Die Ta­fel vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen

Rheinische Post Goch - - GOCH / UEDEM - VON SI­NA ZEHRFELD

Die jüngs­te gro­ße Hür­de ist gera­de ge­schafft: Die Keve­lae­rer Ta­fel hat ih­ren neu­en Kühl­wa­gen ab­be­zahlt. Doch es gibt neue Schwie­rig­kei­ten zu meis­tern. Seit et­wa sechs Wo­chen kom­men vie­le Flücht­lin­ge, und es wer­den im­mer mehr.

KEVE­LA­ER Et­wa 230 „Stamm­kun­den“hat die Ta­fel in Keve­la­er und den um­lie­gen­den Ort­schaf­ten. „In der Re­gel kom­men zwi­schen 180 und 200 Leu­te in der Wo­che“, er­zählt der Vor­sit­zen­de Wil­fried Binn. So war es je­den­falls bis et­wa Mit­te Au­gust. „Jetzt kom­men noch mal 80

„Es gibt ein Sprach­pro­blem. Aber auch im­mer je­man­den, der über­set­zen kann“

Han­ni Hen­te­mann bis 100 Flücht­lin­ge da­zu.“

Im­mer diens­tags und don­ners­tags ist die Ta­fel ge­öff­net. Der Di­ens­tag ist für Fa­mi­li­en mit Kin­dern, Se­nio­ren und Men­schen mit schwe­ren Be­hin­de­run­gen re­ser­viert. Don­ners­tags ist je­der Be­dürf­ti­ge will­kom­men – und dann platzt die Aus­ga­be­stel­le aus al­len Näh­ten.

Han­ni Hen­te­mann or­ga­ni­siert das Ge­schäft Wo­che für Wo­che. „Das ist in den ver­gan­ge­nen sechs Wo­chen ge­kom­men“, be­schreibt sie die Ent­wick­lung: „Das ging Schlag auf Schlag.“In den Flücht­lings­un­ter­künf­ten spricht sich das An­ge­bot her­um. Vor al­lem jun­ge Män­ner neh­men die Hil­fe in An­spruch. Bei der Ab­wick­lung gibt es da­durch prin­zi­pi­ell kei­ne Schwie­rig­kei­ten, sagt Hen­te­mann: „Es gibt na­tür­lich ein Sprach­pro­blem. Aber es gibt im­mer je­man­den, der über­set­zen kann.“Die Be­dürf­nis­se der Flücht­lin­ge sind et­was an­ders als die der deut­schen Kun­den: „Sie sind sehr vor­sich­tig: kein Fleisch. Wenn wir ge­nug Nu­deln, Milch und Jo­ghurt ha­ben, und vor al­lem Obst, dann sind die glück­lich.“

Auch mensch­lich ha­be man mit die­sen neu­en Gäs­ten kei­nes­wegs schlech­ten Er­fah­run­gen ge­macht: „Die sind al­le ganz freund­lich und fried­lich“, er­zählt Hen­te­mann. Nur: Die Vor­rä­te wer­den knapp.

Und es wird un­glaub­lich voll an den Aus­ga­be­ta­gen. Die Kun­den kom­men nach ei­nem Los­ver­fah­ren an die Rei­he, das heißt: Mit­un­ter gibt es so bei vie­len Hil­fe­su­chen­den lan­ge War­te­zei­ten. Ge­öff­net ist ab 14 Uhr, min­des­tens bis 18 Uhr – bis der letz­te ab­ge­fer­tigt oder das Es­sen al­le ist. In­zwi­schen kommt es vor, dass Ta­fel-Stamm­kun­den, die die Hil­fe heu­te schließ­lich nicht we­ni­ger nö­tig ha­ben als frü­her, weg­blei­ben. Und an­de­re kom­men und ma­chen deut­lich, dass ih­nen der An­drang der Flücht­lin­ge nicht passt.

Die Ta­fel hält ih­re ei­ge­ne Bot­schaft da­ge­gen: Be­dürf­tig ist be­dürf­tig. Die Flücht­lin­ge ha­ben sich ih­re Le­bens­la­ge nicht aus­ge­sucht, und nie­mand möch­te mit ih­nen tau­schen. Trotz die­ser Über­zeu­gung se­hen die Ta­fel-Mit­ar­bei­ter: Die La­ge ist schwie­rig, und es zeich­net sich kei­ne Ent­span­nung ab. Ne- ben den ge­spen­de­ten Le­bens­mit­tel wür­den man nun auch Vor­rä­te zu­kau­fen, wenn es da­für Geld­spen­den gä­be. „Wir wis­sen, was ge­braucht wird“, sagt Wil­fried Binn.

We­nigs­tens ei­ne fi­nan­zi­el­le Sor­ge ist die Ta­fel los: Der im Som­mer an­ge­schaff­te Kühl­wa­gen ist jetzt schul­den­frei. 33 000 Eu­ro hat er ge­kos­tet, mit vie­len Ra­bat­ten, Spon­so­ring und Ent­ge­gen­kom­men. Jetzt hat die Spar­kas­se die zu­letzt noch feh­len­den 4000 Eu­ro zu­ge­schos­sen. Der grö­ße auf ein­mal ge­stif­te­te Bat- zen von 10 000 Eu­ro stammt aus dem Lidl-Spen­den­pro­jekt „Gu­te Tat am Pfan­d­au­to­mat“. Und den Rest brach­te die Ta­fel über gut zwei Jah­re mit Hil­fe vie­ler Spen­der aus der Re­gi­on zu­sam­men.

Wer der Ta­fel Geld für Le­bens­mit­tel-Zu­käu­fe spen­den möch­te, kann sich un­ter der Te­le­fon­num­mer 028329778688 oder per E-Mail an in­fo@keve­lae­rer-ta­fel.de über die Mög­lich­kei­ten er­kun­di­gen. Die An­sprech­part­ner hel­fen ger­ne bei ent­spre­chen­den An­fra­gen.

RP-FO­TO: GER­HARD SEYBERT

Wil­fried Binn, Franz-Jo­sef Swerts, Tho­mas Mül­ler (von links) und Han­ni Hen­te­mann freu­en sich, dass der neue Kühl­wa­gen jetzt ab­be­zahlt und die Ta­fel schul­den­frei ist. Das ging nur mit Hil­fe vie­ler Spon­so­ren und Hilfs­an­ge­bo­ten.

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