Pri­vat­ban­ken im Wan­del

Rheinische Post Goch - - EXTRA - VON THO­MAS DRUY­EN

Die Le­bens­welt der Kun­den ver­än­dert sich fun­da­men­tal. Dar­auf müs­sen und wol­len die Pri­vat­ban­ken re­agie­ren. Es geht nicht um Mar­ke­ting und Ver­spre­chen, son­dern um ei­nen neu­en Geist, zwi­schen Kli­ent und Be­ra­ter. Viel­leicht ist der neue Geist, aber auch ein al­ter, nur die In­hal­te ha­ben sich ex­trem ge­wan­delt. Für vie­le Jahr­hun­der­te war der Ban­kier ein Freund und Ver­trau­ter der Fa­mi­lie, der nicht nur die Ge­schäf­te be­treu­te, son­dern auch in fa­mi­liä­ren, psy­cho­lo­gi­schen, kri­sen­ori­en­tier­ten Din­gen, der Mann des Ver­trau­ens war. Oft­mals konn­te die­se Nä­he über meh­re­re Ge­ne­ra­tio­nen er­hal­ten wer­den. Aber die­ses Band ist in den letz­ten Jah­ren durch Skan­da­le, Grö­ßen­wahn und Ego­zen­trik in vie­len Fäl­len zer­ris­sen wor­den.

Die maß­lo­se Ent­täu­schung, die dies zur Fol­ge hat­te, soll­te auch durch ei­ne schüt­zen­de Re­gu­la­to­rik all­mäh­lich wie­der aus­ge­gli­chen wer­den. Heu­te muss man sich fra­gen, wem die­se Re­gu­la­ri­en, die müh­sam und be­schwer­lich sind, ei­gent­lich die­nen sol­len. Kun­den und Be­ra­ter sind glei­cher­ma­ßen Ge­fan­ge­ne ei­ner Schutz­vor­keh­rung, die gut ge­meint war, aber schlecht ge­macht wur­de. Ent­schei­dend für die Zu­kunft wird es aber sein, wie sich die Ver­trau­ens­ver­hält­nis­se wei­ter ver­tie­fen und aus­bau­en las­sen. Da­zu ge­hört es si­cher auch, sich auf die Ver­mö­gens­kom­pe­tenz des Kun­den und die Kom­ple­xi­tät der Märk­te ar­gu­men­ta­tiv ein­zu­stel­len.

Der de­mo­gra­fi­sche Wan­del und die Di­gi­ta­li­sie­rung al­lein stel­len Pri­vat­ban­ken und ih­re mög­li­chen Kun­den aus un­ter­schied­li­chen Ge­ne­ra­tio­nen vor gan­ze neue Her­aus­for­de­run­gen. Drei­ßig Jah­re län­ger le­ben und Al­go­rith­men als Le­bens­be­ra­ter sor­gen für neue Exis­tenz­mo­del­le, die die Bür­ger noch nicht ab­se­hen kön­nen. Al­le Sei­ten sind ge­for­dert, ein le­bens­lan­ges und sich dau­ernd wan­deln­des Ler­nen zu prak­ti­zie­ren und zu ver­in­ner­li­chen. Vor die­ser Un­vor­her­seh­bar­keit soll­ten die Pri­vat­ban­ker zu be­zahl­ten Freun­den wer­den, die nur ei­ner obers­ten Prio­ri­tät Fol­ge leis­ten: Ehr­lich­keit im In­ter­es­se des Kun­den.

Al­le Sei­ten sind ge­for­dert, ein le­bens

lan­ges und sich wan­deln­des Ler­nen

zu prak­ti­zie­ren

FO­TO: MICHAEL LÜB­KE

Der Ver­mö­gens­py­cho­lo­ge Prof. Dr. Tho­mas Druy­en

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