NSU-Op­fer exis­tiert an­geb­lich nicht

Rheinische Post Goch - - PANORAMA -

Ne­ben­klä­ger soll die of­fen­bar nicht exis­ten­te Frau als Man­dan­tin an sei­nen An­walt ver­mit­telt ha­ben.

MÜNCHEN/KÖLN (dpa) Im Münch­ner NSU-Pro­zess ist ei­ne Frau als Op­fer und Ne­ben­klä­ge­rin zu­ge­las­sen, die nach Aus­sa­ge ih­res An­walts „nach ak­tu­el­lem Kennt­nis­stand“gar nicht exis­tiert. Er sei von ei­nem an­de­ren ver­meint­li­chen Op­fer des Bom­ben­an­schlags an der Köl­ner Keup­st­ra­ße im Jahr 2004 ge­täuscht wor­den, ließ der Ju­rist Ralph Will­ms über sei­nen ei­ge­nen Rechts­bei­stand mit­tei­len. Will­ms ver­tritt die of­fen­bar er­fun­de­ne Man­dan­tin seit Be­ginn des NSU-Pro­zes­ses im Mai 2013. Nach In­for­ma­tio­nen von „Spie­gel On­line“soll er An­zei­ge er­stat­tet und sein Man­dat ges­tern nie­der­ge­legt ha­ben.

Das Ober­lan­des­ge­richt (OLG) München konn­te das noch nicht be- stä­ti­gen. Beim Se­nat sei bis zum Nach­mit­tag kei­ne Er­klä­rung Will­ms’ ein­ge­gan­gen, hieß es. Spre­cher der Staats­an­walt­schaf­ten Köln und München I sag­ten auf An­fra­ge, bei ih­nen lie­ge noch kei­ne An­zei­ge vor. Die An­ge­le­gen­heit war in die­ser Wo­che vom Vor­sit­zen­den Rich­ter Man­fred Götzl ins Rol­len ge­bracht wor­den. Götzl hat­te Will­ms am Di­ens­tag in der öf­fent­li­chen Ver­hand­lung auf­ge­for­dert zu klä­ren, wo sich sei­ne Man­dan­tin auf­hält. Er ha­be mehr­mals ver­geb­lich ver­sucht, sie als Zeu­gin zum Pro­zess zu la­den.

Schlüs­sel­fi­gur in der An­ge­le­gen­heit soll ein an­de­rer Ne­ben­klä­ger sein, der gel­tend macht, zu den Op- fern des Köl­ner Na­gel­bom­ben­an­schlags vom 9. Ju­ni 2004 zu ge­hö­ren. Auch er ist im NSU-Pro­zess ver­tre­ten. Die­ser Mann soll die of­fen­bar nicht exis­ten­te Frau als Man­dan­tin an Rechts­an­walt Will­ms ver­mit­telt ha­ben. Will­ms ließ mit­tei­len, der Mann ha­be ihm ein Fo­to der Frau ge­zeigt. Da­zu ha­be er die Aus­kunft er­hal­ten, die Frau sei krank und hal­te sich in der Tür­kei auf. Dar­um sei ein per­sön­li­cher Kon­takt zu ihr nicht mög­lich.

Aus der Mit­tei­lung geht auch her­vor, dass der Mann ei­ne Ge­gen­leis­tung ver­langt ha­ben soll. Er „hat das Man­dat ge­gen Pro­vi­si­on an Rechts­an­walt Will­ms ver­mit­telt“, heißt es dar­in. Jetzt ha­be sich aber her­aus­ge- stellt, dass er die Frau un­ter an­de­rem Na­men gleich­zei­tig ei­nem wei­te­ren An­walt an­die­nen woll­te. Dem ha­be er das­sel­be Fo­to ge­zeigt. Das sei erst jetzt auf­ge­fal­len, wo­durch „die wohl be­trü­ge­ri­schen Ma­chen­schaf­ten“des Man­nes „eher zu­fäl­lig“ent­larvt wor­den sei­en.

Bei dem Köl­ner Bom­ben­an­schlag wa­ren 22 Men­schen ver­letzt wor­den. Als un­mit­tel­ba­re Tä­ter gel­ten die NSU-Mit­glie­der Uwe Mund­los und Uwe Böhn­hardt. Im NSU-Pro­zess muss sich Bea­te Zschä­pe als mut­maß­li­che Mit­tä­te­rin ver­ant­wor­ten. Sie ist au­ßer­dem für die zehn Mor­de an­ge­klagt, die dem „Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Un­ter­grund“zu­ge­schrie­ben wer­den.

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