Hei­mat un­ter der Schwa­nen­burg

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KLEVE - VON MAT­THI­AS GRASS

KLE­VE Land­wirt Jo­sef Pe­ters muss nicht lan­ge über­le­gen, wenn er ge­fragt wird, was für ihn Hei­mat ist: Der Acker und die um­ge­ben­de Land­schaft. „Als Land­wirt ist das kei­ne Fra­ge – es ist Sal­morth und die Düf­fel, das Land, das un­se­re Vor­fah­ren über Jahr­hun­der­te als ei­ne so schö­ne Kul­tur­land­schaft ge­schaf­fen ha­ben. So schön, dass Brüssel sie so­gar un­ter Schutz stellt“, sagt er. Dass Land­wir­te das Land und da­mit die Hei­mat gestal­ten und er­hal­ten, das er­fül­le ihn auch mit Stolz – dem Stolz des Be­rufs­stan­des. Doch auch Pe­ters weiß, dass heu­te der Hei­mat­be­griff nicht mehr an die Schol­le ge­bun­den ist. Vie­le müs­sen aus be­ruf­li­chen Grün­den weg­zie­hen, müs­sen ei­ne neue Hei­mat fin­den, sagt er. Das wä­re für ihn je­doch un­vor­stell­bar.

„Hei­mat lässt sich an kei­nen be­stimm­ten Ort fest­ma­chen. Viel­mehr ist Hei­mat das war­me Ge­fühl von Ge­bor­gen­heit und Ver­traut­heit. Es ist der Ort an dem man Kraft und Ru­he tan­ken kann und wo man von Men­schen um­ge­ben ist, mit de­nen man la­chen aber auch wei­nen kann“, sagt Bun­des-Um­welt­mi­nis- te­rin Dr. Bar­ba­ra Hend­ricks. Hei­mat ist al­so da, wo Freun­de und nicht zu­letzt die Fa­mi­lie ist. Die Mi­nis­te­rin für Um­welt, Bau­en und Re­ak­tor­si­cher­heit, die der­zeit auf der gan­zen Welt zu­hau­se scheint, blieb ih­rer Hei­mat ver­bun­den, lebt mit Blick auf den Ker­mis­dal im Schat­ten der Burg in Kle­ve. Nicht oh­ne auch in Berlin ein Stück Zu­hau­se zu ha­ben.

Un­ter dem Ober­be­griff Hei­mat star­tet die RP ab Mon­tag ei­ne drei­wö­chi­ge Rei­he, die sich in der ers­ten Wo­che dem The­ma „Hei­mat ge­nie­ßen“, in der nächs­ten Wo­che mit „Hei­mat er­le­ben“und schließ­lich in der letz­ten Wo­che „Hei­mat ent­de­cken“wid­met. Die Rei­he er­zählt von den Men­schen in der Hei­mat, von ih­rer Ge­schich­te und ih­rem Brauch­tum.

Für Metz­ger­meis­ter Lothar Quar­tier ist der Reichs­wald Hei­mat, durch den er in lan­gen Wan­de­run­gen mit sei­nem Hund Chu­ma streift. Hei­mat sind sei­ne Freun­de und Kon­tak­te, es ist sei­ne Hei­mat­stadt Kle­ve. „Das hat mich so ge­prägt, dass ich das auch zur De­vi­se für mein Ge­schäft ge­macht ha­be“, sagt der Mann, der „Ma­de in Kle­ve“oder „re­gio­nal ist ide­al“zum Slo­gan für sei­ne Metz­ge­rei-Pro­duk­te ge­macht hat. Din­ge aus der Re­gi­on für die Men­schen in der Re­gi­on eben. Nicht nur Quar­tier er­fuhr: Hei­mat und Re­gi­on, das spricht die Men­schen wie­der an. „Un­se­re Kun­den iden­ti­fi­zie­ren sich da­mit – und als wir Milch aus Bay­ern im Re­gal hat­ten, hab’s Pro­tes­te – wir ha­ben dann na­tür­lich wie­der re­gio­na­le Milch an­ge­bo­ten“, er­zählt er.

Linh Mai stu­diert an der Hoch­schu­le Rhein-Waal. Ih­re Hei­mat aber bleibt Viet­nam. Den Kon­takt mit Fer­n­ost hält sie übers In­ter­net, über Face­book – und kom­pen­siert ihr Heim­weh, in­dem sie ih­ren Freun­den re­gel­mä­ßig von ih­rer Hei­mat er­zählt. Gera­de auch auf Face­book. „Hei­mat ist für mich dort, wo ich mei­ne Kind­heit ver­bracht ha­be“, sagt die Stu­den­tin, die beim Se­mes­ter­auf­takt den Ers­tis half, sich dort zu­recht­zu­fin­den, wo sie bald auch ein Stück­chen Hei­mat ha­ben: Ein Zu­hau­se auf dem Cam­pus der Hoch­schu­le zwi­schen 107 an­de­ren Na­tio­nen.

Kom­men­den Mon­tag star­tet die RP ei­ne Se­rie zum The­ma „Hei­mat“. Drei Wo­chen lang wid­men wir uns täg­lich die­sem The­ma, wol­len zei­gen, wie man die Hei­mat ge­nie­ßen und er­le­ben kann, wie neu­es und al­tes neu ent­de­cken kann.

Sie ha­ben ei­nen ganz ei­ge­nen Tipp, wo sich Hei­mat ent­de­cken oder ge­nie­ßen lässt? Schrei­ben Sie uns – am bes­ten mit Ih­rem „Hei­ma­tFo­to“: kle­ve@rhei­ni­sche-post.de

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.