Dort­mund ist die letz­te Hoff­nung auf Span­nung

Rheinische Post Goch - - SPORT - VON RO­BERT PE­TERS

Mor­gen trifft der FC Bay­ern auf Bo­rus­sia. Ge­winnt der Spit­zen­rei­ter er­neut, droht Lan­ge­wei­le im Kampf um den Ti­tel.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN Noch ist kein Klub nach dem ach­ten Bun­des­li­ga-Spiel­tag deut­scher Meis­ter ge­wor­den. Nicht mal die Bay­ern, die zu­letzt im­mer kurz nach Weih­nach­ten die Scha­le stem­men durf­ten. Trotz­dem stellt selbst das über­wie­gend ernst­haf­te Fuß­ball­ma­ga­zin „Ki­cker“in sei­ner jüngs­ten Aus­ga­be die kun­di­ge Fra­ge: „Wird Bay­ern am Sonn­tag Meis­ter?“Für der­art weg­wei­send hal­ten Ex­per­ten die Be­geg­nung zwi­schen dem Meis­ter und sei­nem deut­lich wie­der­be­leb­ten Her­aus­for­de­rer Bo­rus­sia Dort­mund mor­gen am frü­hen Abend.

Zu der­art weit­rei­chen­den Ein­schät­zun­gen tru­gen bei­de Teams bei. Die Bay­ern durch ei­ne Se­rie kla­rer Er­fol­ge und die Top­form ih­res Tor­jä­gers Ro­bert Le­wan­dow­ski, der in­ner­halb ei­ner eng­li­schen Wo­che vor dem Spit­zen­spiel in drei Be­geg­nun­gen zehn Tref­fer er­ziel­te. Der BVB eher un­frei­wil­lig, weil er durch zwei Un­ent­schie­den vier Punk­te lie­gen­ließ und den Münch­nern ex­akt die­sen Vor­sprung ge­stat­te­te. Vor al­lem das 2:2 ge­gen den SV Darm­stadt 98, den noch kein Fach­mann auf der Welt­kar­te der Su­per­klubs führt, sorg­te für An­flü­ge von schlech­ter Lau­ne im Auf­ge­bot der West­fa­len, das zu­vor bes­ter Stim- mung durch sei­ne Wett­be­wer­be ge­rauscht war.

Trai­ner Tho­mas Tu­chel wur­de erst­mals von je­nen An­fäl­len de­mons­tra­ti­ver Ge­reizt­heit er­eilt, mit de­nen er in Mainz die Öf­fent­lich­keit er­freu­te. Und Ka­pi­tän Mats Hum­mels fiel in al­te Mus­ter, als er die Kol­le­gen öf­fent­lich kri­ti­sier­te und da­bei je­der­mann den Ein­druck ver­mit­tel­te, er sei vor al­lem an sich selbst in­ter­es­siert. „Das wur­de in der Mann­schafts­sit­zung mit ihm be­spro­chen“, ver­si­cher­te Sport­di­rek­tor Michael Zorc dem „Ki­cker“.

Trotz des klei­nen Rück­schlags geht Dort­mund nicht gera­de als kras­ser Au­ßen­sei­ter in die Par­tie beim Re­kord­meis­ter. Da­für ist die Mann­schaft im Som­mer viel zu stark ge­wor­den. Ein Ver­gleich der Teams zeigt das.

Das Spiel­sys­tem Tu­chel hat die Spiel­wei­se, mit der sein Vor­gän­ger Jür­gen Klopp in der Hoch­pha­se sei­ner Ar­beit in Dort­mund gro­ße Er­fol­ge fei­er­te, wei­ter ent­wi­ckelt. Der wil­de Ero­be­rungs­fuß­ball, der zu zwei Meis­ter­schaf­ten und ins End­spiel der Cham­pi­ons Le­ague führ­te, ist um die Fein­hei­ten des Ball­be­sitz­fuß­balls er­wei­tert wor­den. Dort­mund kann sich in Kom­bi­na­tio­nen be­haup­ten, das Tem­po wech­seln und de­fen­si­ve Geg­ner aus­spie­len. Das ist neu. Die tak­ti­sche Grund- ord­nung ist das be­lieb­te 4-2-3-1, das sich aber in un­ter­schied­li­chen Spiel­si­tua­tio­nen stark ver­än­dert. Die­se Va­ria­bi­li­tät hat Tu­chel in kur­zer Zeit ver­mit­teln kön­nen.

