Nach­hal­tig­keit neu ge­dacht

Rheinische Post Goch - - EXTRA - VON JÜR­GEN GRO­SCHE

Aus un­ter­schied­li­chen Be­weg­grün­den in­ter­es­sie­ren sich Men­schen und Or­ga­ni­sa­tio­nen für ethisch nach­hal­ti­ge In­vest­ments. Kor­rup­ti­ons­kon­trol­len und -vor­schrif­ten sind schär­fer ge­wor­den, manch ein Kon­zern muss­te ho­he Geld­bu­ßen zah­len. Stif­tun­gen ha­ben oft stren­ge An­la­ge­vor­schrif­ten. Vie­le wol­len nicht nur mit den Er­trä­gen Gu­tes be­wir­ken, son­dern schon mit der Geld­an­la­ge. Auch Pri­vat­an­le­ger ach­ten zu­neh­mend dar­auf, wo ihr Geld in­ves­tiert wird. Nach- hal­ti­ge Geld­an­la­gen ge­win­nen zu­neh­mend an Be­deu­tung. Das Vo­lu­men ent­spre­chen­der Pu­bli­kums­fonds ist im deutsch­spra­chi­gen Raum seit 1999 von rund zwei Mil­li­ar­den auf 400 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­wach­sen (laut Sustainable Bu­si­ness In­sti­tu­te). Die Nach­fra­ge ist groß, das hat auch die Stadt­spar­kas­se Düsseldorf er­fah­ren – di­rekt von den Kun­den. Das In­sti­tut pflegt den Kon­takt zum Bei­spiel über ei­nen Bei­rat „Mit­tel­stand im Dia­log“. 14 Un­ter­neh­mer aus ver­schie­de­nen Bran­chen ge­ben der Stadt­spar­kas­se An­re- gun­gen zu The­men, die die Bank­kun­den in­ter­es­sie­ren.

Ei­ne Be­son­der­heit des Düs­sel­dor­fer In­sti­tuts: Die Zu­stän­dig­keit für Fir­men­kun­den, Stif­tun­gen, die Steue­rung der Ver­mö­gens­an­la­gen und die Be­treu­ung von Pri­va­te Ban­king-Kun­den ist or­ga­ni­sa­to­risch in ei­nem Vor­stands­be­reich ge­bün­delt, den Spar­kas­sen-Vor­stand Ka­rin-Bri­git­te Gö­bel ver­ant­wor­tet und ko­or­di­niert. So ent­ste­hen oft krea­ti­ve Lö­sun­gen quer über die Ge­schäfts­fel­der. Im Mit­tel­stands­bei­rat wur­de denn auch die Idee ge­bo­ren, das The­ma Nach­hal­tig­keit in ei­nem kon­kre­ten Pro­dukt dar­zu­stel­len, das für An­le­ger in­ter­es­sant ist.

Die Fi­nanz­spe­zia­lis­ten der Stadt­spar­kas­se grif­fen das ger­ne auf und kre­ierten ei­nen Fonds. Für die pas­sen­den Kon­zep­te konn­ten sie auf die Er­fah­rung ih­res Hau­ses bau­en: „Nach­hal­tig er­folg­rei­che In­vest­ments tä­ti­gen die Spe­zia­lis­ten der Stadt­spar­kas­se oh­ne­hin seit vie­len Jah­ren, und die Stadt­spar­kas­se steht an sich schon für Nach­hal­tig­keit“, sagt Ka­rin-Bri­git­te Gö­bel. Die Ex­per­ten kom­bi­nier­ten Be­währ­tes und für das neue Pro­dukt war auch bald ein pas­sen­der Na­me ge­fun­den: „Wert­voll 1825“. Die Jah­res­zahl er­in­nert an die Grün­dung der Stadt­spar­kas­se vor 190 Jah­ren und da­mit an die lang­fris­ti­ge Ori­en­tie­rung des Hau­ses.

Auf meh­re­ren Ebe­nen setzt der Fonds an, Nach­hal­tig­keit zu si­chern. Zu­nächst wer­den die Wer­te de­fi­niert. So­zia­le, öko­lo­gi­sche und öko­no­mi­sche Kri­te­ri­en schlie­ßen ei­ne Rei­he von In­vest­ments aus. Da­bei geht es um The­men wie Men­schen­rech­te, Kli­ma­schutz, Atom­waf­fen, Kin­der­ar­beit, Ar­beits­rech­te, To­des­stra­fe oder Geld­wä­sche. „Wich­tig ist zu de­fi­nie­ren, an wel­chen Kri­te­ri­en man die Ein­stu­fung kon­kret fest macht und auch wie tief man in die Wert­schöp­fungs­ket­te hin­ein schaut“, er­klärt Dr. Ste­fan Dahm, stell­ver­tre­ten­des Vor­stands­mit­glied der Stadt­spar­kas­se Düsseldorf: So wer­den auch Zu­lie­fe­rer der be­trach­te­ten Un­ter­neh­men in die Über­prü­fung ein­be­zo­gen.

