ha­ben un­se­re Mit­glie­der wei­ter­hin mit den Nied­rig­zin­sen und den Fol­gen der Re­gu­la­to­rik zu kämp­fen. Die Sta­bi­li­sie­rung des Fi­nanz­sek­tors mit den da­zu er­for­der­li­chen Maß­nah­men wird von uns un­ter­stützt. In der Sum­me füh­ren sie je­doch in­zwi­schen zu ei­ner Kom­ple­xi­tät, die we­der von den In­sti­tu­ten noch von der Auf­sicht in Gän­ze über­blickt wer­den kann. Hier se­hen wir schon Hand­lungs­be­darf.“Der Ge­schäfts­füh­rer be­rich­tet von in­kon­sis­ten­ten und un­ab­ge­stimm­ten Re­gu­lie­run­gen, über­bor­den­den Mel­de­er­for­der­nis­sen, feh­len­der Har­mo­ni­sie­rung der auf­sicht­li­chen und bi­lan­zi­el­len Be­richt­er­stat­tung und an­de­rem mehr. „Vor al­lem klei­ne­re Häu­ser be­rich­ten, dass ih­re un­ter­schied­li­chen Ge­schäfts­mo­del­le oft nicht be­rück­sich­tigt wer­den. Der Grund­satz der Pro­por­tio­na­li­tät, der in der Auf­sicht ei­gent­lich an­ge­legt ist, fin­det hier nicht hin­rei­chend Be­ach­tung. Dies ist nicht nur ein Pro­blem von Spar­kas­sen und Ge­nos­sen­schafts­ban­ken, auch wir ha­ben vie­le klei­ne und mitt­le­re Ban­ken als Mit­glie­der.“

Was Franz-Jo­sef Arndt hier so vor­sich­tig aus­drückt, wird von an­de­ren Bran­chen­ver­tre­tern längst als „Ge­fahr der Über­re­gu­lie­rung“be­zeich­net. Die Fül­le an Vor­schrif­ten und Prüf­me­cha­nis­men droht längst zur Brem­se für die Fi­nanz­wirt­schaft zu wer­den. Um den An­for­de­run­gen ge­recht zu wer­den, müs­sen die In­sti­tu­te mas­siv in ih­re IT und Per­so­nal in­ves­tie­ren.

Die Pri­vat­ban­ken ha­ben da­bei ei­nen Nach­teil: sie ver­fü­gen über kei­ne ein­heit­li­che ITPlatt­form in Deutsch­land. „In man­chen Häu­sern fließt der deut­lich größ­te Teil der IT-In­ves­ti­tio­nen in die Um­set­zung re­gu­la­to­ri­scher An­for­de­run­gen“, warnt Arndt. „Die­se Mit­tel feh­len für zu­kunfts­ge­rich­te­te In­ves­ti­tio­nen. Es gibt ei­ne struk­tu­rel­le Er­trags­schwä­che der deut­schen Ban­ken, im in­ter­na­tio­na­len Ver­gleich hän­gen die deut­schen In­sti­tu­te et­wa bei der Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te hin­ten­dran.“

Auch vie­le Kun­den füh­len sich von der zu­neh­men­de Bü­ro­kra­ti­sie­rung im­mer mehr ge­nervt. Die Er­öff­nung ei­nes Wert­pa­pier­de­pots er­for­dert lo­cker mal ei­nen Auf­wand von

Vor 20 Jah­ren noch be­schäf­tig­ten die Pri­vat­ban­ken rund 46 000 Mit­ar­bei­ter an Rhein und Ruhr

zwei St­un­den, und die Be­ra­tungs­pro­to­kol­le für Bank­ge­schäf­te sind nicht nur bei vie­len ver­mö­gen­den An­le­gern un­be­liebt. „Die pro­vi­si­ons­ge­stütz­te Be­ra­tung wird im­mer schwie­ri­ger“, er­gänzt Arndt. Es könn­te aber noch schlim­mer kom­men, wie Bei­spie­le aus den Nie­der­lan­den und Groß­bri­tan­ni­en zei­gen. Dort wur­de die Pro­vi­si­ons­be­ra­tung ver­bo­ten, An­le­ger wer­den nur noch auf Ho­norar­ba­sis be­ra­ten. „Die Fol­ge ist, dass vor al­lem Klein­an­le­ger kei­ne Be­ra­tung mehr er­hal­ten. Wir plä­die­ren da­her für ein Ne­ben­ein­an­der von Pro­vi­si­ons- und Ho­no­rar­mo­del­len. Wei­ter­ge­hen­de For­de­run­gen nach ei­nem Pro­vi­si- ons­ver­bot leh­nen wir ab!“Arndt ver­weist auf ei­ne Un­ter­su­chung des Deut­schen Ak­ti­en­in­sti­tus, nach der ei­ne Rei­he von Ban­ken sich aus der Ak­ti­en­be­ra­tung zu­rück­ge­zo­gen ha­be. „Dies kann doch nicht ernst­haft ge­wollt sein“, gibt er sich über­zeugt.

Die Fol­gen der struk­tu­rel­len Ve­rän­de­run­gen ma­chen sich auch in der Mit­ar­bei­ter­zahl be­merk­bar. Vor 20 Jah­ren noch be­schäf­tig­ten die Pri­vat­ban­ken rund 46 000 Mit­ar­bei­ter an Rhein und Ruhr, jetzt sind es nur noch 29 000. „Nicht al­les ist ech­ter Ar­beits­platz­ab­bau, Out­sour­cing und Ver­la­ge­rung von Ar­beits­plät­zen in die Kon­zern­zen­tra­len nach Frankfurt ka­men hin­zu“, so der Ban­ken­ver­band.

Zu­dem drän­gen neue Un­ter­neh­men mit di­gi­ta­len Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen auf den Markt. Die­se so ge­nann­ten Fin­techs müs­sen zwar noch be­wei­sen, dass ihr An­ge­bot dau­er­haft funk­tio­niert. Aber die Pri­vat­ban­ken wün­schen sich hier ei­ne Gleich­be­hand­lung: „Wenn sol­che Un­ter­neh­men Bank­dienst­leis­tun­gen an­bie­ten, dann müs­sen für sie die glei­chen Vor­schrif­ten wie für Ban­ken gel­ten!“

Gleich­zei­tig trei­ben die Ban­ken ihr ei­ge­nes di­gi­ta­les An­ge­bot vor­an. Noch vor Weih­nach­ten wer­de die deut­sche Kre­dit­wirt­schaft mit Pay Di­rekt bun­des­weit in das Ge­schäft mit dem kon­takt­lo­sen Be­zah­len ein­stei­gen. Arndt ist da­bei ei­nes be­wusst: „Die Di­gi­ta­li­sie­rung wird das Ban­ken­ge­schäft in den nächs­ten Jah­re si­cher­lich gra­vie­rend ver­än­dern.“

FO­TO: MICHAEL LÜB­KE

Franz-Jo­sef Arndt, Ge­schäfts­füh­rer des Ban­ken­ver­ban­des Nord­rhein-West­fa­len

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