„Luxemburg-Leaks“– Ikea ver­är­gert EU-Par­la­men­ta­ri­er

Rheinische Post Goch - - WIRTSCHAFT -

BRÜSSEL (ma­xi/zie) Mit­ten in der Au­f­ar­bei­tung der in die Kri­tik ge­ra­te­nen Lu­xem­bur­ger Steu­er­spar­mo­del­le hat sich das schwe­di­sche Mö­bel­haus Ikea ei­nen gro­ben Schnit­zer er­laubt. An­statt ei­ner Vor­la­dung des Son­der­aus­schus­ses des EU-Par­la­ments nach­zu­kom­men, um dort zu sei­ner Steu­er­zahl-Pra­xis aus­zu­sa­gen, ver­schick­te der Kon­zern an die Ab­ge­ord­ne­ten ei­ne „Ein­la­dung zur in­for­mel­len Steu­er-Dis­kus­si­on“am 17. No­vem­ber. Das geht aus ei­nem Schrei­ben her­vor, das un­se­rer Zei­tung vor­liegt. Dem­nach woll­te Ikea mit den Par­la­men­ta­ri­ern lie­ber im grie­chi­schen Re­stau­rant „Er­gon“hin­ter ver­schlos­se­nen Tü­ren das un­lei­di­ge The­ma dis­ku­tie­ren, als sich öf­fent­li­chen Fra­gen aus­zu­set­zen.

Hin­ter­grund: Re­por­tern wa­ren 28.000 Sei­ten Ak­ten in die Hän­de ge­fal­len, die die – wenn auch le­ga­len – Steu­er­tricks im Groß­her­zog­tum of­fen­leg­ten. Mit Hil­fe von Ban­ken und Steu­er­be­ra­tern wur­den Ge­win­ne, Kos­ten und Ak­ti­vi­tä­ten über Län­der­gren­zen hin und her ge­scho­ben. Ver­la­gert wur­den Pa­ten­te, Mar­ken­rech­te, Li­zenz­ge­büh­ren oder Dar­le­hens­zin­sen in Toch­ter­fir­men in Steu­er­oa­sen. Das drück­te den zu ver­steu­ern­den Ge­winn. Der Mö­bel­rie­se hat­te so 2010 nur 48.000 Eu­ro Steu­ern zah­len müs­sen – und das bei ei­nem Ge­winn von mehr als 2,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. Hil­fe gab es von­sei­ten Lu­xem­burgs.

Die EU-Par­la­men­ta­ri­er re­agier­ten ex­trem ver­schnupft auf Ikeas Mau­schel-Ver­such, spra­chen von ei­nem „scham­lo­sen Vor­ge­hen“. Ikea ist al­ler­dings kein Ein­zel­fall. Vie­le Fir­men schlu­gen die Ein­la­dung des Aus­schus­ses aus, wes­halb die­ser nun for­dert, de­ren Lob­by­is­ten den Par­la­ments­zu­gang zu ver­weh­ren. Auch die Aus­sa­gen man­cher, die er­schie­nen, lie­ßen zu wün­schen üb­rig. So sag­te der Ver­tre­ter des Öl­kon­zerns To­tal, des­sen En­ga­ge­ment auf den Ber­mu­das ha­be nichts mit Steu­ern, son­dern mit „Tra­di­ti­on“zu tun.

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