Die Stadt­spar­kas­se greift hier­zu auf Ana­ly­sen der re­nom­mier­ten Ra­ting-Agen­tur Oe­kom Re­se­arch zu­rück. Sie zählt nach An­ga­ben der Stadt­spar­kas­se zu den welt­weit füh­ren­den Agen­tu­ren auf dem Ge­biet der Nach­hal­tig­keit. Die In­vest­ment-Ent­schei­dung tref­fen nach Aus­wer­tung der Ana­ly­sen dann die An­la­ge­ex­per­ten der Stadt­spar­kas­se. Sie ver­fol­gen ei­nen „Best-in-class“-An­satz, der noch mit Aus­schluss­kri­te­ri­en kom­bi­niert wird, stel­len al­so ein Nach­hal­tig­keitsRan­king auf. „Er­reicht ein Ti­tel die ge­setz­ten Stan­dards, ist die­ser für un­ser Port­fo­lio in­ves­tier­bar. Da­bei bleibt aber die Ri­si­ko­streu­ung stets er­hal­ten“, er­klärt Dr. Ste­fan Dahm. Bei der Aus­wahl spie­len dann na­tür­lich auch die Per­for­man­ce­aus­sich­ten ei­ne tra­gen­de Rol­le.

Die Ex­per­ten si­chern sich zu­sätz­li­che Un­ter­stüt­zung durch ein wei­te­res Gre­mi­um: Die Stadt­spar­kas­se ruft ei­ne Wer­te­kom­mis­si­on ins Le­ben; gera­de lau­fen die Ge­sprä­che da­für. Ver­tre­ter aus Stif­tun­gen, mit­tel­stän­di­schen Un­ter­neh­men, der In­ves­to­ren, von Oe­kom Re­se­arch und der Stadt­spar­kas­se wer­den die Fonds­ex­per­ten bei der ste­ti­gen Wei­ter­ent­wick­lung der Nach­hal­tig­keits­kri­te­ri­en be­ra­ten. Das An­la­ge­s­pek­trum um­fasst Ak­ti­en und Ren­ten­pa­pie­re. Der An­la­ge­ho­ri­zont ist welt­weit; der Fonds ent­hält zwi­schen 100 und 200 Ein­zel­ti­tel.

Seit April ist das Pro­dukt am Markt und hat die Initia­to­ren be­reits po­si­tiv über­rascht. Ob­wohl die Bank den Fonds noch nicht groß be­wor­ben hat, sind be­reits knapp zehn Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert. Die Stadt­spar­kas­se ist über­zeugt vom Kon­zept und un­ter­streicht dies durch ihr ei­ge­nes En­ga­ge­ment in Hö­he von fünf Mil­lio­nen Eu­ro. „Wir ver­zeich­nen ei­ne ho­he Ak­zep­tanz der ers­ten Kun­den“, freut sich Ka­rin-Bri­git­te Gö­bel. Wäh­rend zu­nächst vor al­lem in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren im Fo­kus stan­den, in­ter­es­sie­ren sich nun auch im­mer mehr Pri­vat­an­le­ger: „Wir sind selbst über­rascht, wie po­si­tiv auch hier die Re­so­nanz ist“, sagt Dr. Ste­fan Dahm.

Vie­le wol­len nicht nur mit den Er­trä­gen Gu­tes be­wir­ken, son­dern schon mit

der Geld­an­la­ge

FO­TO: THINKSTOCK/ZOONAR RF

Öko­lo­gi­sche Aspek­te, fai­re Ar­beits­be­din­gun­gen: In­ves­to­ren ach­ten zu­neh­mend auf die Nach­hal­tig­keit ih­rer Geld­an­la­gen. Ent­spre­chend wächst das An­ge­bot an Fonds, die ent­spre­chen­de Kri­te­ri­en be­ach­ten. Das Vo­lu­men ist im deutsch­spra­chi­gen Raum seit 1999 von rund zwei Mil­li­ar­den auf 400 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­wach­sen.

FO­TOS: STADT­SPAR­KAS­SE

Ka­rin-Bri­git­te Gö­bel, Spar­kas­sen­Vor­stand

Dr. Ste­fan Dahm, stell­ver­tre­ten­des Vor­stands­mit­glied

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