Der Kle­ver im gol­de­nen Jahr­hun­dert

Rheinische Post Goch - - LOKALE KULTUR - VON MAT­THI­AS GRASS

Sonn­tag er­öff­net die Aus­stel­lung „Go­vert Flinck“im Mu­se­um Kur­haus zum 400. Ge­burts­tag des Ma­lers.

KLE­VE Das Bild, mit dem der be­rühm­te Ma­ler sei­ne Ge­burts­stadt ehr­te, ist wie­der da. Es war Go­vert Flincks Ge­schenk an den Rat der Stadt. Über­lie­fert als Da­tum: 29. Au­gust 1659. Auf die­sen Tag da­tiert ist der Brief, mit dem der Bür­ger­meis­ter und der Rat der Stadt Kle­ve Flinck im fer­nen Ams­ter­dam dank­ten. Das Bild, das jetzt zen­tral vor Kopf im Ober­licht­saal des Mu­se­ums Kur­haus hängt, ist die et­was klei­ne­re Ver­si­on ei­nes der mo­nu­men­ta­len Ka­min­bil­der im kö­nig­li­chen Stadt­pa­lais zu Ams­ter­dam „Sa­lo­mons Ge­bet um Weis­heit“. Ein schö­ne Wink bis auf den heu­ti­gen Tag: Mö­ge doch al­len Rats­her­ren und dem Herrn Bür­ger­meis­ter und bald der Frau Bür­ger­meis­te­rin sel­bi­ge – näm­lich die Weis­heit – er­leuch­ten. Das Bild kam dann ir­gend­wann in Kle­ve ab­han­den, tauch­te spä­ter wie­der im Lon­do­ner Kunst­han­del auf, wo es von der Bob Jo­nes Uni­ver­si­ty in Gre­en­vil­le, USA, an­ge­kauft wur­de. Die lieh es jetzt an das Kle­ver Mu­se­um für die gro­ße Flinck-Aus­stel­lung aus. Die Ku­ra­to­ren häng­ten das Ka­min-Bild ver­spielt in ei­ne Ka­min-Atrap­pe.

Go­vert Flinck ist in Kle­ve an­ge­kom­men. 30 Ge­mäl­de und 40 Zeich­nun­gen und Gra­fi­ken ha­ben die Ku­ra­to­ren Va­len­ti­na Vla­sic vom Mu­se­um Kur­haus und Tom van der Mo­len vom Ams­ter­dam-Mu­se­um für die Aus­stel­lung ge­sam­melt, die in den Sä­len des Kur­ho­tels vom Ba­rock er­zählt – zu­stan­de ge­kom­men dank der Un­ter­stüt­zung un­ter an­de­ren durch das Land, durch die Oet­ker- und Sie­mens-Stif­tun­gen und die Spar­kas­sen-Kul­tur­stif­tung.

Es sind Bil­der von Her­ren und Da­men der Ge­sell­schaft, die es sich leis­ten konn­ten, von ei­nem her­aus­ra­gen­den Ma­ler pro­trä­tiert zu wer­den. Da­zu konn­ten Vla­sic und van der Mo­len auch al­le­go­ri­sche Sze­nen be­kom­men. Al­le­samt gro­ße, mäch­ti­ge Öl-Ge­mäl­de. Bis hin zu ei­nem Schüt­zen­stück, das auf „hand­li­cher“Grö­ße von 0,7 auf ei­nen Me­ter ei­nes je­ner rie­si­gen Bil­der skiz­ziert, die spä­ter im Ams­ter­da­mer Rat­haus hin­gen. Es war wohl ei­ne Pro­be für den Herrn Ca­pi­tän und sei­ne Schüt­zen, da­mit je­der wuss­te, wie er spä­ter auf dem Bild zu se­hen ist. Selbst die­se Pro­be ist in Öl auf Lein­wand ge­malt und über­rascht durch ih­re Fri­sche. Dass Flinck mehr ist, als der „Rem­brandt-Schü­ler“, ver­deut­licht die Aus­stel­lung, die auf ge­die­gen grau ge­stri­che­nen Wän­den ge­zeigt wird, sehr schön. Von der emo­tio­na­len Zeich­nung, die spä­ter mit Rem­brandts Si­gna­tur ver­se­hen wur­de, bis zum gro­ßen Por­trät, von alt­bi­bli­schen Sze­nen bis zur Weis­heit für die Rats­her­ren oder Hir­ten­sze­nen. Wun­der­bar die Zeich­nun­gen im se­pa­ra­ten Raum. Es feh­len auch nicht An­sich­ten Kle­ves, wie die Stadt zur Zeit Flincks, der hier 1615 ge­bo­ren wur­de, aus­sah. Flinck starb 1660.

Ge­bro­chen wird die ba­ro­cke Ma­le­rei von den Fo­tos von Ori Gersht, der die Mä­ze­ne und Freun­de des Kur­hau­ses fo­to­gra­fier­te – ganz im Sin­ne ba­ro­cker Por­trät­ma­le­rei.

Ab Sonn­tag kann je­der Be­su­cher Teil der Aus­stel­lung wer­den: Als ge­druck­te hand­gro­ße Skulp­tur. In­fos zu Scan-Ter­mi­nen: Mu­se­ums­kas­se. Die Er­öff­nung ist am Sonn­tag, 11.30 Uhr. Zur Aus­stel­lung ist ein opu­len­ter Ka­ta­log er­schie­nen. Am Mitt­woch, 7. Ok­to­ber ist um 19.30 Uhr ei­ne Füh­rung für die Mu­se­ums­freun­de.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.