Die ru­hi­ge Mit­te der Fa­mi­lie Bach

Rheinische Post Goch - - BLICKPUNKT KULTUR - VON VOL­KER HA­GE­DORN

Vor 400 Jah­ren wur­de Hein­rich Bach ge­bo­ren, Groß­on­kel Jo­hann Se­bas­ti­ans.

Er muss ein hei­te­rer Mensch ge­we­sen sein, was zu sei­ner Zeit kei­ne ver­brei­te­te Ge­müts­ver­fas­sung war. Der Krieg, zu dem schon bei sei­ner Tau­fe im Sep­tem­ber 1615 auf­ge­rüs­tet wor­den war, währ­te drei­ßig Jah­re und traf mit Be­la­ge­run­gen, Ge­walt­ex­zes­sen, Seu­chen je­den der Or­te, an de­nen sich Hein­rich Bach auf­hielt. Ein Wun­der schon, dass er als Kn­a­be, da Thü­rin­gen schon Durch­marsch­ge­biet ge­wor­den war, vom hei­mi­schen Wech­mar aus mei­len­weit wan­der­te, um Or­geln zu hö­ren. Er lieb­te die­ses In­stru­ment, und an ei­ner Or­gel spiel­te er na­he­zu ein hal­bes Jahr­hun­dert lang, in der Ober­kir­che zu Arn­stadt.

Schlecht be­zahl­te Or­ga­nis­ten wie ihn gab es vie­le. An die­sen ei­nen ist zu sei­nem 400. Ge­burts­tag auch nicht bloß des­halb zu er­in­nern, weil Hein­rich Bach sen­sa­tio­nell alt wur­de – et­wa ei­ner von hun­dert Men­schen er­reich­te wie er das 77. Le­bens­jahr. Son­dern weil er, selbst noch En­kel ei­nes zu­ge­wan­der­ten Bä­cker­meis­ters, zwei sei­ner Söh­ne zu be­deu­ten­den Kom­po­nis­ten wer­den ließ. Jo­hann Chris­toph und Jo­hann Michael Bach be­ka­men ih­re hand­werk­li­che Ba­sis, als Or­ga­nis­ten und als Ton­set­zer, bei Va­ter Hein­rich, der selbst für na­he­zu je­des Gen­re kom­po­nier­te, „viel Creutz con­tra­punc­ten und Chro­ma­ti­sche To­ne“.

So weiß es die Lei­chen­re­de, wäh­rend die vier er­hal­te­nen Stü­cke auf ei­ne eher mo­de­ra­te Fort­schrei­bung ita­lie­ni­scher Mo­del­le ver­wei­sen und auf die Kennt­nis gro­ßer Zeit­ge­nos­sen wie Hein­rich Schütz. Mehr er­fah­ren wir über Hein­rich durch das, was er schätz­te und ko­pier­te – zwei Mo­tet­ten sei­nes Äl­tes­ten wä­ren oh­ne ihn ver­lo­ren. Die tie­fe Ex- pres­si­vi­tät des Ei­se­nach­ers Jo­hann Chris­toph, die leuch­ten­de Ba­lan­ce des Geh­re­ners Jo­hann Michael tra­gen in sich auch exis­ten­zi­el­le Er­fah­run­gen der Ge­ne­ra­ti­on da­vor, und oh­ne die­se Mu­sik wä­re wie­der­um der ein an­de­rer ge­wor­den, den Hein­rich noch als Kind sah.

Jo­hann Se­bas­ti­an, En­kel des Chris­toph, des früh ge­stor­be­nen Bru­ders von Hein­rich, hat­te da nichts zu „voll­enden“. Er konn­te in ei­ne neue Zeit ge­hen auf ei­ner ge­wal­ti­gen Ba­sis, als de­ren ru­hi­ge Mit­te wir uns Hein­rich Bach den­ken dür­fen. Des­sen „sehr volck­rei­che Leich­be­stat­tung“am 12. Ju­li 1692 in Arn­stadt war ein Er­eig­nis. Man fei­er­te sein ho­hes Al­ter, sei­ne „Ge­müths­zu­frie­den­heit“und „hert­z­d­rin­gen­de Or­ga­nis­ten­kunst“, man fei­er­te den gan­zen Clan, des­sen Be­rufs­mu­si­ker über­all in Thü­rin­gen den Ton an­ga­ben.

Und un­ter Hein­richs 28 En­keln war be­reits An­na Bar­ba­ra, spä­te­re ers­te Frau des Jo­hann Se­bas­ti­an Bach.

Die Or­ga­nis­ten­kunst die­ses Meis­ters aus Wech­mar war of­fen­bar

„hert­z­d­rin­gend“

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