Die Bay­ern sind in die­ser Hin­sicht ei­nen Schritt wei­ter. Ihr Coach Pep Guar­dio­la gilt seit je­her als An­hän­ger des Fuß­balls, der sich ganz an den An­for­de­run­gen des Mo­ments ori­en­tiert. Er än­dert die Grund­ord­nung stän­dig, und er hat da­mit in ei­ni­gen frü­hen Pha­sen auch bei den ei­ge­nen Jungs für Ir­ri­ta­tio­nen ge­sorgt. Mitt­ler­wei­le funk­tio­nie­ren vie­le Mo­del­le wäh­rend ei­ner Be­geg­nung.

Die Klas­se der Spie­ler Zu­min­dest die ers­te Mann­schaft der Dort­mun­der hat reich­lich in­ter­na­tio­na­le Klas­se ver­sam­melt. Hum­mels ist als Ver­tei­di­ger wie­der in der Form, die ihn zum Welt­meis­ter mach­te. Vor al­lem im Mit­tel­feld wer­den Hoch­ka­rä­ter be­schäf­tigt. Il­kay Gün­do­gan spielt so wie vor sei­ner über ein­jäh­ri­gen Ver­let­zungs­pau­se, Mar­co Reus und Hen­rikh Mk­hi­ta­ryan sind an gu­ten Ta­gen Welt­klas­se­spie­ler. Schlech­te hat­ten sie die­se Sai­son noch nicht so oft. Und Pierre-Eme­rick Auba­meyang trifft bei­na­he so häu­fig wie der Kol­le­ge Le­wan­dow­ski.

Bay­ern hat die grö­ße­re Aus­wahl. Auch nach um­fang­rei­chen Wech­sel­spie­len oder bei der zur Er­ho­lung der kost­ba­ren Fuß­bal­ler so wich­ti­gen Ro­ta­ti­on wer­den die Münch­ner nicht er­kenn­bar schwä­cher. Das macht sie auf Dau­er na­tür­lich zum Fa­vo­ri­ten.

Die Trai­ner Bei­de sind be­gna­de­te und (das muss wohl so sein) schrul­li­ge Tüft­ler. Sie glau­ben an die grund­sätz­li­che Be­re­chen­bar­keit des Fuß­balls, und ein Man­gel an Per­fek­ti­on kann sie bild­schön auf die Pal­me brin­gen. Guar­dio­la hat den Ruf, ei­ner der bes­ten Trai­ner der Welt zu sein, mit zahl­rei­chen Ti­teln un­ter­mau­ert. Tu­chel darf dar­auf ver­wei­sen, aus der grau­en Maus Mainz ein at­trak­ti­ves Fuß­ball­team ge­macht zu ha­ben.

Die Form Der FC Bay­ern ist in über­ra­gen­der Ver­fas­sung. Zu­letzt wa­ren sei­ne Geg­ner nicht mehr als Spar­rings­part­ner. Das könn­te den Meis­ter leicht­fer­tig ma­chen. Aber die Er­in­ne­rung an die Be­geg­nun­gen mit Dort­mund ver­bie­tet das. Selbst im schwie­ri­gen letz­ten Klopp-Jahr ge­wann der BVB das Po­kal-Halb­fi­na­le in München. Er ist der Geg­ner, der den Bay­ern zu­ver­läs­sig den größ­ten Re­spekt ein­flößt.

Vor dem klei­nen Aus­rut­scher ge­gen Darm­stadt war der BVB längst wie­der auf sei­nem an­ge­stamm­ten Platz als ein­zi­ger deut­scher Mit­be­wer­ber der Bay­ern an­ge­langt. Wenn sich das Team kon­zen­triert, und da­von kann man aus­ge­hen, wird es die­se Rol­le auch mor­gen spie­len. Halb Deutsch­land wünscht sich ei­nen Er­folg, da­mit die Bay­ern nicht früh­zei­tig zum Al­lein­gang auf­bre­chen. Aber selbst bei ei­nem Münch­ner Sieg bleibt die Meis­ter­scha­le noch im Pan­zer­schrank des DFB. Vor­erst.

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